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Der mit der Landschaft spielt
Von Michaela Adick
Eppingen - Eine Landschaft ist eine Landschaft ist eine Landschaft? Ist es wirklich so einfach? Konkreter gefragt: Ist der Eppinger Wald einfach der Eppinger Wald, die Elsenz einfach die Elsenz?
Harmlos
Eine einfach zu klärende Frage, möchte der moderne Mensch meinen. Nicht, wenn man sich mit den Arbeiten von Daniel Sigloch beschäftigt, der sich wiederum seit Jahren an dem vermeintlich harmlosen Thema der Landschaftswahrnehmung die Zähne ausbeißt.
Der Stuttgarter Fotograf, der in diesem Sommer von dem Eppinger Museumsleiter und Heilbronner Maler Peter Riek mit der Gestaltung des 15. Künstlerfahnenfestivals "Flagge zeigen" betraut worden ist, hat sich für das Projekt ausgiebig Zeit genommen.
Tausende Bilder
Immer wieder ist er an die Elsenz zurückgekehrt, zurück in den Eppinger Wald. Hunderte, ja Tausende von Digitalfotografien müssen so im Laufe der Monate entstanden sein, die Daniel Sigloch jedoch nicht, und das ist der Clou bei seiner Arbeit, in einer Werkschau nebeneinander zeigt.
Daniel Sigloch, der nach einer Lehre zum Steinbildhauer an der Kunstakademie Stuttgart bei Werner Pokorny und Micha Ullman studiert hat, schichtet seine Landschaftsimpressionen vielmehr an seinem Rechner übereinander, verdichtet seine hundertfach erlebten Eindrücke zu neuen, zu idealisierten Landschaften.
Und siehe da: Die Bilder, die aus der Schichtung der digitalen Fotos entstanden sind, verlieren die Anmutung der Fotografie.
Diffuse Märchenwelten
Unvermutet scheint plötzlich das malerische Moment zu überwiegen, aus dem konkreten natürlichen Flusslauf etwa, aus dem konkreten Eppinger Forst entstehen durch die mannigfaltige Dopplung etwas vernebelt wirkende, verschwimmende Märchenwelten, in die sich der Betrachter nolens volens, jeder Versuch eines Widerstands ist zwecklos, hineingesogen fühlt.
Natürlich hat sich der 40-jährige Fotograf, der in Eppingens Altstadt nicht nur seine Künstlerfahnen in Bannerformat zeigt, sondern im Stadt- und Fachwerkmuseum Alte Universität auch eine weitere, kleine Werkschau präsentiert, mit dem Phänomen der deutschen Romantik auseinander gesetzt.
Denn keiner beschäftigt sich ungestraft mit dem Thema Wald, ohne sich an den Romantikern zu reiben, ihren Vorstellungen von Weltenflucht und Transzendenz.
Befreite Natur
Doch Daniel Sigloch, der auf so bemerkenswerte Weise mit der Landschaft spielt und ein vor Kraft nur so strotzendes Bild einer vom Menschen befreiten Natur zeigt, er will mehr.
Sigloch gibt der geschundenen Natur Würde und Geheimnis zurück. Und so gilt es in der Alten Universität ein kleines Paradoxon zu entdecken: Vermeintliche Urlandschaften, die am Computer generiert worden sind.
Das 15. Eppinger Künstlerfahnenfestival "Flagge zeigen" ist bis zum 9.Oktober auf die Stadt verteilt. Die sehenswerte Werkschau von Daniel Sigloch im Stadt- und Fachwerkmuseum Alte Universität ist mittwochs bis sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
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