Gartenschau-See: Alles nicht so einfach

Eppingen  Ein See in den Bahnhofswiesen soll eine der großen Attraktionen bei Eppingens Gartenschau 2021 werden. Die technische Umsetzung ist knifflig, aus der Elsenz wird sich der Teich kaum speisen können.

Von Alexander Hettich

Gartenschau-See: Alles nicht so einfach

Ein See in den Bahnhofswiesen soll eine der großen Attraktionen bei Eppingens Gartenschau 2021 werden. Die technische Umsetzung ist knifflig, aus der Elsenz wird sich der Teich kaum speisen können. Der ohnehin mäßigen Wasserqualität des Flüsschens wäre das nicht zuträglich, heißt es auf Nachfrage bei der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW).

Mit seinem Siegerentwurf hat das Berliner Büro Planorama begeistert, die Bilder lassen auf den großen Wurf für Eppingen 2021 hoffen. So wollen die Landschaftsarchitekten den Bürgerpark Bahnhofswiesen zum Schmuckstück machen, Kernelemente sind eine Freitreppe vom Bahnhof herab und eben ein großer Stadtteich. Dieser steht keinesfalls zur Disposition, betont Bürgermeister Peter Thalmann auf Nachfrage.

Teurer Hochwasserschutz 

Der Weg vom bunten Bild zum realen See ist aber ein kniffliger. Ingenieure haben im Auftrag untersucht, was man tun muss, "um die Wasserqualität des Sees möglichst hoch zu halten", erklärt Thalmann. Unter der Prämisse, dass die Elsenz durch den Teich fließt, wäre ein Ansatz: Regenrückhaltebecken zum Flutschutz werden so umgebaut, dass bei Hochwasser weniger Schmutz in die Elsenz und damit letztlich auf das Gartenschaugelände schwappt. Die dafür nötigen Umbauten und Rohr-Bypässe wären allerdings viel zu teuer, wie es vergangene Woche im Betriebsausschuss Stadtentwässerung hieß. Weiter werde "alles geprüft", so Thalmann - die Elsenz könne durch den Teich führen, daran vorbei, der See könne sich aus Brunnen speisen. Alles ist weiter offen.

Gartenschau-See: Alles nicht so einfach

Die Variante, dass die Elsenz zum See aufgestaut wird, hält Uwe Bergdolt für unwahrscheinlich. "das wäre im Sommer tödlich für so einen Bach", sagt der Experte von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz. "Der Wasserqualität ist das nicht zuträglich", sagt der zuständige Sachgebietsleiter der Karlsruher Behörde. Die Elsenz hat ohnehin Probleme.

Zu viele Nährstoffe, vor allem Phosphor, schwimmen im Wasser, "die Gewässerstruktur ist schlecht", so Bergdolt. Das heißt, es gibt Hindernisse, die etwa Fischen das Leben schwer machen. Bei den maßgeblichen Kriterien liegt die Elsenz demnach zwischen mäßig und unbefriedigend, also drei bis vier auf der fünfstufigen Skala. Zwei wäre erstrebenswert. Das Flüsschen hat laut Bergolt damit "die üblichen Probleme, die wir bei zwei Dritteln aller Fließgewässer in Baden-Württemberg haben".

Fische und Wasserpflanzen

Aber auch wenn der Teich nicht an den Bach andockt, "braucht man einen gewissen Austausch, damit er nicht umkippt". Man werde "nicht gänzlich um Probleme herumkommen", formuliert es der Experte vorsichtig. Die LUBW untersucht Gewässer vor allem im Hinblick auf das Ökosystem, auf Fische und Wasserpflanzen. Die mäßige Einstufung des Flüsschens bedeutet nicht, dass "erlebbare" Uferpassagen ausgeschlossen sind. Bei der Landesgartenschau in Öhringen hat es etwa einen Ohrn-Strand gegeben, wo Kinder im Wasser waten konnten.

Im Fokus ist ein weiteres Gewässer: Der Mühlkanal am Nordrand der Bahnhofswiesen soll wieder Wasser führen. Derzeit ist es eine trockengelegte Rinne. Wo das Wasser herkommen soll, ist ebenfalls noch unklar.