Gemmingens altes Rathaus in neuem Glanz

Gemmingen  Viele historisch bedeutsame Gebäude gibt es in Gemmingen nicht, das ehemalige Rathaus in der Eppinger Straße gehört zweifellos dazu. Norbert Handlos hat das Haus aufwendig sanieren lassen. Es ist für ihn ein Stück Familiengeschichte.

Von Nicole Theuer

Altes Rathaus in neuem Glanz

Das Rathaus auf einer historischen Ansicht um das Jahr 1900.

Darstellung: privat

Wenn in Gemmingen die Rede vom alten Rathaus ist, dann zuckt Norbert Handlos immer leicht zusammen. "Ich überlege dann immer, ob die Menschen zu mir kommen und mich besuchen", erzählt der 59-Jährige und schmunzelt. Handlos ist Eigentümer des ältesten Gemminger Rathauses, das im Jahr 1751 in der Eppinger Straße erbaut worden ist.

"Nur in Stebbach gibt es ein etwa 50 Jahre älteres ehemaliges Rathaus, das interessanterweise der Familie meiner Frau gehörte." Doch bei dem Gebäude sei die Substanz deutlich schlechter gewesen. "Die Sanierung hätte sehr viel Geld gekostet, deshalb haben wir das Gebäude sehr schnell wieder verkauft." Dagegen stand für Handlos die Veräußerung seines Elternhauses nie zur Debatte.

"Mein Urgroßvater Friedrich Haueisen hat das Gebäude Anfang des 20. Jahrhundert gekauft, nachdem das rote Backsteinrathaus gebaut war." Er vermute, dass sein Elternhaus für die Verwaltung zu klein geworden war, waren doch neben der Verwaltung auch noch die Ortsspritze und die Arrestzelle in dem Gebäude untergebracht, "Mein Urgroßvater hat das Gebäude umgebaut, eine Gaube eingebaut und aus der Einfahrt für die Spritze und dem Fenster der Arrestzelle zwei Schaufenster gemacht." Nach dem Umbau betrieben Urgroßeltern, Großeltern und Eltern im Haus ein Lebensmittelgeschäft, der Urgroßvater zusätzlich eine Schreinerei. "Das Haus hat drei Generationen ernährt."

Faszination für historische Gemäuer 

Nach rund 80 Jahren schlossen Handlos" Eltern die Pforten des Tante-Emma-Ladens für immer. "Das Geschäft war immer ein Treffpunkt für die Bevölkerung, man hat bei uns nicht nur eingekauft, sondern hat auch die Neuigkeiten ausgetauscht." Heute sind die Rollläden der ehemaligen Schaufenster geschlossen. Doch nicht mehr lange. "Zur 1250-Jahr-Feier werde ich die Schaufenster mit Leben füllen", kündigte Handlos an. Obwohl er das Gebäude schon sein ganzes Leben kennt, ist die Faszination für das historische Gemäuer ungebrochen. "Das Gebäude wurde errichtet, als Gemmingen noch unter Reichsritterschaft stand. Es wurde schon im klassizistischen Stil erbaut, obwohl diese Epoche noch in den Kinderschuhen steckte."

Altes Rathaus in neuem Glanz

Typische Elemente wie die Säulen, die scheinbar das Eingangsportal stützen, hat Handlos im Rahmen der Sanierung wieder einbauen lassen. "Die Halbsäulen am Portal fehlten, wobei ich vermute, dass sie 1837, als das Gebäude bis auf die Grundmauern niederbrannte, untergegangen sind." Aber Handlos beschränkte sich bei der Sanierung nicht nur darauf, fehlende oder beschädigte Teile zu ersetzen, sondern ließ dem Gebäude ein Rundumlifting angedeihen. "Wir haben die Fenster ersetzt und mussten auf Weisung des Landesamtes für Denkmalschutz wieder Holzfenster einbauen."

Zwei Wünsche

Zudem wurde das Dach erstmals isoliert, es wurde eine neue Heizung eingebaut und der Außenputz erneuert. "Bei den Arbeiten an der Fassade haben wir unter Farbschichten noch Reste des Originalanstrichs gefunden." Deshalb wurden die Wände nach historischem Vorbild gestrichen, heute strahlt das Gemäuer in einem zarten lindgrün.

Zwei Wünsche hat der Betriebswirt. Zum einen würde er begrüßen, wenn das brachliegende Nebengrundstück wirklich zu Parkplätzen würde. "Das würde den Blick auf das Haus freigeben und erhalten." Mit dem Verkehr hat Handlos letzter Wunsch zu tun. "Es wäre wirklich schön, wenn die Straße für Lastwagen über 7,5 Tonnen gesperrt werden würde, das würde der Substanz des Hauses sehr guttun."