Von Sternen und allerlei Blödsinn

Großer Andrang beim Tag der offenen Tür in Heinsheims ehemaliger Synagoge

Von Stefanie Pfäffle

Von Sternen und allerlei Blödsinn
Fritz Abel erzählt den vielen interessierten Besuchern von der Geschichte des Hauses und seine eigenen Erinnerungen daran.Foto: Stefanie Pfäffle

Großer Andrang - Wenn sich Bernd Göller in der alten Synagoge in Heinsheim umschaut, kommt er ins Schwärmen. "Ich bin hin und weg von dem Zuspruch", freut sich das Mitglied des Freundeskreises Ehemalige Synagoge Heinsheim. Dazu hat er allen Grund. Die Bänke und Tische im alten Gebäude sind voll besetzt, sogar vor der Tür stehen die Besucher und lauschen den Ausführungen zur Geschichte. Der Verein hatte zum ersten Tag der offenen Tür eingeladen.

Renovierungsbedarf Die ehemalige Synagoge ist in keinem guten Zustand. Von den braunen Wänden blättert der Putz. Hier und da sind Löcher zu sehen, in denen wohl mal Dübel steckten, und vor allem das Dach ist dringend renovierungsbedürftig. "Wir wollen den Zustand jetzt und dann jährlich wieder zeigen, um die Entwicklung deutlich zu machen", beschreibt Göller das Anliegen. Denn zu sehen ist eigentlich nichts, abgesehen von dem aufwendig gestalteten Hochzeitsstein über dem Eingang.

Aber zu hören. Fritz Abel fasst die wechselhafte Geschichte des Gebäudes zusammen, das der Verein kürzlich erworben hat und dessen achter Besitzer er nun ist. Die Synagoge wurde 1796 als einfacher Bau verwirklicht und 1938 an einen Heinsheimer Bauern verkauft, der sie als Scheune verwendete. Diese Nutzung rettete sie in der Reichspogromnacht vor dem Feuer. "Das Benzin war schon gekauft, aber weil Bauer Kühner argumentierte, die Scheune sei voll mit Getreide, man solle sie bitte nicht anzünden, haben sie es nicht gemacht", erzählt Abel.

Es gab eine kleine Empore, die von außen über eine stabile Steintreppe zugänglich war. Die alte Tür ist noch vorhanden. Er erinnere sich daran, wie er als kleiner Junge mit Freunden den Eingang gefunden habe und allerlei Blödsinn da oben im Stroh angestellt habe, meint der ältere Herr lächelnd. Der Blick nach oben zeigt jetzt eine Zwischendecke. Früher sei es eine gewölbte Decke gewesen. Blau, mit Sternen bemalt, die auch jetzt noch leicht zu erkennen sind.

Während das kleine Wohnhaus nebenan, in dem die Judenschule war, längst abgerissen ist, gibt es eine ganze Reihe Häuser, die früher in jüdischem Besitz waren. Zusätzlich ist der jüdische Friedhof noch begehbar. "Das alles muss man erhalten, das wollte ich schon als junger Mann", bekräftigt Abel. Der Verein selber sei mit dem Erwerb ins kalte Wasser gesprungen und brauche nun Menschen, die das Projekt unterstützen, ergänzt Göller.

Kosten Peter Trunzer, der mit Heinz Kübler jüdisch angehauchte Melodien spielt, ist direkter: "50 000 Euro brauchen wir noch für das Dach", erklärt er. Allein mit Kaffee und Kuchen sei das nicht zu schaffen, zielt er auf die Spendenbereitschaft der Anwesenden. Als bei Joan Baez "Donna Donna" einige in den Refrain einsteigen, freut er sich: "Das ist das erste Mal seit 50 Jahren, dass hier wieder gesungen wird."