Ziehl-Abegg wächst zweistellig

Künzelsau  Ziehl-Abegg ist trotz nicht überall einfacher Marktbedingungen auf Erfolgskurs. Im vergangenen Jahr steigerte der Künzelsauer Motoren- und Ventilatorenhersteller seinem Umsatz um zwölf Prozent auf 540 Millionen Euro.

Von Manfred Stockburger

Da ist Fingerspitzengefühl gefragt: Gabriela Szworc setzt Elemente, die maschinell nicht montiert werden können, auf Leiterplatten, die später in Elektromotoren eingebaut werden. Das Unternehmen setzt auf eine hohe Fertigungstiefe. Foto: Ziehl-Abegg

Im Jahr 2016 hatte das Unternehmen einen Umsatz von 484 Millionen Euro erwirtschaftet. Über das Ergebnis spricht Ziehl-Abegg nicht, ausweislich Unternehmensregister lag die Vorsteuerrendite des kapitalstarken Konzerns im Jahr 2016 aber bei gesunden sechs Prozent.

„In Asien sowie in Nord- und Südamerika sind unsere Erwartungen deutlich übertroffen worden“, deutet Ziehl-Abegg-Vorstandschef Peter Fenkl in Richtung der Wachstumstreiber. Das Umsatzwachstum finde aber rund um den Globus statt – auch in Ländern wie der Ukraine oder Russland, in denen das Unternehmen vor wenigen Jahren noch herbe Rückschläge verdauen musste. Selbst in vermeintlichen Krisenstaaten wie dem Iran seien insbesondere Aufzugsmotoren gefragt. „Der Bedarf ist da“, sagt Fenkl, der zurzeit in Amerika unterwegs ist.

Ein Geschäftsbereich bleibt hinter den Erwartungen zurück

In den Segmenten Luft- und Antriebstechnik verzeichnete das Unternehmen 2017 jeweils ein zweistelliges Umsatzwachstum. Einzig der Geschäftsbereich Automotive blieb hinter den Erwartungen zurück – mit ihren elektrischen Radnabenmotoren wollen die Hohenloher die Antriebstechnik in der Bus-Branche aufrollen. „Die Stadtbushersteller in Westeuropa sind sehr zurückhaltend beim Umstieg auf Elektroantriebe“, erklärt Peter Fenkl.

Der Manager setzt darauf, dass der politische Druck wachsen werde. „Und dann haben wir die Lösung bereits entwickelt und im Feld getestet.“ Im Oktober stellte Ziehl-Abegg die neueste Generation des Radnabenmotors vor. „Wir werden da einen langen Atem brauchen, aber den haben wir.“

Neue Stellen geschaffen

Die stark steigenden Umsätze sorgen für ein wachsendes Arbeitsaufkommen. 200 neue Stellen hat Ziehl-Abegg im vergangenen Jahr in Hohenlohe geschaffen, wo das Unternehmen in Künzelsau, im Gewerbepark Hohenlohe an der Autobahn A6 und in Schöntal-Bieringen mittlerweile 2200 Mitarbeiter zählt. Auch im administrativen Bereich sind neue Arbeitsplätze entstanden – vor allem in der Technik, sagt Fenkl.

Weltweit erreichte die Belegschaftsgröße 3900 – das sind 350 mehr als vor Jahresfrist. Die Integration neuer Mitarbeiter fordere das Unternehmen, sagt Fenkl. Aber nicht nur die eigenen Beschäftigten: „Die Lieferanten müssen den rasanten Umsatzzuwachs mitgehen können. Daran haben wir noch zu knabbern. Aber wir sind gut vorbereitet.“ 

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Weniger Bewerber

Angesichts der Beschäftigungslage in der Region und des demografischen Wandels wird die Suche nach qualifizierten Fach- und Führungskräften zunehmend schwierig – die Zahl der Bewerber sei rückläufig, heißt es. Als wesentlichen Baustein der Personalpolitik bezeichnet das Unternehmen weiterhin die Ausbildung und verweist darauf, dass sich 500 Schulabgänger auf die 50 verfügbaren Lehrstellen beworben hätten.

Auch bei den Investitionen verzeichnete das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Rekord. 43 Millionen Euro investierte Ziehl-Abegg. Unter anderem entstand im Gewerbepark Hohenlohe ein neues Gebäude für die Produktion stromsparender Elektromotoren. 28 Millionen Euro war dort die Investitionssumme – Ende 2017 ist die Produktion angelaufen.

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Ins neue Jahr geht Ziehl-Abegg trotz vieler politischer Unwägbarkeiten mit großer Zuversicht. Fenkl vergleich die Weltlage in Zeiten von Trump, Brexit, Wahlen in Russland und der sich hinziehenden Regierungsbildung in Deutschland mit einem „bunten Baldachin aus Damoklesschwertern“. Tragen lässt er sich in seiner Zuversicht vom positiven Auftragseingang der ersten Wochen des neuen Jahres. Und von neuen Produkten: „Wir werden wieder neue Bestmarken setzen bei der Energieeffizienz“, sagt er und kündigt Investitionen in das weltweite Produktions- und Servicenetz an.

Weltweit aktiv

Ziehl-Abegg gehört zu den führenden Unternehmen im Bereich der Luft-, Regel und Antriebstechnik. Zur Ziehl-Holding-Gruppe gehören weltweit 18 Produktionswerke sowie 104 Vertriebsstandorte. Gegründet wurde das Unternehmen 1910 in Berlin von Emil Ziehl als Hersteller von Elektromotoren. Die Ziehl-Abegg SE ist nicht börsennotiert und befindet sich in Familienbesitz.