Zwei Stinkstiefel in der Midlife-Crisis

Von unserer Mitarbeiterin Dörthe Thimm

Eppingen - Es ist wie bei einem alten Ehepaar. Willie und Al können nicht mit- und nicht ohne einander. Immerhin verbindet die beiden eine erfolgreiche Ära als Komiker. Doch das war einmal. Denn Al warf das Handtuch, um Börsenmakler zu werden. Damit wurde auch die Karriere von Willie abrupt beendet, was er nur schmerzlich verkraftet hat.

Um verletzte Eitelkeiten, die Angst vorm Altwerden und die Hassliebe zweier in die Jahre gekommener schrulliger Männer geht es in Neil Simons "Sonny Boys", das die Badischen Landesbühne in der Eppinger Stadthalle aufführte.

Willie ist nicht nur in die Jahre gekommen, sondern er ist auch ein richtiger Stinkstiefel, was er jeden spüren lässt. René Laier brilliert in der Rolle als seniler Opa in Pyjama und Morgenmantel, der sich nur noch vom Fernsehen berieseln lässt. Tief verletzt ist er von Al Lewis (Hannes Höchsmann), der ihn noch heute mit dem Wort "Herrreinspaziert!" zum Toben bringt. Dabei ist Al eigentlich der umgänglichere von beiden. Aber seine Schwächen zugeben kann auch er nicht.

Exzentriker Willie versucht sich an einer Solokarriere als Werbe- und Musicalheld, doch die großen Aufträge bleiben aus. Dann verschafft Willies Neffe und Agent Ben (Matthias Hinz) den beiden ein Engagement. Jetzt müssen sich die Streithähne zusammenraufen. Das ist Leichter gesagt als getan.

Neil Simon versteht sich auf schrobene Männer-Paare, die miteinander im Zwist liegen. Schließlich schrieb er schon das Stück "Ein seltsames Paar", das mit Walter Matthau und Jack Lemmon erfolgreich verfilmt wurde. Die Komödie "Sonny Boys", die 1972 am Broadway uraufgeführt wurde, sorgte in Eppingen für beste Stimmung im Saal.

Vor allem dank der schön-schrulligen Bühnendarsteller, die sich mit Wonne wegen jeder Kleinigkeit anzicken und eine menschliche Version von Tom und Jerry darstellen. Dabei denkt man immer, mit dem Alter komme die Weisheit.



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