Wolpert baut Zukunft

Bretzfeld  Spatenstich im Gewerbegebiet bei der A6: Der Bretzfelder Automobilzulieferer Wolpert baut einen neuen Firmencampus. Zwischen 30 und 34 Millionen Euro investiert die Unternehmensgruppe in den Jahren bis 2020 in ihren Zukunftspark 4.0.

Von Manfred Stockburger

Das Dezemberwetter legte am Donnerstag zur Mittagszeit eine trübe Nebelsuppe über die Anhöhe beim Bretzfelder Teilort Schwabbach − so, dass man beim Spatenstich kaum das andere Ende des 25.000 Quadratmeter großen Baugrundstücks ausmachen konnte. Josef Wolpert blickt mit seinem Zukunftspark 4.0 dennoch in die Zukunft. Zwischen 30 und 34 Millionen Euro wird er in den Jahren bis 2020 in seinen Zukunftspark 4.0 für seine Unternehmensgruppe investieren, die im ausklingenden Jahr mit rund 450 Beschäftigten einen Umsatz von etwa 60 Millionen Euro erwirtschaftet hat.

"Mit dem Projekt starten wir in die digitalisierte Zukunft", sagte Wolpert. "Mit dem Neubau wird es möglich, den Gedanken der Industrie 4.0 in vollem Umfang auf die Produktion von Prototypen herunterzubrechen: Automatisierung ab Stückzahl eins." Um dem enormen Kostendruck durch den Wettbewerb aus China etwas entgegensetzen zu können, sollen seine Mitarbeiter künftig nicht mehr in erster Linie an der Maschine stehen. "Mitarbeiter, wie wir sie heute haben, wird es künftig in dieser Zahl nicht mehr geben." Sie sollen andere Aufgaben übernehmen: "Der Fräser wird zum Anlagenmanager weitergebildet." Zwei vollautomatisierte Maschinen sollen künftig große Werkzeuge für die Produktion von Stoßfängern rund um die Uhr bearbeiten.

Im zweiten Schritt kommt eine Ausbildungsakademie 

Nach dem ersten Bauabschnitt, der 10.000 Quadratmeter Produktionsfläche und 1500 Quadratmeter dazugehörige Büro- und Sozialräume umfassen wird, soll schon bald im neuen Jahr der zweite folgen: eine Ausbildungsakademie mit Schulungsräumen, Lehrwerkstatt und Begegnungszonen. "Die Kreativität und das Potenzial der jungen Leute soll voll zum Tragen kommen." Auch die Wolpert Holding wird dort künftig ihren Sitz haben.

Dieses Projekt, das auch Kantine, Fitnessstudio und ein Automuseum umfassen soll, veranschlagt Josef Wolpert mit etwa 15 Millionen Euro. 2020 soll das Projekt abgeschlossen sein. "Das wird eine ganz große Nummer", sagte Schneider-Bau-Geschäftsführer Eberhard Köhler. Ziel müsse sein, dass die Menschen, die daran vorbeifahren über das Gebäude sagen: Hier möchte ich arbeiten.

Dass es ihm darum geht, über das Projekt seine Attraktivität am Arbeitsmarkt zu erhöhen, daraus macht auch Bauherr Josef Wolpert keinen Hehl. Dass Mittelständler und nicht Baukonzerne das Vorhaben umsetzen, ist nicht selbstverständlich. Der Besigheimer Hochbau-Unternehmer Karl Köhler hob dies ausdrücklich hervor.

Kindergarten und Schule am Standort denkbar

Vorstellen kann sich Josef Wolpert außerdem, dass er an dem Standort einen Kindergarten und eine Schule finanziert − über eine Stiftung. "Wir haben keine Kinder", sagt der 53-Jährige, der ursprünglich aus Neckarsulm stammt. "Mitnehmen können wir das Geld ja nicht."

Mit der Gemeinde und dem Land seien diese Ideen jedoch noch nicht besprochen. Aber auch schon über den erste Bauabschnitt freuen sich der Hohenloher Landrat Matthias Neth ("Eine wirkliche Erfolgsgeschichte für den ländlichen Raum") und Bürgermeister Martin Piott ("Die Dynamik ist heftig. Das macht aber mehr Spaß als Stillstand").