Halbe Million Euro für Schutz von Amphibien

Kraichgau  Damit die Tiere sicher die Straße queren können: Wegen einer gemeinsamen Aktion des Landkreises Heilbronn, des Neckar-Odenwald-Kreises und der Kommunen ist die wichtige Verbindungsstraße beim Fünfmühlental gesperrt.

Von Rudolf Landauer

Halbe Million Euro für Schutz von Amphibien

13 Tunnel dieser Art sollen Amphibien und anderen Tieren das gefahrlose Unterqueren der Straße zwischen Siegelabch und Neckarmühlbach ermöglichen.

Foto: Landauer

Das Fünfmühlental ist eines der beliebtesten Wandergebiete in der Region, in dem das ganze Jahr über zahlreiche Menschen unterwegs sind. Dort gibt es aber auch eine weitere enorme Wanderbewegung: die von Amphibien, die dieses Gebiet als Lebensraum gewählt haben. Und für deren Schutz ist zurzeit schweres Gerät im Einsatz.

Auffangzäune für Frösche

Hauptsächlich zur Paarungs- und Laichzeiten der Amphibien im Frühjahr müssen die Tiere die Kreisstraße zwischen Siegelsbach und Neckarmühlbach überqueren, um zu dem Gewässer in der Mühlbachaue zu gelangen. Hierbei wurden in der Vergangenheit unzählige Tiere durch Fahrzeuge getötet. Tierschützer haben den Fröschen bisher geholfen und auch Auffangzäune angelegt.

Jetzt wird dort in einem bespielhaften Gemeinschaftsprojekt des Neckar-Odenwald-Kreises und des Landkreises Heilbronn sowie den beteiligten Kommunen Bad Rappenau und Siegelsbach ein aufwendiges Tiefbauprojekt realisiert.

Mit einem Kostenaufwand von 530.000 Euro werden 13 Tunnel eingebaut, die den Amphibien und verschiedenen anderen Kleinlebewesen das lebensgefährliche Überqueren der Straße ersparen und ihnen quasi eine Unterführung anbieten. Die Baukosten teilen sich das Land und die beteiligten Kommunen. Momentan ist die Tiefbaufirma Flicker aus Limbach im benachbarten Neckar-Odenwald-Kreis mit den Tiefbauarbeiten beschäftigt.

"Extrem gefährdet"

Bauleiter Roland Flicker, der sich selbst als ein Freund der Natur und der Amphibien bezeichnet, sieht darin eine sinnvolle Maßnahme: "Die Amphibien waren schon vor der Straße da, auf der sie jetzt extrem gefährdet sind und auch umkommen", sagte er. "Kurz nach Baubeginn habe ich einen Feuersalamander entdeckt und ihn über die Straße in die Mühlbachaue getragen", informierte er.

An 13 Stellen und auf einer Länge von 1,1 Kilometer sägen seine Mitarbeiter rechtwinklig zur Straßenachse den Asphalt auf, heben einen Graben in erforderlicher Tiefe aus und verlegen darin speziell angefertigte Betonfertigteile mit einem 1,2 Meter breiten und rechteckigen Querschnitt. Durch diese Tunnel soll den Tieren eine Wanderungsbewegung ermöglicht werden.

Bauzeit von acht Wochen

Die Bauzeit erstreckt sich auf rund acht Wochen, in denen die wichtige Verbindungsstraße gesperrt ist, da die Straße jeweils auf der gesamten Breite aufgegraben wird. Die Verkehrsteilnehmer müssen Umwege in Kauf nehmen. Die Bauleitung der Maßnahme führt der Fachdienst Straßen im Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises in Buchen aus.

Das Fünfmühlental ist von einer artenreichen Flora und Fauna geprägt. Der Mühlbach entspringt in Babstadt, speist nach seiner unterirdischen Durchquerung der Kurstadt den See im Kurpark und fließt danach dem Ortsteil Zimmerhof zu. Von dort ab schneidet sich das Mühltal tiefer in den Muschelkalk ein, und das Gefälle des Mühlbachs nimmt zu.