Angebot, von dem alle profitieren

Von unserer Redakteurin Ulrike Plapp-Schirmer

Angebot, von dem alle profitieren
Beim offenen Treff dürfen sie einfach sein wie sie sind: Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung kommen einmal pro Woche im Jugendhaus Maximal zusammen. Am Donnerstag wurde Fasching gefeiert.Foto: Ulrike Plapp-Schirmer 

Bad Rappenau - Wenn "Das Rote Pferd" aus den Lautsprechern dröhnt, dann sind sie alle eins: ausgelassene Kinder und Jugendliche, die verkleidet und geschminkt durchs Jugendhaus Maximal toben. Die tanzen, singen und Spaß an der Gemeinschaft haben, auch wenn sie im Alltag manches trennt. Immer donnerstags kommen Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung im offenen Treff zusammen. Die Kooperation von Jugendhaus und Offenen Hilfen Heilbronn, Außenstelle Möckmühl, läuft seit den Sommerferien. Eltern, Teilnehmer und Initiatoren sind begeistert.

Spaß

Für Rouven, zum Beispiel, ist der offene Treff eine von ganz wenigen Möglichkeiten, mit anderen Kindern zusammen zu spielen. "Das ist ganz toll. Hier ist er akzeptiert wie er ist", sagt seine Mutter Carmen Autrum. In Treschklingen, wo die Familie lebt, habe er keine Spielkameraden. Die Ausgrenzung, die er etwa auf dem Spielplatz erlebt, "nehme er sehr wohl wahr". Im offenen Treff ist keiner ausgegrenzt.

Naht der Donnerstag, wird Rouven ganz aufgeregt: "Das ist für ihn das Hightlight der Woche." Für Nina, Emma und Milana ist es das auch: Sie helfen bei den Aktionen, die ihm Rahmen des Offenen Treffs stattfinden, mit, gehen einkaufen, schnippeln Obst, brauen Bowle. "Manchmal müssen wir Marcel dreimal was sagen, bis er es versteht", erzählt Emma. "Manchmal muss er euch auch dreimal was sagen, bis ihr ihn versteht", gibt Jugendpflegerin Karin König zurück. "Stimmt", gibt Emma zu. Und dann fügt sie noch an, dass sie sich immer freue, wenn die OH-Kinder kommen. Der Grund: "Es macht einfach Spaß".

Von einem Geben und Nehmen ist bei den Verantwortlichen und ehrenamtlichen Betreuern die Rede. Davon, dass alle profitierten, spricht Diakon Gerald Bürkert, der Leiter der OH-Außenstelle in Möckmühl: "Es ist eine Entlastung für die Eltern, die Teilnehmer erleben eine Zeit wie wir, wenn wir abends irgendwo hingehen." Kinder ohne Behinderung lernten, Behinderungen als etwas Normales zu betrachten.

Den offenen Treff der Offenen Hilfen gibt es seit etwa zwei Jahren. Ziel ist es, "den Gedanken der Inklusion in die Gesellschaft hinein zu tragen." Inklusion meint als Weiterführung der Integration vor allem " Dazugehörigkeit". Bürkert und König wünschen sich, dass sich Menschen mit Behinderung irgendwann genau so frei bewegen können wie Menschen ohne. Dass sie dahin gehen können, wo sie hin wollen, "dass es keinen Unterschied mehr gibt zwischen jemandem mit höherem Förderbedarf und jemandem ohne", so Bürkert.

Idee

Längerfristig träumt er von einem echten offenen Treff im Maximal, wo jeder kommen und gehen kann wie er will. Doch dafür fehlt noch das Geld, auch wenn am Rappenauer Projekt etliche ehrenamtliche Betreuer mitarbeiten.

Auch im Jugendhaus ist Personal knapp. Nicht aber die Ideen: "Es muss ganz viele Angebote geben, wo sich unterschiedliche Menschen treffen können", das ist ein Ziel von Karin König.

Partner von Behinderten

Die Offenen Hilfen verstehen sich als Partner von geistig behinderten Menschen und ihren Familien. Die Angebote im nördlichen Landkreis werden von der Außenstelle in Möckmühl aus koordiniert. Informationen im Netz: www.oh-mm.de. rik
 




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