Ittlingen will WLAN im Ortszentrum

Ittlingen  Im Ittlinger Zentrum sollen Internetnutzer bald gratis im WLAN surfen. Die Gemeinde hofft auf Zuschüsse der EU. Das größte Problem auf dem Weg in die digitale Zukunft liegt für das Elsenztaldorf aber woanders.

Gratis-WLAN im Ittlinger Ortszentrum: Die Gemeinde will das mit EU-Förderung ermöglichen. Foto: Alexander Hettich

Ein Programm der Europäischen Union stellt 120 Millionen Euro zur Verfügung, damit Gemeinden WLAN-Hotspots einrichten können. Mehrere Tausend Kommunen sollen in den Genuss der Förderung kommen. Wer zuerst kommt, kassiert zuerst, und Ittlingen will vorne dabei sein. „Für die Installation ist eine hundertprozentige Förderung möglich“, erklärte Hauptamtsleiterin Antonia Walch am  Mittwochabend im Gemeinderat.

Das Gremium gab Bürgermeister Kai Kohlenberger freie Hand, die Bewerbung abzuschicken, sobald die Frist anläuft. Dann könnten Internetnutzer mit Laptop oder Handy schon bald im Ortszentrum gratis per Funk im Netz surfen. Bislang gibt es ein solches Angebot passwortgeschützt für die Kunden des Rathauscafés. Viele Gemeinden haben zuletzt eigene Hotspots eingerichtet. Sinsheim war dabei Vorreiter. Auch in Eppingen ist Surfen per Kommunalfunk seit kurzem unter anderem auf dem Marktplatz möglich. 

77 Prozent der Haushalte mit guter Anbindung

Für Ittlingens Weg in die digitale Zukunft ist das WLAN allerdings eher ein Nebenaspekt. Wie in anderen Kommunen ist die wichtigste Frage: Wie kann ein möglichst großer Teil der Haushalte Zugang zu Internetanschlüssen bekommen, die auf der Höhe der Zeit sind. Da gibt es durchaus Nachholbedarf, erläuterte Thilo Kübler von der privaten Agentur Breitbandberatung BW. Ein Großteil Ittlingens wird über ein großes Kupferkabel  mit Daten versorgt, das von Verteilerkästen aus fein verästelt in die Haushalte kommt. „Das ist relativ schlecht“, so Kübler, „je weiter man vom Knoten wegkommt, desto schwächer wird das Signal.“ Die Technologie gilt als antiquiert.

Ittlingen ist freilich noch mit Internet per Fernsehkabel gut ausgerüstet, so dass unter dem Strich bei 77 Prozent der Haushalte die Anbindung als gut gilt. Das heißt aber auch: Fast ein Viertel der Haushalte im Dorf gelten als unterversorgt.  Dabei liegt diese Latte in Baden-Württemberg seit Kurzem relativ hoch. Als Internetnutzer mit hohem Leidensdruck gilt, wer weniger als 30 Mbit aus der Leitung bekommt. Das ist schon relativ stattlich im Vergleich zu jenen zwei Mbit, die noch bis vor wenigen Jahren die Schmerzgrenze markierten. Aber die Ansprüche wachsen. „Das Datenvolumen in deutschen Netzen“, erläuterte Kübler, „steigt pro Jahr um 25 Prozent.“

Langsames Netz im alten Ortskern 

Um die immensen Datenmengen zu bewältigen, taugt nur Glasfaser, erläuterte der Experte, am besten als sogenannte FTTB-Variante. Dabei kommt das optische Signal bis ans Gebäude, der letzte Rest auf alter Kupferleitung wird möglichst kurz gehalten. Für Ittlingen wurde in einem ersten Schnitt eine Marktanalyse vorgenommen. Vorranggebiete wurden definiert. Besonders lahm ist das Netz im alten Ortskern um die Hauptstraße. Auch die Grundschule wird künftig eine schnellere Anbindung brauchen.

Jetzt soll weiter geklärt werden, wie der Ort schrittweise an möglichst schnelle Leitungen kommt. Dabei sind innerorts Fördergelder von bis zu 85 Euro pro Meter Datenkabel möglich, das sind im Einzelfall bis zu 90 Prozent der Kosten. Allzu schnell wird es nicht gehen mit dem schnellen Internet. „Das Verfahren“, erläuterte Bürgermeister Kai Kohlenberger, „dauert durchschnittlich 18 bis 24 Monate.“