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Jubel, Jauch und Jever: Festakt für Georg Heitlinger
Von Alexander Hettich
Eppingen/Berlin - Wenn Günther Jauch einmal nur die zweite Geige spielt, ist das bemerkenswert. Dem Fernsehdampfplauderer, der dem Kuratorium der Werner-Bonhoff-Stiftung angehört, blieb am Montagabend nur zu gratulieren. „Es ist eine tolle Leistung, wenn sich jemand mit einer solchen Organisation anlegt und Erfolg hat“, sagte Jauch am Rande der Verleihung des Werner-Bonhoff-Preises in Berlin.
Es war der Abend des Georg Heitlinger. Für seine erfolgreiche Klage gegen das beitragsfinanzierte Agrarmarketing nahm der Landwirt aus Eppingen-Rohrbach einen Scheck über 50.000 Euro in Empfang. Die niedersächsische Landesvertretung in den Ministergärten unweit des Brandenburger Tors wurde für einen Abend so etwas wie die ständige Vertretung des Kraichgaus in der Hauptstadt. Im Kleinbus war Familie Heitlinger zum großen Festakt angereist. Kollegen aus dem Südwesten mischten sich unter die 170-köpfige Gesellschaft.
Klaus Riehle, Chef eines Geflügelhofs in Obergimpern, blickte beim Empfang genüsslich in die Runde. „Hier sind viele froh, dass es die CMA nicht mehr gibt.“ Der zentrale Absatzfonds und die Reklame seiner Tochterfirma CMA („Bestes vom Bauern“) seien vielen Kollegen suspekt gewesen.
Launig
Aber Heitlinger, so Riehle, „ging einen Schritt weiter“. Er hielt die Finanzierung des Systems durch Pflichtbeiträge der Bauern für verfassungswidrig, klagte und gewann. Heitlinger habe ihm 2006, nach einem ersten Teilerfolg vor Gericht, seinen Plan geschildert, wie er die CMA zu Fall bringen will, erzählte Riehle: „Er hat sich nur um ein halbes Jahr verschätzt.“ Szenenapplaus gab es für Heitlinger, als ein auf dem Rohrbacher Klaushof gedrehter Film die Stationen des Rechtsstreit nachzeichnete.
Heitlinger selbst erzählte launig von der Verhandlung in Karlsruhe, der zahlenmäßigen Übermacht der Gegenseite und der anschließenden Siegesfeier „mit dem besten Champagner, den ich bei Rewe bekommen habe“. Der Eppinger wirke zwar nicht unbedingt auf den ersten Blick wie ein Revolutionär, zitierte Laudator Gunnar Folke Schuppert aus einem Magazinbericht. Dem Preisträger sei es aber gelungen „eine verselbstständigte Bürokratie zur Strecke zu bringen“, so der Staatsrechtler von der Humboldt-Universität. Solche Bürokratien zu durchleuchten, hat sich die Stiftung zur Aufgabe gemacht. Dabei setzt die Organisation darauf, dass Unternehmer ihre Bürokratie-Erlebnisse melden. Wer seinen Fall schildert, nimmt am Auswahlverfahren für den Preis teil.
Stattlich
„Wir leben in einer Zeit der Reizüberflutung“, erklärte Stiftungsvorstand Till Bartelt. Da müsse man schon klotzen, um gehört zu werden – deshalb auch das stattliche Preisgeld von 50.000 Euro. Heitlinger will einen Teil davon an Organisationen spenden, die sich für Transparenz in Wirtschaft und Politik einsetzen.
Dass die Stiftung nicht am Hungertuch nagt, zeigte sich auch am festlichen Rahmen und nicht zuletzt am Büfett. Gereicht wurde dazu niedersächsisches Jever, kein Bier aus dem Kraichgau. So ganz ist die Übernahme der ständigen Vertretung doch nicht gelungen.
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