Doc Morris öffnet wieder Filiale in Hüffenhardt

Hüffenhardt  Auf, zu, wieder auf: Doc Morris hat seine deutschlandweit erste und bei Apothekern umstrittene Videoberatung in Hüffenhardt wieder in Betrieb genommen. Bürgermeister Walter Neff hört gern, dass zumindest wieder nicht verschreibungspflichtige Medikamente zu haben sind.

Von Simon Gajer

Vergangene Woche hatte das für Apotheken zuständige Regierungspräsidium in Karlsruhe den Betrieb untersagt. Laut einer Pressemitteilung hat sich DocMorris Klage gegen die Verfügung des Regierungspräsidium Karlsruhe eingerichtet. Folge davon sei, dass zumindest die Abgabe von nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln bis zu einer gerichtlichen Entscheidung gestattet sei.

„Wir sehen unser Angebot nach wie vor als sinnvollen und gewünschten Beitrag zur Sicherung der Daseinsvorsorge in Hüffenhardt“, teilte Doc-Morris-Vorstandsvorsitzender Olaf Heinrich mit. „Wir werden daher in Abstimmung mit der Gemeinde und dem Bürgermeister alle Schritte unternehmen, die für die vollständige Umsetzung unseres alternativen und digitalen Versorgungskonzeptes für die Hüffenhardter notwendig sind.“ Seiner Ansicht nach ist es vollkommen unverständlich, „dass Gerichte über Innovationen entscheiden müssen, die zum Wohle der Menschen sind“.

Umstrittene Medikamentenabgabe in Betrieb
Der Verandhändler Doc Morris nimmt den Apothekenautomaten in Hüffenhardt vorerst wieder in Betrieb.

Medikament per Knopfdruck

Bürgermeister Walter Neff begrüßt die Wiedereröffnung. „Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.“ Kollegen hatten sich bei ihm erkundigt, wie die Medikamentenabgabe funktioniert. Doc Morris sei auch Thema im Ort gewesen. Die Bürger seien überrascht gewesen, dass die Filiale so schnell wieder zumachen musste, sagte Bürgermeister Neff. Auch Bürgermeisterkollegen erkundigten sich danach, wie die Medikamentenabgabe funktioniert.

Landesapothekerkammer kritisiert Wiederinbetriebnahme

Karsten Diers, Geschäftsführer der Landesapothekerkammer in Stuttgart, ist gegen die Wiederinbetriebnahme. „Auch nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel haben Wirkungen und oft genug auch Nebenwirkungen“, teilte er unserer Zeitung mit. „Deshalb gibt es strenge Regelungen, in welchem Rahmen Arzneimittel abgegeben werden dürfen.“ Alle Apotheker hielten sich an die entsprechenden Gesetze. „Und diese Gesetze müssen auch für ausländische Kapitalunternehmen gelten. Deshalb halten wir einen Abgabeautomaten weiterhin für rechtlich nicht zulässig.“

Doc Morris ist in Räume der Gemeinde gegangen, in denen bis vor zwei Jahren ein Apotheker war. Bei Doc Morris unterhalten sich Kunden per Videoschaltung mit Doc-Morris-Mitarbeitern in den Niederlanden, die auf Knopfdruck Medikamente in Hüffenhardt freigeben. Mehrmals prüfen sie nach eigenen Angaben, dass auch tatsächlich das Medikament ausgegeben wird, das für den Patienten richtig ist.