Berwanger Dorfladen muss schließen

Kirchardt  Zu wenig Kunden, zu wenig Umsatz, zu wenig Ehrenamtliche: Die Berwanger Genossenschaft soll aufgelöst werden. Das Geschäft in der Ortsmitte steht vor der Insolvenz.

Von Nicole Theuer und Tanja Ochs

Berwanger Dorfladen muss schließen

Das Aus für Genossenschaft und Nahversorgung: Zu wenige Kunden haben in der Vergangenheit im Dorfladen in Berwangen eingekauft. Foto: Archiv/Theuer

 

Der Berwanger Dorfladen ist am Ende. Das Geschäft schließt nach acht Jahren, die Genossenschaft soll aufgelöst werden. Damit verliert der Kirchardter Ortsteil nicht nur seinen einzigen Nahversorger, sondern auch einen Treffpunkt.

"Die Berwanger haben mit den Füßen abgestimmt", sagt Bürgermeister Gerd Kreiter. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Gemeinde mit einem Sonderzuschuss die drohende Insolvenz abgewendet. "Aber es hat nicht funktioniert", bedauert Kreiter. Weniger Kunden, weniger Umsatz und zu wenig ehrenamtliche Helfer hätten den Ausschlag gegeben. "Der Laden wurde nicht in dem Maße angenommen, wie es notwendig gewesen wäre."

Ernüchterung macht sich breit

Bei einer außerordentliche Generalversammlung am 22. März stehen Auflösung und Liquidation der Genossenschaft auf der Tagesordnung. "Der Vorstand der Genossenschaft hat dem Aufsichtsrat mitgeteilt, dass wir unsere Rechnungen nicht bezahlen können und deshalb den Dorfladen in dieser Form nicht mehr weiterführen können und dürfen", erklärt Vorstandsmitglied Dr. Joachim Hartmann gegenüber Stimme.de.

Für ihn sei der Dorfladen "eine Herzensangelegenheit" gewesen, doch jetzt macht sich Ernüchterung breit: "Ich denke, dass die Berwanger gar noch nicht wissen, was die Schließung des Dorfladens wirklich bedeutet." Der Laden in der Ortsmitte sei Kommunikationsmittelpunkt des Dorfes gewesen. "Ich habe oft selbst mitbekommen, wie morgens die Schulkinder auf dem Weg zur Schule in den Laden gekommen sind. Es war die einzige Einkaufsmöglichkeit im Ort für Menschen, die keine Gelegenheit haben, auswärts zu fahren."

Auch Bürgermeister Kreiter betont, dass mit der Schließung ein wichtiger Treffpunkt wegfällt. "Wir müssen uns Gedanken machen, was das bedeutet", kündigt er an. Die Gemeinde müsse da was machen. Kontakt hat er bereits mit dem rollenden Supermarkt aufgenommen, der einmal pro Woche nach Bockschaft und Kirchardt kommt. "Der wäre bereit, auch Berwangen anzufahren", erklärt Kreiter.

Große Deckungslücke bei den Finanzen

Das Aus hat sich über einen langen Zeitraum hinweg abgezeichnet. Bereits im vergangenen Jahr musste die Genossenschaft nicht nur personelle Veränderungen im Vorstand hinnehmen, sondern auch eine große Deckungslücke bei den Finanzen. "Damals hat die Gemeinde die Defizite für 2016 ausgeglichen", erinnert sich Hartmann. Auch für 2017 hatte der Gemeinderat Unterstützung in Aussicht gestellt, wenn sich eine "positive Fortführung" abzeichne und sich mehr Ehrenamtliche engagieren, so Kreiter. Beides sei nicht gelungen. "Es ging stetig bergab", sagt Kreiter angesichts der aktuellen Zahlen.

Im Juli, August und September des vergangenen Jahres sah das noch anders aus. "Es waren sehr gute Monate, wir hatten ein sensationell gutes Ergebnis und konnten den Umsatz steigern", sagt Hartmann. Allerdings habe sich der vermeintliche Aufschwung als Strohfeuer entpuppt. "Im vierten Quartal ging der Umsatz unerwartet merklich zurück, die Kundenzahl ging weiter nach unten."

Jetzt bleibt nach der Auflösung der Genossenschaft nur noch die Abwicklung des Ladens. Kreiter will dem Gemeinderat vorschlagen, den Dorfladen bis zum Schluss finanziell zu unterstützen, um Lieferantenrechnungen und Gläubigerforderungen begleichen zu können. Wie viel Geld dafür notwendig ist, kann er allerdings noch nicht sagen.