S-Bahn: Halbstundentakt in weiter Ferne

Kraichgau  Die Deutsche Bahn hat eine wichtige Ausschreibung für die Rhein-Neckar-S-Bahn zwischen 2020 und 2034 gewonnen. Der Halbstundentakt auf dem Ast der S5 zwischen Eppingen und Sinsheim ist für absehbare Zeit vom Tisch. Dafür sollen einzelne S-Bahnen Bad Rappenau ansteuern.

Von Alexander Hettich

S-Bahn: Halbstundentakt in weiter Ferne

Ein Zug der S-Bahn-Linie S?5 wartet am Eppinger Bahnhof, davor eine Stadtbahn richtung Heilbronn. An der Anbindung nach Heidelberg wird sich nichts ändern.

Foto: Alexander Hettich

 

Ernüchtert, aber auch mit Verständnis: So reagieren die Verantwortlichen in Eppingen und Ittlingen auf die Details des Verkehrsvertrags, der vergangene Woche unterzeichnet wurde und ab Dezember 2020 greift. Das Ergebnis war kaum überraschend: Eine seit Jahren vehement vorgetragene Forderung der S-Bahn-Gemeinden im oberen Elsenztal dürfte sich auf Jahrzehnte hinaus erledigt haben.

Seit sich Eppingen und Ittlingen mit viel Geld an der Elektrifizierung der Strecke beteiligt haben, um der S-Bahn ab 2009 den Weg zu ebnen, rühren sie die Werbetrommel: Ein Zug pro Stunde und Richtung auf der Linie S 5 sei zu wenig, ein engerer Takt brächte mehr Fahrgäste.

Ein Ausweichgleis fehlt

Daraus wird nichts. "Der Halbstundentakt zwischen Sinsheim und Eppingen ist aus infrastrukturellen Gründen nicht möglich", teilt das Landesverkehrsministerium auf Nachfrage unserer Zeitung mit. "Die Strecke ist eingleisig ohne Kreuzungsmöglichkeit zwischen Sinsheim Museum und Eppingen." Irgendwo auf diesem Abschnitt müsste ein Ausweichgleis gebaut werden, und eine solche Investition geben die Fahrgastzahlen offenbar nicht her. Von "nachvollziehbaren Kriterien" spricht Günter Brenner. Eppingens Ordnungsamtsleiter stellt aber auch fest: "Für uns gibt es faktisch keine Verbesserung." Das stimmt zumindest für den Fahrplan. Das Bahn-Tochterunternehmen DB Regio als Betreiber verspricht moderneren Züge, diese werden auch bis Eppingen fahren.

Die von Siemens hergestellten Bahnen vom Modell "Mireo" sollen mit WLAN, Barrierefreiheit und viel Platz für Kinderwagen, Rollstühle oder Fahrräder aufwarten, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Von Dezember 2020 an werden 57 solcher Züge nach und nach auf dem Rhein-Neckar-Netz rollen. Die Gemeinden im oberen Elsenztal wird das kaum darüber hinwegtrösten, dass der ungeliebte Stundentakt zementiert ist. "Der Wunsch ist weiter da", sagt Ittlingens Bürgermeister Kai Kohlenberger. Trotzdem hält er die Entscheidung für nachvollziehbar. "Ich bin realistisch, da steht die Wirtschaftlichkeit dahinter."

Elektrifizierung war für Gemeinden teuer

Im Elsenztaldorf hatte es heftige kommunalpolitische Kontroversen gegeben, bevor sich Ittlingen entschied, mehr als 400.000 Euro zur Elektrifizierung beizusteuern. Eppingens Anteil belief sich auf mehr als 800.000 Euro. Die Argumentation der Gemeinden war immer die selbe: Ist der Takt erst verbessert, steigen auch mehr Pendler um. "Die Nachfrage folgt dem Angebot, nicht umgekehrt", unterstreicht Eppingens Ordnungsamtsleiter Günter Brenner diese Position.

Verbesserungen des Angebots gibt es indes durchaus. So wird es auf der S5 zwischen Heidelberg und Sinsheim den Halbstundentakt auch am Wochenende geben. Profitieren wird Bad Rappenau, wenn auch noch unklar ist, in welchem Umfang. Wie ein Sprecher des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN) gegenüber unserer Zeitung bestätigte, werden einzelne Züge der S5 ab Ende 2020 die Kurstadt anfahren. Wie viele das sind, und zu welchen Zeiten sie verkehren, ist allerdings offen.