Bretten: Wahlkrimi hinterlässt Gräben

Bretten  Drama in zwei Akten: Bei der OB-Wahl in Bretten sind nach dem hauchdünnen Wahlerfolg von Amtsinhaber Martin Wolff die Stimmen bis in den späten Montagabend komplett neu ausgezählt worden. Wolffs Vorsprung vor Herausforderer Aaron Treut vergrößerte sich danach von zwei auf zwölf Stimmen.

Von Alexander Hettich

Wahlkrimi hinterlässt Gräben

Brettens Oberbürgermeister Martin Wolff und Gegenkandidat Aaron Treut (rechts) am Wahlabend im Rathaus.

Foto: Gerd Markowetz

 

Für den 60-Jährigen ist das knappe Ergebnis ein denkbar schlechter Start in in eine zweite Amtszeit. Er sah sich zuletzt einiger Kritik ausgesetzt.

Eine Überprüfung am Montag hatte ergeben, dass in mehreren Wahllokalen vereinzelt Stimmen falsch zugeordnet worden waren. Die Pannen betrafen alle Bewerber. Mitglieder des Wahlausschusses sprachen von einer "Blamage".

Nach der öffentlichen Neuauszählung aller 11.580 Stimmen stand das amtliche Endergebnis fest: Wolff holte knapp 36 Prozent der gültigen Stimmen. Herausforderer Aaron Treut, Wirtschaftsingenieur und Ortsvorsteher des Stadtteils Ruit, verzeichnete zwölf Stimmen weniger. Der dritte Kandidat Andreas Leiling war distanziert. Die Beteiligung lag bei mageren 50,6 Prozent. Das Ergebnis sei jetzt etwas klarer, freute sich Wolf, der auf eine zweite Amtszeit blickt: "Ich freu mich drauf." Aaron Treut zeigte sich in einer ersten Reaktion als fairer Verlierer: "Das ist Demokratie", sagte der 41-Jährige.

Heißes Thema im Wahlkampf 

"Unfassbar" − so beschrieb ein Brettener mit besten Kontakten in die Kommunalpolitik die Stimmung nach dem Wahlkrimi in der 29.000-Einwohner-Stadt. Wolff habe in seiner ersten Amtszeit "nicht viel falsch gemacht, aber wenig gemacht", ist häufig zu hören. Heißes Thema im Wahlkampf war der Streit um das katholische Altenheim St. Laurentius. Die Caritas schließt die marode Einrichtung. Just drei Tage vor der Wahl brachte Wolff ein Strategiepapier in den Gemeinderat ein und holte auch die erforderliche Mehrheit.

Jetzt scheint der Weg frei für einen Altenheim-Neubau auf dem Mellert-Fibron-Areal, einem ehemaligen Industriegelände, und eine sinnvolle Nutzung des alten Baus. Ein Coup für Wolff, könnte man meinen. Vorwürfe gab es von den Gegenkandidaten wegen des Timings so kurz vor der Abstimmung. "Für mich war das kein Wahlkampfthema", beteuert Wolff gegenüber unserer Zeitung. Die Sache dulde keinen Aufschub. Bewohner und Mitarbeiter bräuchten Klarheit.

Deutliche Wechselstimmung

Für Mitbewerber Aaron Treut macht sich Wolff mit seinem Vorgehen angreifbar. Das Altenheim "auf eine Industriebrache" zu verlegen, widerspreche ohnehin dem Bürgerwillen, so Treut: "In Bretten liegt furchtbar viel im Argen." Er habe im Wahlkampf eine deutliche Wechselstimmung ausgemacht. Treut ist CDU-Mitglied, war aber ausdrücklich ohne Parteibindung angetreten. Nach seinen Erfolgen gefragt, verweist Wolff auf die Halbierung der städtischen Schulden von 33 auf 16 Millionen Euro und auf hohe Investitionen.

Zwischen 250 und 300 Millionen Euro flössen innerhalb weniger Jahre aus privater und öffentlicher Kasse in die Stadt, so der OB. Wolff selbst meint, seine Aktivitäten "vielleicht zu schlecht vermarktet" zu haben. Seinen Pressesprecher, einen gelernten Journalisten, hatte der OB nach nur einem halben Jahr wieder entlassen. Eine Rolle im Wahlkampf spielte der frühere OB Paul Metzger, der sich kritisch zu seinem Nachfolger geäußert hatte.

Ähnlich knapp war 2015 die Wiederwahl von Bürgermeisterin Heike Schokatz in Gundelsheim. Eine Bürgerin legte Beschwerde gegen den Wahlausgang ein. Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat im März 2017 endgültig entschieden: Die Wahl ist gültig. Das Beinahe-Patt und die Folgen hätten für "viel böses Blut" gesorgt, sagt ein Gundelsheimer Kommunalpolitiker. Mittlerweile habe sich die Stimmung beruhigt.