Pläne für jüdisches Zentrum schreiten voran

Eppingen - In der Fachwerkstadt könnte ein Zentrum für jüdische Kultur entstehen. Aber nicht nur das ist geplant: Museum, Ausstellung, der Kraichgau-Verein packt einiges an.

Eppingen prüft eine Städtefreundschaft mit einer isrealischen Kommune. In der Fachwerkstadt könnte ein Zentrum für jüdische Kultur entstehen. An allem ist der umtriebige Verein Jüdisches Leben Kraichgau beteiligt. Mit dem Vorsitzenden Michael Heitz sprach Simon Gajer.

Im April zeigen Sie mit dem Heimatverein Kraichgau erstmals die Wanderausstellung "Dem Vergessen entrissen: Jüdisches Leben im Kraichgau". Wie laufen die Vorbereitungen?

Michael Heitz: Ein paar kurze Nächte wird es noch geben. Dann sind wir durch, und alles geht in die Druckerei, wo die 38 Stellwände produziert werden. Eine Woche später gehen wir ans Begleitheft.

Was erwartet die Besucher?

Heitz: Vieles und Neues. Wer wenig Hintergrundwissen hat, kann der Ausstellung unbefangen begegnen und vieles entdecken. Die Ausstellung unterteilt sich in die Bereiche Soziales, Religiöses und Geschichtliches. Ganz entscheidend ist, dass die Geschichte in ihrer ganzen Bandbreite gezeigt wird − von ihren Anfängen im Mittelalter. Wichtig ist ebenfalls, dass wir zeigen, wie Schulprojekte mit dem Thema umgehen. Zwölf Partnerschulen werden ihre Projekte zeigen. Auch die Erinnerungskultur greifen wir auf.

Haben Sie ein Beispiel für das Neue, das Besucher entdecken können?

Heitz: Entdecken kann man zum Beispiel die vielen jüdischen Stifter, die es im Kraichgau gab. Wie etwa die Kahnsche Stiftung und die Familie Eisenmann. Beide Familien haben in den 20er Jahren in Stebbach das Kulturleben enorm unterstützt. Auch haben sie früher einen Hilfsfonds eingerichtet, sowohl für Juden als auch für nichtjüdische Bürger. In Schluchtern gab es den Mäzen Alfred Kirchhausen, der das Dorfleben unterstützt hat. Auch in Bonfeld lebten Stifter. Viele wissen das gar nicht. Interessant sind auch die jüdischen Gaststätten, die es gab. Wir wissen von mindestens 14.

Stehen die Gebäude noch immer?

Heitz: Leider fielen in den vergangenen Jahren mehrere Gebäude Sanierungskonzepten zum Opfer. Das ist schade.

Ihr Verein möchte einen Lernort zur jüdischen Kultur einrichten. Geplant war, ihn in den Gebäuden ehemalige Synagoge und Matzebäckerei einzubauen. Nun verzichtet die Stadt darauf, die Matzebäckerei zu kaufen. Was bedeutet das für Ihre Pläne?

Heitz: Es gibt verschiedene Ansätze: eine kleine oder eine große Lösung. Langfristig würde es Sinn machen, den Lernort in den gesamten Gebäudekomplex zu bringen. Es steckt unheimlich viel Potenzial drin, und es hat Charme mit der Matzebäckerei vorn, die es so im Kraichgau nicht mehr gibt. Die Gebäude waren über den Keller verbunden. Eine Besonderheit ist, dass in den 20er und 30er Jahren eine Christin mitgebacken hat. Es wäre toll, wenn man das Gebäude irgendwann integrieren könnte. Momentan sieht es nach einer kleinen Lösung aus, bei der wir uns auf die alte Synagoge beschränken. Wir schauen, was das Gebäude hergibt und was baulich darin möglich ist. Wir wollen ein Konzept in Schritten realisieren. Der Stadt gehört das Gebäude. Wichtig ist uns, dass es keine Schnellschüsse gibt. Wir haben Zeit, um Fachleute ins Boot zu holen. Das wird sicher ein Dreivierteljahr dauern, bis wir ein Konzept erarbeitet haben und das wir dem Oberbürgermeister und dem Gemeinderat vorlegen können.

Wann öffnet der Lernort?

Heitz: Realistisch betrachtet wohl nicht vor 2016/2017.

Mit welchen Kosten rechnen Sie?

Heitz: Sie liegen im oberen sechsstelligen Bereich.

Eppinger fliegen im Mai in die israelische Stadt Zichron Yaakov, um den Beginn einer Städtefreundschaft auszuloten. Wie ist die Stimmung?

Heitz: Die Vorfreude ist groß. Die Resonanz aus dem Gemeinderat macht Mut. Alle Fraktionen plus Vertreter der Schulen und des Jugendzentrums fliegen. Somit konnte eine gut durchmischte Gruppe für den Kurzbesuch zusammengestellt werden. Das ist ein gutes Zeichen, dass Interesse da ist. Die israelische Gruppe, die vergangenes Jahr Eppingen besuchte, ist von unserer Stadt, dem Kraichgau und den Menschen hier begeistert. Jetzt geht es darum, dass wir uns besser kennenlernen und ausloten, was möglich ist. Wir hoffen natürlich, dass sich das Ganze verfestigt.