Zwischen Abgrund und Neuanfang

Von unserer Mitarbeiterin Dörthe Thimm

Zwischen Abgrund und Neuanfang
Marionetten sind nur ein Teil im Werk der Rappenauerin Annette Hotzy. In ihren Gemälden geht es um elementare Gefühle.Foto: Dörthe Thimm 

Bad Rappenau - Schon die Titel sind markant und weisen darauf hin, dass sich die Künstlerin mit ernsten Themen befasst. Erlebte Emotionen stehen im Vordergrund. Annette Hotzy hat sie alle in einer besonders schwierigen Phase ihres Lebens durchgemacht und verarbeitet diese nun in ihren Kunstwerken, die sie noch bis Mitte Dezember im Kulturhaus ausstellt.

Hilferuf

Auf einem Ölgemälde ist vor einem dunklen Hintergrund eine nackte Frau zu sehen, die ihre Arme flehend in den Himmel streckt. Ihr Gesicht sieht man nicht, aber die Not ist trotzdem offensichtlich. "Please help" (Bitte hilf) ist der Titel dieses Bildes, das für die Künstlerin eine besondere Bedeutung hat. Vielleicht ist sie es sogar selber, denn auch Annette Hotzy schrie einst um Hilfe, als sie wegen einer schweren Krankheit am Abgrund ihres Lebens stand. Auch die nächsten Bilder sprechen Bände: Sie tragen die Namen "Traurig", "Melancholie" und "Mystery" (Geheimnis). Mit Acrylfarben und einer speziellen Spachteltechnik hat die Bad Rappenauerin bei einem Exemplar dicke, goldene Tränen gemalt. Erstaunlich offen geht die Künstlerin, die auch als Dozentin in einer Reha-Klinik in Bad Wimpfen tätig ist, mit diesem Thema um. Das Bild "Beginn" scheint Ausdruck des Beginns ihres neuen, gesunden Lebens zu sein. Es sprüht vor Leben mit den kräftigen Farben rot und gelb. Viele ihrer Kunstwerke sind mitten in der Nacht entstanden, denn Annette Hotzy bezeichnet sich selbst als Nachteule.

Die Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Söhnen hat sich eines der Kinderzimmer als Atelier eingerichtet. Die Künstlerin ist bei der Wahl ihrer Materialien vielfältig. Je nach Stimmung werden Farbe und Leinwand, Speckstein, Holz, Stoff, Papier oder Perlen verwendet. Neben Bildern fertigt sie auch Skulpturen, Karten und Schmuckstücke an. "Wenn ich unruhig bin, dann arbeite ich mit Holzresten." Aus alten Ahornblättern zaubert sie mal eben eine hübsche Rose. Nach Fotovorlage fertigt sie auch Marionetten an − das mache sich besonders gut als Partygag bei runden Geburtstagen, verrät die 55-Jährige.

Zwei Seiten

Vergangene Woche wurden die Kunstwerke bei einer Vernissage zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgeführt. "Alles Negative hat auch etwas Positives", sagt die Künstlerin, die diese Weisheit auch den Betrachtern vermitteln möchte. Sie hat aus der großen Krise ihres Lebens gelernt und schreitet jetzt voller Mut und Elan voran. Ihre Familie und Freunde unterstützen sie dabei. Die Ausstellung ist bis zum 18. Dezember immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.



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