Orgel in perfektem Zustand

Eppingen  Die Voit-Orgel in der evangelischen Stadtkirche in Eppingen schillert zwischen barockem und romantischem Klang.

Von Uwe Grosser

Orgel Eppingen
Foto: Dennis Mugler  

Sie ist ein erstaunliches Instrument. 1879 von der badischen Hoforgelbaufirma Louis Voit in Durlach gebaut, ist die Orgel in der evangelischen Stadtkirche Eppingen zwar ganz dem romantischen Klang verpflichtet, und doch hört Hans-Martin Braunwarth, Orgelsachverständiger der evangelischen Landeskirche, sofort, dass da auch Barockes durchschimmert.

Tatsächlich wurden bei verschiedenen Restaurierungen typisch barocke Obertonregister hinzugefügt. „Genau das“, so Braunwarths katholischer Kollege Michael Saum, „ist das Besondere an der Eppinger Orgel: die einzelnen Reminiszenzen an den barocken Klang.“

Klang der Orgel ist beeindruckend

2009 hat Martin Kares, badischer Kollege von Braunwarth, deshalb sein Gutachten überschrieben mit: „Spiel-Pluralismus statt Stil-Purismus“. Er hat Recht, denn der Klang des Instruments ist beeindruckend. Mit seinen 26 Registern, verteilt auf zwei Manuale und Pedal, hat sie die ideale Größe für den Kirchenraum. Kein Wunder: Kirche und Orgel wurden damals gemeinsam neu gebaut. Louis Voit war zu seiner Zeit ein sehr bekannter Orgelbauer. Braunwarth: „Er stand in Kontakt mit allen bedeutenden Orgelbaukollegen.“

Das Eppinger Instrument ist in seinem Grundbestand original erhalten, es wurden lediglich später besagte Register hinzugefügt. Erstmals umgestaltet wurde es 1940. Nach einer Ausreinigung 1964 beschied der damalige Orgelsachverständige Walter Leib der Orgel, „dass sie in dieser jetzt gegebenen Klapprigkeit noch vielleicht zehn Jahre vorhält“.

„Es ist ein schönes Instrument mit feinen Differenzierungen im Klang“

_DSC8449
Foto: Dennis Mugler  

Sie steht immer noch, was auch einer Sanierung 1980 durch die Firma Steinmeyer aus Oettingen zu verdanken ist. „Damals wurden viele Werke abgebrochen“, weiß Braunwarth, „doch hier wurde es restauriert“. Mit den damals hinzugefügten Registern kann Braunwarth gut leben, denn „so hätte Voit selbst es auch gemacht, also in der Denke des romantischen Orgelbaus des 19. Jahrhunderts“.

2009 wurde die Orgel von der Lauffener Firma Rensch letztmals restauriert. Eine Rückführung in den Urzustand wurde verworfen, also blieben die zugefügten Obertonregister im Instrument belassen.

Eppingens Kantorin Daniela Rickert ist das sehr recht: „Es ist ein schönes Instrument mit feinen Differenzierungen im Klang.“ Seit einem Jahr ist sie im Amt und rundum zufrieden. Das kann sie auch sein, denn nach Einschätzung von Hans-Martin Braunwarth ist die Orgel jetzt „in perfektem Zustand“.

„Es lohnt sich, die Eppinger Voit-Orgel kennenzulernen"

Eines gefällt ihm dabei besonders: „Sie hat kein elektrisches Gebläse, und das gibt es heute nur noch selten.“ Tatsächlich strömt die Luft aus einem klassischen Blasebalg – hier eine Kastenbalganlage im Turmraum hinter der Orgel – in die Windlade, in Gang gesetzt durch eine Aufzugsvorrichtung, die freilich elektrisch betrieben wird. Früher wurden derlei Bälge von Menschenbeinen über Fußtritte bewegt wie sie heute noch bei Steppern im Fitnessstudio zu finden sind.

Martin Kares schrieb 2009 in seinem Gutachten abschließend: „Es lohnt sich, die Eppinger Voit-Orgel kennenzulernen. Architektur, Akustik, Musik und Technik verbinden sich in diesem Raum zu einer überzeugenden Einheit.“ Dem haben auch Hans-Martin Braunwarth und Michael Saum nichts hinzuzufügen.