Ohrwürmer für das kollektive Bewusstsein

Von unserer Mitarbeiterin Leonore Welzin

Bad Rappenau - Ein Gutenachtliedchen als Zugabe? Mit "La le lu, nur der Mann im Mond schaut zu" (1950) wiegen The Magic Tenors das begeisterte Publikum im Kurhaus natürlich nur zum Schein in den Schlaf. Ein gewagter Zeitsprung der acht Gentlemen (aus England, Irland, Finnland und Ägypten) katapultiert die Fans hoher Sangeskunst in die 60er Jahre: Die ranken, schlanken Jungs − im adretten Bügelfaltenanzug sehen sie Bankern ähnlicher als Opernsängern − reißen sich die Krawatten vom Hals, öffnen den Kragenknopf und hüpfen wie anno 1963 die Beatles im Album "Twist and shout" zum gleichnamigen Titel durch die Menge.

Musikzitate

Was ausschaut wie der entfesselte Auftakt einer Show der Chippendales, ist tatsächlich das große Finale einer Präsentation eingängiger Musikzitate aus Pop, Rock und Musical, die zwar gesangstechnisch einiges fordern, aber als immergrüne Ohrwürmer durchs kollektive Bewusstsein kriechen.

Beginnend mit "Love is in the air", Musik liegt in der Luft, steigert sich das Programm über Schmachtfetzen wie "Ti amo!", in tiefrotes Licht getaucht, und Paul Ryans "Eloise" zum dreistimmigen Falsettgesang und pulsierenden Disco-Beats des Bee-Gee-Hits "Nightfever". Abba ist mit "The winner takes it all" vertreten und Udo Jürgens geht "Mit 66 Jahren" an den Start.

Genuss

Damit ist noch lange nicht Schluss: Das Konzert gipfelt in Freddie Mercurys "Bohemian Rhapsody". Stehen, drehen, auf die Knie fallen − man meint die Regieanweisungen zu hören, mit denen, analog zum Original von Queen, aus dieer Liebeserklärung an die Oper des späten 19. Jahrhunderts mehr als ein akustischer Genuss gemacht werden soll. Es wird ein szenisches Minidrama, bei dem einer der acht Protagonisten mit kristallklarem Countertenor besticht und die anderen das Mikrofon in gefalteten Händen zu einem Gegenstand der Anbetung erhöhen. Das Publikum ist hin und weg wie bei "Amazing Grace".



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