Ein Lotse geht von Bord

Bad Rappenau  Klaus Harder (65) schlägt nach 37 Jahren bei der Vulpius Klinik ein neues Kapitel auf. Er will reisen - und er will sich für die Organisation "Manager ohne Grenzen" in Westkenia ehrenamtlich engagieren. Ende Februar geht es los.

Von Ulrike Plapp-Schirmer

Ein Lotse geht von Bord

Der langjährige Vulpius-Manager Klaus Harder geht Ende des Jahres in den Ruhestand. Als frisch gebackener Rentner wird er sich für die Organisation "Manager ohne Grenzen" engagieren.

Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

 

Der Rucksack ist bereits gepackt, die Englischkenntnisse sind aufgebessert: Doch bevor sich Klaus Harder mit der Organisation "Manager ohne Grenzen" Ende Februar auf den Weg nach Kenia macht, wandert er noch einmal mit einem Freund an der Seite durch Patagonien.

Die Reise war lange geplant. Schon bevor sich der langjährige Manager der Bad Rappenauer Vulpius Klinik überlegte, womit er das nächste Kapitel seines Lebensweges beschreiben möchte. Im Juli ist Klaus Harder 65 Jahre alt geworden. Ende des Jahres geht er in den Ruhestand.

Abschiedsworte von Dr. Axel Vulpius

Als "Herz der Klinik" hat ihn der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Axel Vulpius zum Abschied bezeichnet. Als "das soziale Gewissen" des Orthopädischen Krankenhauses: "Das hat mich schon bewegt", gibt Klaus Harder zu.

Aufgewachsen in Mannheim, stand er vor der Entscheidung, Jura zu studieren oder Zivildienst in Verbindung mit einer dreijährigen Ausbildung zum Krankenpfleger zu machen. Harder entschied sich für den Beruf - und kam so nach Bad Rappenau. "Das war zu einer Zeit, als die Herrenberger Schwestern in der Vulpius Klinik ihr Personal abzogen."

Vom Krankenpfleger zum Manager

Als Stationsleiter fing er an, 13 Jahre lang arbeitete er als Betriebsratsvorsitzender, dann "wollte ich mich weiterentwickeln". Berufsbegleitend studierte er Betriebswirtschaftslehre und wechselte mit Beginn des Studiums in die Verwaltung mit dem Schwerpunkt Qualitätsmanagement. Die Erfahrung, die er in 46 Arbeitsjahren, davon 37 in Bad Rappenau, gesammelt hat, kann er auch als Ruheständler brauchen.

Klaus Harder war schon immer ein kritischer Kopf, einer, der sich einmischte, als Stadtrat für die GAL, als Bürgermeisterkandidat, als aktives Mitglied der örtlichen Flüchtlingshilfe. Und Klaus Harder liest viel. Er ist einer, der sich Gedanken über globale Zusammenhänge macht.

Die Stiftung "Manager ohne Grenzen" betrachtet er als "Gegenbewegung zur bestehenden Entwicklungspolitik, wo Gelder nicht projektbezogen ausgeschüttet werden". Als Ehrenamtlicher der Organisation wird er vor Ort Kleinunternehmer oder Mittelständler beraten. "Ich will noch aktiv sein und meine Kenntnisse weitergeben."

Das Bedürfnis, etwas zurückzugeben, ist da

Als privilegiert sieht er sich selbst. Gesundheitlich und finanziell dazu in der Lage, etwas abzugeben. "Glücklich, im richtigen Land zum richtigen Zeitpunkt aufgewachsen zu sein." Das mache ihn zufrieden: "Und das ruft das starke Bedürfnis in mir wach, andere zu unterstützen."

Zwölf Jahre lang hat Klaus Harder den Vulpiuslauf organisiert. Andere werden die Veranstaltung künftig auf die Beine stellen. Klaus Harder wird dann erstmals als Teilnehmer dabei sein, "wenn ich da bin".

Denn jetzt ist vor allem die Zeit, mit seiner Frau Erika oder allein die Welt zu bereisen. Was ihn am Victoriasee erwartet, weiß er nicht: Aber er findet das Konzept der Organisation stimmig. "Das will ich ausprobieren", sagt er. Was Neues kennenlernen. Sich weiterentwickeln.