50.000-Euro-Preis für Eppinger Bauernrebellen

Eppingen - Der Eppinger Hühnerhalter Georg Heitlinger wird heute in Berlin mit dem Werner-Bonhoff-Preis ausgezeichnet. Den Preis „wider den Paragrafendschungel“ erhält der 39-Jährige für seine erfolgreiche Klage gegen den Agrarvermarkter CMA.

Von Alexander Hettich

Professor Gunnar Folke Schuppert (links) und Till Bartelt von der Bonhoff-Stiftung nehmen den Preisträger Georg Heitlinger in die Mitte. Foto: Alexander Hettich

Eppingen - "Bestes vom Bauern" ist von vorgestern. Dafür ist jener Bauer, der solchen Werbesprüchen ein Ende setzte, bestens aufgelegt. Erst recht seit Montagabend. In Berlin nahm der Eppinger Hühnerhalter Georg Heitlinger vor 170 Gästen in der niedersächsischen Landesvertretung einen der höchstdotierten deutschen Wirtschaftspreise entgegen. Für seinen erfolgreichen Kampf gegen den Agrarvermarkter CMA erhielt der 39-Jährige den Werner-Bonhoff-Preis und einen Scheck über 50 000 Euro.

Großer Bahnhof


Die Werner-Bonhoff-Stiftung speist sich aus dem Vermögen des vor zehn Jahren tödlich verunglückten Immobilienmagnaten gleichen Namens und hat sich den Kampf "wider den Paragrafendschungel" auf die Fahnen geschrieben. Da kam Heitlinger gerade recht. "Es war fast schon logisch, dass wir Sie genommen haben", würdigte Gunnar Folke Schuppert den Sieger aus dem Kraichgau. Der Professor der Humboldt-Universität steht dem Forschungsteam der Stiftung vor. Zum fünften Mal hat die Organisation die fürstlich honorierte Auszeichnung vergeben. Fernsehmoderator Günther Jauch holte den Preis vor zwei Jahren.


Heitlinger selbst bereitet die ganze Geschichte spitzbübische Freude. "Das ist schon ein tolles Gefühl", kommentierte er den großen Bahnhof, der ihm in der Hauptstadt bereitet wurde. Im Mittelpunkt zu stehen, daran hat sich Heitlinger gewöhnt, seit die Karlsruher Richter im Februar 2009 das Finanzierungssystem des zentralen Agrarmarketings für verfassungswidrig erklärt haben. Doch die Schulterklopfer standen nicht immer Schlange.

Als unsere Zeitung 2006 den ersten Medienbericht über Heitlingers Kampf veröffentlicht hatte, wurde der Hühnerhalter aus dem Stadtteil Rohrbach weithin belächelt. Einige erklärten ihn schlicht für verrückt. "Das bringt dich in den Bankrott", bekam er zu hören. Der Herr über 40.000 Legehennen legte sich mit einem Flaggschiff der Agrarlobby an. Der Absatzfonds der Land- und Ernährungswirtschaft sammelte bei Bauern und Lebensmittelunternehmen zuletzt rund 100 Millionen Euro jährlich ein. Ein Teil des Geldes floss in umstrittene, zuweilen dümmlich-anzügliche CMA-Kampagnen der Marke "Ich liebe schöne Schenkel" oder eben "Bestes vom Bauern".

Für bestenfalls wirkungslos, eher schädlich hielt Heitlinger solche Sprüche, und er vertiefte sich in die Materie. "Papa macht CMA", konstatierte sein Sohn, wenn sich der Bauer stundenlang ins Büro zurückzog, um Lobbyarbeit gegen die Lobby zu machen. "Ich habe das sportlich gesehen", berichtete Heiltinger gestern vor der Presse in Berlin.

Sportlich

Und wie im Sport, fügt der Eppinger augenzwinkernd an, gelte auch hier: "Der Gewinner bekommt alles." Jetzt auch noch 50.000 Euro, die er zum Teil an Organisationen wie Abgeordnetenwatch spenden will, die sich für Transparenz in Politik und Wirtschaft einsetzen.

Es gibt Menschen, die Georg Heitlinger nicht unbedingt einen Preis wünschen. Viele der einst 150 CMA-Mitarbeiter haben ihren Job verloren, ein paar schrieben böse Kommentare im Internet. Seine früheren Parteikollegen stieß er vor den Kopf, als er gleich nach dem Urteil seinen Austritt aus der CDU verkündete und bei der FDP anheuerte. Während Agrarexperten wie der Hohenheimer Professor Tilman Becker ("Gott sei Dank ist das vorbei") das Aus der CMA für verschmerzbar halten, kamen von Bauernverbänden, auch aus dem Heilbronner Raum, zuletzt kritische Stimmen.

Die Inszenierung des Parteiaustritts bezeichnet Heitlinger im Rückblick als "großen Fehler". Der Rest ficht ihn nicht an. "Den Bauern geht es ohne CMA besser", sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit Kollegen hat er eine Werbegemeinschaft für Eier aus regionaler Herkunft gegründet. Als Vortragsreisender ist er begehrt, auch Universitäten haben angefragt. Manchmal bekommt der Gewinner alles.