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Palmbräu-Chef sieht Investitionsstau (01.10.08)
Ein neuer Mann an traditionsreicher Stätte: Rolf Adler im Sudhaus der Eppinger Palmbräu. Er hält die Produktpalette für hervorragend.
Wie der Blitz aus heiterem Himmel kam er zu seiner Aufgabe. Nach dem Rauswurf der Polster-Brüder leitet Rolf Adler seit knapp einer Woche die Geschäfte der Zorn Söhne GmbH & Co. KG, die für den Brauprozess und die Logistik der Eppinger Palmbräu verantwortlich zeichnet. Peter Boxheimer hat ihn zur Situation des Betriebs und seinen Plänen befragt.
Als Rechtsanwalt verstehen Sie etwas von Gesetzen. Aber kennen Sie sich auch mit Bier aus?
Rolf Adler: Ich habe auch was Anständiges gelernt. Von Hause aus bin ich Bankkaufmann und stamme aus einer Kaufmannsfamilie. Über den Deutschen Industrie- und Handelstag bin ich zur mittelständischen Herforder Brauerei gekommen und habe dort in der Geschäftsleitung den Bereich Vertrieb/Gastronomie organisiert. Meine Aufgabe bestand auch darin, bestimmte historisch gewachsene Strukturen an die heutigen Anforderungen anzupassen. Ich habe in den vergangenen acht Jahren festgestellt, dass es wenige Wirtschaftsbereiche gibt, die so differenzierte Tätigkeitsfelder haben. Brauereien sind die Banken der Gastronomie, es geht um vielschichtige Produktionsprozesse, Maschinenbau, Lebensmitteltechnologie, Biologie, Fahrzeuge, Logistik, Öffentlichkeitsarbeit.
Zu Ihrem Posten in Eppingen scheinen Sie ja wie die Jungfrau zum Kind gekommen zu sein.
Adler: Ja, das ist so. Das ging sogar so weit, dass ich Probleme hatte, hier übernachten zu können. Ich bin vor einiger Zeit von (Welde-Geschäftsführer) Dr. Spielmann angesprochen worden, inwieweit ich als Berater die Sanierungsbemühungen um die Braustätte und Logistik aufgrund meiner Erfahrung unterstützen kann. Ich habe als Gast an den Gesellschafterversammlungen teilgenommen und mir angehört, wie die aktuelle Situation ist. Es kam dann dazu, dass ich als zusätzlicher Geschäftsführer von allen Gesellschaftern berufen worden bin.
Sie haben sich einen ersten Überblick verschafft. Ist Palmbräu wirtschaftlich schwer angeschlagen?
Adler: Ja. Schauen Sie sich nur die Produktionsstätte an. Sie sehen hier einen Investitionsstau, der nicht von ungefähr kommt. Schon an diesen Äußerlichkeiten ist die Situation erkennbar. Ich habe den Eindruck, man hat zu sehr in der Vergangenheit gelebt und ein bisschen die Augen verschlossen vor den aktuellen Anforderungen.
Der Sozialplan ist unter Dach und Fach. Müssen in absehbarer Zeit weitere Mitarbeiter gehen?
Adler: Das kann ich hier und heute nicht sagen. Dank des gemeinsamen Vorgehens von Betriebsrat und Geschäftsführung konnten wir einen Sozialplan vereinbaren, der das Unternehmen und die verbleibenden Arbeitsplätze sichern soll. Bei der jetzigen Kostenstruktur sind wir nicht überlebensfähig. 30 Mitarbeiter sind bei 60.000 Hektolitern Gesamtausstoß eine zu hohe Zahl.
Zu den Entlassenen gehört auch der langjährige Braumeister. Brauchen Sie keinen mehr?
Adler: Wir hatten hier einschließlich der früheren Geschäftsführer sogar vier Braumeister. Ich kenne keine Brauerei in dieser Größenordnung, die über eine solche Personaldecke verfügt. Das Brot-und-Butter-Gebinde wird auch künftig von dem Braumeister abgewickelt, der das in den vergangenen 30 Jahren gemacht hat: Jörg Hecker. Er wird weiterhin die Qualität des Produkts sicherstellen.
Wie hat sich der Bierausstoß im Vergleich zum Vorjahr entwickelt?
Adler: Er ist stark rückläufig; es ist erheblich für den Gesamtausstoß. Die Ursachen gilt es zu analysieren. Aber das ist kein Eppinger Problem. Wir haben die Situation, dass der Bierkonsum in Deutschland allgemein zurückgeht, in Baden-Württemberg nicht ganz so stark wie im Bundesdurchschnitt. Wir haben hier in der Region immer noch einen höheren Bierabsatz als in manch anderen Gegenden Deutschlands – und das gilt es zu erhalten.
Wird es neue Biersorten geben, werden andere vom Markt genommen?
Adler: Das entscheidet letztendlich der Konsument. Unsere Produktpalette ist hervorragend, hat eigentlich eine gute Markenpositionierung. Da sehe ich aktuell keinen Handlungsbedarf. Das wäre auch ein falsches Signal.
Wird für den Stolz des Kraichgaus bald ein stolzerer Preis verlangt?
Adler: Ich glaube, dass das Unternehmen ganz gut aufgestellt ist, was die Preise angeht. Unser Problem ist weniger der Verkaufspreis als der Produktions- und Transportpreis.
Die Polster-Brüder standen für ein ausgeprägtes regionales Sponsoring. Müssen Vereine und Veranstalter jetzt mit erheblichen Abstrichen rechnen?
Adler: Nein. Bier ist immer ein Kulturgetränk der Region. Und eine Brauerei, die erfolgreich sein will, gerade wenn sie mittelständisch organisiert ist, muss vor Ort verwurzelt sein.
Einer der Kritikpunkte an Ihren entlassenen Vorgängern war das finanzielle Ergebnis des Unterländer Volksfests. Erfüllen Sie den bis 2010 laufenden Vertrag zu den bestehenden Konditionen oder wollen Sie nachverhandeln?
Adler: Der Jurist sagt: Pacta sunt servanda – Verträge müssen eingehalten werden. Ich kann mir schwer vorstellen, dass man bestehende Verträge ändert. Man muss sie hinterfragen, wenn sie auslaufen, und gemeinsam nach Lösungen suchen. Wir können nicht nur Geschäfte machen, weil sie schön sind. Unter dem Strich müssen sie auch kostendeckend sein.
Ein Klick auf die Internet-Seite zeigt es: Zu den Werbemitteln der Welde-Brauerei gehört inzwischen ein String-Tanga. Wollen Sie Ihre Kunden im Kraichgau auch mit solchen Accessoires beglücken?
Adler: Nicht dass ich wüsste. Meine Frau ist schließlich katholisch.
Zur Person: Rolf Adler
Der 43-Jährige ist gelernter Bankkaufmann und hat neun Jahre in der Organisationsabteilung der Sparkasse Hagen gearbeitet. Nach seinem Jura-Studium wechselte er zum Oberlandesgericht Hamm, um sich auf den höheren Justizdienst vorzubereiten. Von 1997 bis 2000 war Adler beim Deutschen Industrie- und Handelstag als Referent und Syndicusanwalt tätig. Danach wirkte er acht Jahre als Bereichsleiter bei der Herforder Brauerei. Seit 1996 besteht Adlers Rechtsanwaltskanzlei in Hagen. Er ist verheiratet und hat einen Sohn.
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