Würth bleibt auf Wachstumskurs

Schwäbisch Hall/Künzelsau  Dank guter Geschäfte in Deutschland und Südeuropa hat der Werkzeug-Handelskonzern Würth Umsatz und Gewinn weiter nach oben geschraubt. Die Künzelsauer setzen inzwischen auch auf neue Verkaufskanäle.

Von dpa und unserer Redaktion

Würth-Chef Robert Friedmann (rechts) verkündet am Dienstag in Schwäbisch Hall gute Zahlen. Foto: Manfred Stockburger

Der Werkzeug-Handelskonzern Würth sieht sich beim Ausbau seines Online-Vertriebs auf Kurs. „Der elektronische Umsatz wächst deutlich überdurchschnittlich“, sagte Würth-Chef Robert Friedmann am Dienstag in Schwäbisch Hall. Die sogenannten E-Business-Erlöse seien 2016 um 18,3 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Der Gesamtumsatz kletterte um 7,1 Prozent. Würth setzt bisher neben Filialen vor allem auf Außendienstler, die Handwerker und Firmen beraten und beliefern. Mit Online-Shops, Apps und anderer Technik will der Konzern dieses klassische Vertriebsmodell verändern.

2014 lag der E-Business-Anteil am Würth-Gesamtumsatz den Angaben zufolge noch bei 10,9 Prozent, inzwischen sind es 14,8 Prozent. Für 2020 wird ein Fünftel angepeilt. Würth-Chef Friedmann zeigte sich zuversichtlich, dass dieser Anteil erreicht wird. Man habe viel Vorarbeit geleistet und Kunden den neuen Vertriebskanal erklärt, nun ziehe das E-Business deutlich an. Das E-Business macht bei Würth inzwischen 14 Prozent des Umsatzes aus.

Ausbau des stationären Verkaufsnetzes

Zugleich setzt Würth auf den Ausbau des stationären Verkaufsnetzes. Waren es in Deutschland im vergangenen Jahr noch gut 400 Niederlassungen, sollen es am Ende dieses Jahrzehnts 600 und auf lange Sicht 1000 sein. Weltweit hat Würth 1700 Niederlassungen, 100 mehr als ein Jahr zuvor. Pro Jahr sollen zwischen 50 und 100 dazukommen. Würth nennt den Ausbau seines Vertriebsnetzes „Multi-Kanal-Strategie“, also die Stärkung der miteinander verbundenen Vertriebswege Außendienst-Besuche, Online und Niederlassung. Diese Strategie gehe auf, sagte Friedmann.

Der Online-Vertrieb und die Digitalisierung von Lagerbeständen wird im eher konservativ geprägten Markt für Befestigungsbedarf von Handwerkern, Baufirmen und anderen Unternehmen wichtiger. Auch Würth-Konkurrenten wie die ebenfalls aus dem Hohenlohischen stammende Firma Berner setzen auf Digitalisierung.

Wachstumskurs soll fortgesetzt werden

Würth-Chef Friedmann legte zudem positive Geschäftszahlen vor. Die Umsätze kletterten von Januar bis April 2017 um 7,5 Prozent auf rund 4,2 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis stieg um 13,8 Prozent auf 205 Millionen Euro. Vor allem in Südeuropa, Osteuropa und Deutschland lief es hervorragend, eher mau war es in Frankreich und Großbritannien. Mit Sorge sieht Firmenchef Friedmann höhere Preise für Rohstoffe wie Stahl, Kupfer und Nickel. Es sei schwierig, entsprechend höhere Preise beim Kunden durchzusetzen.

Würths Wachstumskurs soll bis zum Jahresende fortgesetzt werden, für das Gesamtjahr rechnet Friedmann mit sieben Prozent Umsatzplus und einem höheren Wert für das Betriebsergebnis. Ins neue Jahr ist das Unternehmen nach Stimme-Informationen sehr gut gestartet: Im März verbuchten die Künzelsauer den höchsten Monatsumsatz der Unternehmensgeschichte.

Die Firma hat weltweit etwa 72.000 Mitarbeiter, davon 22.000 in Deutschland.