Noch mehr Verlust bei R. Stahl

Waldenburg  Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab bei der Waldenburger R. Stahl AG. Ein bilanztechnischer Effekt verdoppelt das Minus im Jahresergebnis auf 21,2 Millionen Euro.

Von Manfred Stockburger

Noch mehr Verlust bei R. Stahl

Der neue Chef Mathias Hallmann hat keine einfache Aufgabe.

Foto: R. Stahl

 

Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab bei der Waldenburger R. Stahl AG. Der börsennotierte Spezialist für Elektronik, die auch in explosionsgefährdeten Bereichen wie Bohrinseln, Raffinerien oder Chemiefabriken eingesetzt werden kann, muss zusätzlich zu dem erwarteten Nachsteuerverlust von gut zehn Millionen Euro einen weiteren Verlust von rund elf Millionen Euro verkraften, der allerdings nicht aus dem laufenden Geschäft herrührt, sondern aus der steuerlichen Neubewertung von Verlustvorträgen aus der Vergangenheit.

Aktionäre gehen wohl leer aus

Bei einem Umsatz von 268,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr bedeutet dies ein negatives Jahresergebnis von 21,2 Millionen Euro. Per Eilmeldung hat das Unternehmen am Freitagnachmittag über den Verlust informiert. Die Aktionäre werden angesichts dieser Zahlen im laufenden Jahr wohl auf eine Dividende verzichten müssen - das Unternehmen hält sich diesbezüglich allerdings noch bedeckt. Seit Jahresbeginn führt Mathias Hallmann in Waldenburg das Regiment. Finanzvorstand Bernd Marx war vor drei Wochen überraschend aus seinem Amt ausgeschieden.

Schon aus zeitlichen Gründen sei abwegig, dass der plötzliche Abschied von Bernd Marx mit dem zusätzlichen Verlust zusammenhängt, heißt es beim Unternehmen: Sein Abschied sei schließlich bereits vor drei Wochen bekannt geworden, die zusätzliche Belastung des Ergebnisses erst jetzt, weshalb man die eigentlich erst für den kommenden Mittwoch geplante Veröffentlichung der vorläufigen Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vorgezogen habe.

Bilanztechnisch rutschten die Hohenloher damit also noch weiter als erwartet in die roten Zahlen - die Eigenkapitalquote wird damit deutlich unter die 30-Prozent-Marke fallen - zum Ende des dritten Quartals hatte das Eigenkapital 84,4 Millionen Euro betragen, was einem Anteil von 31,5 Prozent an der Bilanzsumme entsprach.

Bisher keine Rückstellungen für Restrukturierung

Mögliche Kosten für die bereits angekündigte weitere Restrukturierung des Technologieunternehmens - Details wollte ein R. Stahl-Sprecher auf Anfrage noch nicht nennen - sind in dem Verlust für das vergangene Jahr in Form von Rückstellungen noch nicht enthalten. "Wir sind auf einem guten Weg", sagte er lediglich.

Dies macht das Unternehmen auch daran fest, dass die operativen Zahlen etwas besser als erwartet waren. Mit einem Umsatz von 70,2 Millionen Euro war das Schlussquartal das umsatzstärkste. Vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten machten die Hohenloher zwischen Oktober und Dezember immerhin kaum noch zusätzliche Verluste. Und bezogen auf das gesamte Jahr 2017 übertraf das Unternehmen seine - allerdings mehrfach nach unten korrigierte Prognose - um 1,5 Millionen Euro.

Beim operativen Ergebnis stand R. Stahl vor außerordentlichen Kosten mit einem Verlust von 5,4 Millionen Euro ebenfalls ein wenig besser da als befürchtet. Der Bestand an Aufträgen, mit dem die Waldenburger ins neue Jahr zogen, lag bei 92,3 Millionen Euro.

Den vollständigen Geschäftsbericht wird R. Stahl voraussichtlich am 27. April veröffentlichen.

Neubewertung

Der zusätzliche Bilanzverlust rührt daher, dass die Verlustvorträge von R. Stahl neu bewertet werden mussten. Verluste können nämlich nur innerhalb von fünf Jahren mit Gewinnen verrechnet werden, was die künftige Steuerlast senkt. R. Stahl konnte offenbar nicht plausibel darlegen, dass innerhalb dieser Frist entsprechende Gewinne zu erwarten sind. Auf die Liquidität hat dies keine Auswirkungen.