Niemand wird verschont

Eppingen  In seinem neuen Solo-Programm nimmt Christoph Sonntag Politiker, Banker und Zuschauer aufs Korn

Von unserem Redaktionsmitglied Kathrin Brenner

Wer bei Christoph Sonntag in der ersten Reihe sitzt, hat es nicht leicht. Der Comedian spritzt „echtes Stuttgarter Mineralwasser“ aus dem auf der Bühne aufgebauten Brunnen aufs Publikum und macht sich auch gerne über die Vornamen der Zuschauer lustig: „Wilfried! Und, hasch no Kontakt zu deine Eltern?!“. Dann drängelt er sich neben Wilfrieds Frau, die vor Lachen nicht einmal ihren Namen ins Mikrofon sagen kann, und lässt sich mit ihr fotografieren: „Lass uns noch kurz Zeit zum scharf werden“.

Die über 900 Zuschauer in der Eppinger Hardwaldhalle, die laut Sonntag „voll feng-shui“ ist, brüllen am Freitagabend fast vor Lachen. Und Wilfried, „die Fleisch gewordene Klangschale“ nimmt es mit Humor. Denn in Christoph Sonntags zehntem Solo-Programm „Muss des sei...?“, mit dem er seit Beginn des Jahres auf SWR 3-Comedy-Tour ist, bekommt jeder sein Fett ab.

Zocker-Banker

Zum Beispiel die Banker. Da sein Therapeut ihm geraten habe, sich nicht mehr so aufzuregen, versucht der Comedian mit einem – etwas schrägen – Gesang und einer Geige, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Was er mit seinem „Zocker-Banker“ gerne anstellen würde, klingt dann aber doch sehr blutrünstig, und das Publikum lacht eher verhalten.

Ganz anders, als es um das Thema Männer und Frauen geht – eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für Witze aller Art. Manche dieser Sprüche sind zwar altbekannt, wie zum Beispiel der, dass alle Frauen Engel seien, die, wenn ein Mann ihnen die Flügel bricht, dann eben auf dem Besen weiterfliegen. Doch so, wie Sonntag die Witze präsentiert, auf seine schwäbisch-nüchterne Art, sorgt er trotzdem für viele Lacher.

„Muss des sei...?“, fragt er, und das zuvor instruierte Publikum entgegnet ein donnerndes „Was?“. „Dass Allergien immer mehr zunehmen.“ Dann erzählt der Comedian davon, dass immer mehr Männer allergisch auf Beziehungsgespräche reagierten, und dass viele von ihnen Kreuzallergien gegenüber Müll rausbringen und Socken aufräumen entwickelten. Den Reaktionen der Zuschauer nach zu urteilen, kennen viele dieses Phänomen.

Gerade deshalb bringt Sonntag die Halle an diesem Abend so häufig zum Lachen. Humorvoll, oft übertrieben und überzeichnet, erzählt er von den kleinen und großen Erlebnissen im Alltag, in denen sich jeder mehr oder weniger wiederfindet. Frauen und Männer nimmt er gleichermaßen auf die Schippe – wenn er einen Schwaben imitiert, der versucht, in Berlin ein „Hauptstadt-Häsle“ anzuflirten, wenn er von der typisch weiblichen Eigenschaft berichtet, sich beim Einkaufen Dinge zurücklegen zu lassen – ein Männern völlig fremdes Verhalten: „Oder habt ihr schon mal einen Mann erlebt, der sagt: ‘Könnet se mir den Kaschte Pils bis morge zrücklege?’“ Und wenn es in der Mann-Frau-Beziehung nicht mehr so gut läuft, kommt die Frau vielleicht zur Erkenntnis: „Für des bissle Wurscht brauch i doch net des ganze Schwein.“

Politiker

Aber auch Politiker verschont Christoph Sonntag nicht: Als Kretschmann-Statue reist er ins Jahr 2046, in dem der Ministerpräsident zurückblickt – nicht ohne andauernd Hannah Arendt zu zitieren. Die Imitation gelingt Sonntag perfekt.

Die sieben offenen Fragen zum Ende des Programms hingegen bestehen überwiegend aus dünnen Wortspielen („Wenn Katholiken demonstrieren gehen, werden sie dann Protestanten?“), doch mit der Zugabe gewinnt der Comedian das Publikum nach dem begeisterten Applaus erneut für sich: Disco-Feeling ist angesagt – früher sei in der Discothek ja noch richtige Musik gespielt worden, kein Techno – und Sonntag tanzt agil von der Bühne herunter, während sich zahlreiche Zuschauer an die guten alten Zeiten erinnern dürfen.