Kommunen nehmen Abschied von künstlichen Eisflächen

Kraichgau  Vor wenigen Jahren haben Städte und Gemeinden im Kraichgau mit wenig Aufwand den Schlittschuh-Spaß geschaffen. Diese Zeiten sind erst einmal vorbei.

Von unserem Redakteur Simon Gajer

Kommunen nehmen Abschied von künstlichen Eisflächen

Januar 2006: In der Ortsmitte Gemmingen entstand eine künstliche Fläche

 

Eislaufen in Bad Rappenau: So mancher Bürger träumt von einer künstlichen Fläche mitten in der Kurstadt. Das Rathaus und der Touristikbetrieb BTB winken allerdings ab. Auch andere Kommunen im Kraichgau, die vor Jahren bei Minustemperaturen relativ unkompliziert den Eis-Spaß ermöglichten, haben von dieser Idee Abstand genommen. Dazu gehört sogar Gemmingen - einst Vorreiter der Eislauf-Bewegung.

Vorreiter Gemmingen

Gefrorenes Wasser mitten im Ort, später sogar auf dem Kleinspielfeld bei der Wolf-von-Gemmingen-Schule: "Wir waren die ersten, die das gemacht haben", erinnert sich Bürgermeister Timo Wolf. Zwar hat sich mal ein Kind auf der Eisfläche verletzt, aber das war nicht der ausschlaggebende Grund dafür, dass die Gemeinde das Projekt erst einmal auf Eis gelegt hat. "Für eine Natureisfläche brauchen wir langen, strengen Dauerfrost." Ist es zu warm, bleiben Spurrillen, oder es bildet sich Wasser unterm Eis. Das trübt die Schlittschuhfreuden. Timo Wolf betont: "Die Bahn hat in der Praxis nur funktioniert, als es dauerhaft richtig kalt war."

Kommunen nehmen Abschied von künstlichen Eisflächen

Schlittschuhlaufen im Dezember 2007: Damals durfte die Bad Rappenauer Rollschuhbahn genutzt werden.

Fotos: Archiv

 

Zugefrorener See im Schlosspark

Die milden Temperaturen machen sich auch an anderer Stelle in der Gemeinde bemerkbar: Nur bei richtigem Frost könnten Bauhofmitarbeiter auf den gefrorenen Schlosspark-See, um den Bewuchs am Ufer zu schneiden, sagt Wolf. Schon einige Jahre hätten sie nicht mehr auf dem See laufen können.

Feldwege sperren

Unterdessen hat Timo Wolf einen anderen Hinweis in seinem Jahreskalender stehen: Feldwege sperren. Die bei Gemmingern beliebten Rodelbahnen liegen außerhalb, sagt der Bürgermeister. Damit die Kinder beim Schlittenfahren nicht alle paar Minuten auf Autos oder Traktoren Rücksicht nehmen müssen, verbannt die Gemeinde den Verkehr.

Die Stadt Eppingen hatte mal beim Jugendhaus eine Kunsteisbahn geschaffen. Das Ganze zu reaktivieren sei nicht geplant. Zu aufwändig, sagt Rathaussprecherin Cathrin Leuze.

Mit Schlittschuhen aufs Kleinspielfeld

Kommunen nehmen Abschied von künstlichen Eisflächen

Februar 2012: Die Gemeinde Kirchardt flutete das Kleinspielfeld.

 

Die Gemeinde Kirchardt hatte in kalten Tagen das Kleinspielfeld bei der Feuerwehr mit Wasser geflutet, erinnert sich Bauamtsleiter Michael Baumgartner. Das Feld ist weg, die Fläche asphaltiert: Jetzt wäre es deutlich schwieriger, wieder Schlittschuhläufern eine Freude zu bereiten. "Wir haben keine Möglichkeit mehr, das Wasser anzustauen." Gäbe es eine Alternative, würde Kirchardt wieder die Initiative ergreifen. "Es wurde damals genutzt", sagt Baumgartner - nur nicht so rege.

Rappenauer Rollschuhbahn

Eine künstliche Eisfläche in Bad Rappenau ist für den Touristikbetrieb laut Geschäftsführer Dieter Wohlschlegel kein Thema. Auch die Verwaltung hat davon Abstand genommen. Die Stadt hatte vor Jahren den Rollschuhplatz Richtung Zimmerhof geflutet, mittlerweile ist das laut Rathaussprecherin Eva Goldfuß-Siedl nicht mehr möglich. "Die Fläche ist so uneben und nicht mehr dicht genug, um eine stärkere Eisfläche hinzubekommen." Vandalismus setzte dem Spaß zudem zu. "Als die Fläche vor einigen Jahren das letzte Mal geflutet wurde, war sie vor einer möglichen Nutzung bereits zerstört." Steine, Äste oder Flaschen wurden aufs Eis geworfen und gefroren mit ein. "Falls die Eisfläche die nötige Stärke erreicht hätte, hätten wir sie aus Verkehrssicherheitsgründen sperren müssen."