Doc-Morris-Filiale in Hüffenhardt schon wieder geschlossen

Hüffenhardt  Der Versandhändler Doc Morris muss seine umstrittene Automatenapotheke in Baden-Württemberg schon nach gut 48 Stunden wieder schließen. Das Regierungspräsidium will es so.

Von dpa und Simon Gajer

Die Doc-Morris-Filiale in Hüffenhardt ist am Mittwoch geöffnet - und am Freitag schon wieder geschlossen. Foto: Gajer

Das Regierungspräsidium Karlsruhe habe wegen Verstößen gegen gesetzliche Auflagen so entschieden, sagte ein Behördensprecher am Freitag, ohne zunächst weitere Details zu nennen. Doc Morris hatte die lang geplante Abgabestelle von Arzneimitteln in Hüffenhardt am Mittwochnachmittag eröffnet. Die ursprüngliche Apotheke in dem 2000-Seelen-Dorf war 2015 geschlossen worden, weil sich kein Nachfolger fand.

Doc Morris umging das Apothekenverbot

Nach dem Plan sollten online bestellte Arzneimittel in die von Doc Morris gemieteten Räume geliefert werden. Die Beratung sollte per Videochat erfolgen. Doc Morris-Personal in den Niederlanden hätte per Knopfdruck das Medikament freigegeben, das dann in Hüffenhardt aus dem Automaten gefallen wäre. Kein Apotheker, sondern ein Manager hätte es dann vor Ort an den Kunden übergeben.

Beim Regierungspräsidium hatte der Versandhändler entsprechend nur ein Arzneimittellager angezeigt. Doc Morris hatte damit versucht, das für ihn geltende Apothekenverbot in Deutschland zu umgehen: Wegen des sogenannten „Fremdbesitzverbots“ sind Apothekenketten von Unternehmen untersagt. Die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg hielt das Vorgehen für unzulässig.

Enttäuschung in Hüffenhardt

„Die Enttäuschung ist schon da“, sagt Bürgermeister Walter Neff in einem Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Sicher: In den vergangenen Monaten hatte sich abgezeichnet, dass die Videoberatung auf einer sehr wackligen Rechtsgrundlage steht. Das sei auch Thema im Gemeinderat gewesen. „Wir hatten schon befürchtet, dass es wieder geschlossen wird“, sagt Neff. Er selbst hatte keine Möglichkeit gehabt, in den zwei Tagen selbst einmal die Videoberatung zu testen. „Ich habe mitbekommen, was machbar ist.“

Mehr Glück hatte Bürgermeister-Stellvertreter Heiko Hagner. Er nutzte das Doc-Morris-Angebot, um an Medikamente zu kommen. „Es hat sehr gut funktioniert.“ Die Enttäuschung sei groß. „Es ist eine Versorgungslücke.“

Doc Morris will sich nicht sofort geschlagen geben. „Wir glauben weiterhin, dass man in Deutschland digitale Projekte zum Wohle aller umsetzen kann“, sagte Geschäftsführer Olaf Heinrich.