Als sich die Weiber zum Zechen trafen

Isolde Döbele-Carlesso erzählte in Kleingartach von einem besonderen Phänomen

Von Susanne Walter

Als sich die Weiber zum Zechen trafen
Isolde Döbele-Carlesso forschte über trinkende Frauen. Das Ergebnis steht im Buch, das ihr Ehemann Mirko Andrea Carlesso verlegt hat. Was Bürgermeister heutzutage sagen würden, gäbe es die Weiberzeche noch? Das Rathaus bezahlte sie. Foto: Walter

Eppingen - Noch ist das in Geschichte, Literatur, Dichtung und Musik so beliebte Thema „Wein und Weib“ nicht in jedem Punkt abgegrast. Die in Brackenheim lebende Heimatkundlerin Isolde Döbele-Carlesso fand eine dunkle Stelle auf dieser Landkarte und ging dann diesem Phänomen nach: einem alten Brauch, der nur wenigen bekannt sein dürfte, dem Brauch der Weiberzeche. In Kleingartach brachte sie in einem Vortrag Licht ins Dunkel um ein altes Recht, das etwa im Eppinger Stadtteil oder in Pfaffenhofen den Frauen einmal im Jahr gewährt wurde. Als Auftakt zur Weinprobe führte die Autorin in ihr Büchlein „Frauen und Wein: Zum alten Brauch der Weiberzeche“ ein und beleuchtete diese Beziehung anhand historischer Quellen.

Trinkfreudig Basierend auf historischen Texten, die die Autorin nicht nur ausgegraben, sondern gekonnt distanziert auch gedeutet und ausgewertet hat, geht sie dem Gerücht der Trinkfreudigkeit des weiblichen Geschlechts nach. Die Weiberzeche, wie sie in Altwürttemberg in bestimmten Gemeinden üblich war, scheint reichlich Zündstoff für Anekdoten und Geschichten geliefert zu haben. Vergessen wurde dabei oft, sagte Döbele-Carlesso, dass die Weiberzeche eine Ausnahme im Jahresverlauf war. „Beim Zechtag wurde ihnen in einer von Männern bestimmten Gesellschaft eine öffentliche Aufmerksamkeit entgegengebracht, die sie sonst oft das Jahr über zu entbehren hatten“, machte die Geschichtskennerin klar. Die Weiberzeche sei an die Fastnacht angegliedert gewesen. Sie war kein privates Frauenfest, wie etwa die sogenannte „Kindbettzeche“, weiß die Brackenheimer Autorin, sondern wurde vielmehr öffentlich und auf Kosten des Rathauses begangen.

Für die Brauchtumgeschichte sei sie von Bedeutung, weil sie im Laufe der Zeit unterschiedlich beschrieben und interpretiert wurde. Obwohl noch nicht alle Gemeinden erforscht sind, lasse sich eine Tendenz verzeichnen, nach der die Weiberzeche besonders gern im Gebiet des Strom- und Heuchelbergs abgehalten wurde.

Fahne am Rathaus Zu den ersten Orten, in denen die Frauen feierten, zählte Kleingartach. Schon im Jahr 1607 sei allerdings unter Herzog Friedrich I. der Zechbrauch in Kleingartach wieder aufgehoben worden. „Aus diesem Verbot geht hervor, dass die Kleingartacher Frauen eine Weiberfahne besaßen“, weiß Isolde Döbele-Carlesso. „Diese wurde anlässlich ihrer Zeche an Aschermittwoch auf dem Rathaus ausgehängt.“ Die Ursache für das Verbot der Kleingartacher Zeche liege im Dunkeln. Das reizt zu Spekulationen. Tatsache sei, dass es wohl zu schlimmeren Verstößen gekommen sein muss, weil „eine Zeche von Seiten der Obrigkeit nicht ohne berechtigten Grund abgeschafft wurde“.

Auch im alten Amt Güglingen und Brackenheim von Eibensbach bis Nordheim freuten sich die Frauen auf ihren geselligen Trinktreff. Längst ist nicht alles darüber erforscht, für interessierte Quellenstöberer nach wie vor ein reichhaltiges Betätigungsfeld, sagte Isolde Döbele-Carlesso.