Untersuchung des Kessel-Unglücks ist langwierig

Eppingen  Eine 18-Jährige erleidet beim Eppinger Nachtumzug Verbrennungen zweiten Grades und muss rund zwei Wochen im Krankenhaus bleiben. Jetzt sucht die Polizei weitere Zeugen, die Hinweise auf die Geschehnisse geben können.

Von Heike Kinkopf

Untersuchung des Kessel-Unglücks ist langwierig

2000 Narren und mehr als Zehntausend Zuschauer sind beim Umzug in Eppingen auf der Straße. Gegen eine Narrengruppe laufen Ermittlungen.

Foto: Ralf Seidel

 

Die 18 Jahre alte Frau, die beim Eppinger Nachtumzug schwer verletzt worden ist, dürfte einen "schmerzhaften Heilungsprozess" durchlaufen. Zu dieser Einschätzung kommt Professor Harald Löffler, Chefarzt am SLK-Klinikum in Heilbronn. Derweil gestalten sich die Ermittlungen der Polizei als "umfangreich, überörtlich und langwierig", wie es in einer gemeinsamen Erklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei heißt.

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Die verletzte Frau aus Rheinstetten wird zurzeit in einer Stuttgarter Spezialklinik behandelt. Sie erlitt Verbrennungen zweiten Grades, als sie beim Nachtumzug von Hexen über einen Kessel mit dem heißen Wasser gehalten wurde. Dabei gerieten die Beine der 18-Jährigen aus weiterhin unbekannten Gründen bis zu den Kniekehlen ins Wasser. Insbesondere von der Vernehmung der Frau, die in der kommenden Woche geplant ist, erhoffen sich Staatsanwaltschaft und Polizei neue Ermittlungsansätze.

Ermittlungen gegen die ganze Hexengruppe

Die Behörden ermitteln nach eigenen Angaben gegen die gesamte Hexengruppe aus Kraichtal-Bahnbrücken, die den Wurstkessel mit integriertem Holzfeuer hinter sich herzog. Im Vordergrund steht dabei der Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung. Die 18-Jährige wurde von Hexen am Straßenrand abgesetzt, als sie schrie. Die Narrengruppe zog einfach weiter.

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Einen neuen Sachstand teilen die Behörden nicht mit. Der Ermittlungsaufwand sei beträchtlich, zumal viele Personen betroffen seien. Grundsätzlich gilt: Ein Beschuldigter hat das Recht, sich gegenüber der Polizei nicht zu äußern. Mit einer Lösung des Falls in wenigen Tagen sei daher nicht zu rechnen. "Es geht nicht wie im ,Tatort" in 90 Minuten", sagt Frank Belz, Sprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn. Was Zeugenvernehmungen bislang gebracht haben und ob die Polizei den Tätern näher kommt, teilen Staatsanwaltschaft und Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mit.

Vor allem Videoaufzeichnungen gesucht

Nachdem die bisher vorliegenden Beweise ausgewertet sind, hofft die Polizei auf weitere Hinweise von Zeugen. Insbesondere Video- und Fotomaterial von unbeteiligten Zuschauern könnten laut Polizei entscheidende Ermittlungsansätze bringen. Zeugen sollen sich beim Eppinger Revier unter der Telefonnummer 07262 60950 melden. Es besteht weiter die Möglichkeit, dass sich die Täter selbst stellen. "Ein Geständnis wirkt sich grundsätzlich positiv aus und kann strafmildernd wirken", sagt Bettina Jörg von der Staatsanwaltschaft. Frank Belz von der Polizei hält es für denkbar, dass sich der oder die Täter sagen: "Das ist passiert. Wir stehen dazu."

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Das Opfer des Kessel-Vorfalls wird voraussichtlich zwei Wochen im Krankenhaus behandelt. Bei Verbrennungen zweiten Grades bilden sich Blasen, die Berührungsempfindlichkeit verringert sich, sagt Harald Löffler, Direktor der SLK-Klinik für Dermatologie und Allergologie. Seien größere Körperflächen betroffen, müsse man gegen die Infektionsgefahr vorgehen. Verbrennungsopfer litten unter den Schmerzen. Bei Verbrennungen der Stufe drei bilden sich Löffler zufolge Narben und unter Umständen seien Hauttransplantationen erforderlich.

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