Das letzte Geheimnis doch nicht gelüftet

Von unserer Mitarbeiterin Gabriele Schneider

Das letzte Geheimnis doch nicht gelüftet
Stellt in Sinsheim aus: Meike Hille-Blaser aus Eppingen.Foto: Schneider 

Sinsheim - "Und unsagbarer als alles sind die Kunst-Werke, sie sind geheimnisvolle Existenzen." Mit einem Auszug aus einem Brief Rainer Maria Rilkes eröffnete die Vorsitzende des Kunstkreises Kraichgau, Elke Laber-Steiner, die 16. Jahresausstellung der Vereinigung von Künstlern aus dem Raum Sinsheim und Eppingen. Schon immer findet die Schau im Foyer des Sinsheimer Rathauses statt. Drei Wochen lang zeigen 31 Künstler 85 Exponate.

Vor allem Acrylgemälde und Aquarelle sind es, aber auch Ölbilder, Fotografien, Zeichnungen, Grafiken, Enkaustik oder Skulpturen. Auch bei der Entscheidung, Gegenständliches oder Abstraktes zu schaffen, war den Künstlern keine Grenze gesetzt.

Wachsduft

Sieben Mitglieder zeigen ihre Werke zum ersten Mal. Eine von ihnen ist Isabela Weber aus Eppingen-Rohrbach. Als einzige aus dem Kunstkreis hat sie sich der Enkaustik verschrieben. Dabei wird mit geschmolzenen Wachsmalkreiden oder geschmolzenem Wachs gearbeitet. Ihr dreiteiliges Werk "Entfesselt" sah aus wie eine edle, türkisfarben glasierte Keramikarbeit. Doch ein aromatischer Wachsduft umwehte die Bilder.

Zu den Stammkünstlern gehörte indes die Eppingerin Meike Hille-Blaser, die auch abseits der Kunstkreisschauen einige Ausstellererfahrung besitzt. Erst vor kurzem stellte sie im Bad Rappenauer Kulturhaus Fränkischer Hof aus, und auch die nächste Schau sei geplant, berichtete sie. Im Sinsheimer Rathaus zeigt sie drei Acrylbilder, bei denen kräftiges Rot dominiert.

Lutz Petersen, zweiter Vorsitzender des Kunstkreises, versuchte in seiner Eröffnungsrede, eine Antwort darauf zu finden, was Kunst eigentlich sei und woran man sie erkenne. Augenzwinkernd kam er zum Schluss, er müsse "eine abschließende Antwort schuldig bleiben", doch die Gäste sollten sich beim Rundgang einfach selbst ein Bild machen.

Abschiedsgeschenk

Oberbürgermeister Rolf Geinert, der laut Elke Laber-Steiner bisher keine Jahresausstellungs-Vernissage verpasst hat, fehlte diesmal. Er steckte im Verkehrsstau fest. Kurzentschlossen sprang Rathausmitarbeiterin Petra Schüle für ihren Chef ein. "Kunst ist nicht alles, aber ohne Kunst geht es nicht", freute sie sich über die lange Jahresausstellungs-Tradition im Rathaus. Eines der Exponate ist ein Abschiedsgeschenk an den OB. Der Sinsheimer Franz Tremmel hat es mit dem Bleistift gezeichnet, und es trägt den Namen "Porträt". Wen der Künstler porträtierte und warum Geinert gerade dieses Werk verehrt bekommt, wird beim Betrachten schnell klar.

Einfühlsam umrahmte das Querflötenensemble der Musikschule die sehr gut besuchte Eröffnung. Am Schluss griff Laber-Steiner noch einmal das Rilke-Zitat auf. "Die geheimnisvollen Existenzen gilt es zu entdecken", forderte sie die Gäste auf, "und ich hoffe, dass Sie sie entdecken werden." Die Jahresausstellung ist bis 16. Dezember zu den Rathausöffnungszeiten zu sehen.



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