Huber-Beschäftigte treten für 24 Stunden in den Streik

Öhringen/Südwesten  Die Metalltarifrunde geht in die nächste Eskalationsstufe. Öhringer Beschäftigte sind seit Dienstagabend beim Arbeitskampf Teil der Vorhut in Land und Bund.

Von Manfred Stockburger

 

In den Vorgärten bei der Fabrik des Blechverpackungsherstellers Huber Packaging nahe des Öhringer Stadtzentrums blühen die Schneeglöckchen, auch die ersten Primeln zeigen sich schon. Vor dem Werkstor herrscht aber eher Eiszeitstimmung: Um 22 Uhr hat dort am Dienstagabend der erste 24-Stunden-Warnstreik der Tarifrunde in der Metallindustrie im Land begonnen.

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Rote Gewerkschaftsfahnen wehen, Streikposten stehen an den Eingängen – und zum planmäßigen Schichtbeginn gibt es vor dem Haupteingang Schalmeienklänge. Das dumpfe Rumpeln der Metall-Pressen, das kurz davor noch aus dem Firmengebäude drang, ist vorbei. 24 Stunden lang stehen die Maschinen still. Aber ruhig ist es dennoch nicht. Gewerkschaftssekretär Arno Siebert hat ein Megafon aufs Dach des Gewerkschaftsautos gestellt. Ein 35-Stunden-Woche-Aufkleber erinnert an den bitteren Streik in 1980er Jahren, mit dem die Gewerkschaft die Arbeitszeitverkürzung auf den Weg brachte.

Umstrittener Zuschuss

Dieses Mal geht es neben einem Gehaltsplus erneut um die Möglichkeit, weniger zu arbeiten – die Beschäftigten sollen nach dem Willen der Gewerkschaft ihre Wochenarbeitszeit temporär auf bis zu 28 Stunden reduzieren können. Ohne Lohnausgleich, aber mit einem Zuschuss, wenn die Mitarbeiter zum Beispiel Kinder oder Eltern pflegen müssen. Für die Metall-Arbeitgeber kommt das nicht infrage. Vergangenes Wochenende wurden die Verhandlungen deswegen abgebrochen. Statt stundenweiser Warnstreiks gehen die Beschäftigten deswegen nun tageweise auf die Straße.

„Die Ampel steht jetzt auf Gelb“, ruft Arno Siebert ins Megafon. Auf die Huber-Belegschaft kann er sich verlassen – bereits der vierte Warnstreik der aktuellen Runde sei es, sagt er. „Ihr seid einfach extraklasse.“ Sollten die Arbeitgeber weiter blockieren, warnt Siebert, dann werde es Flächenstreiks geben.

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Alles ist bestens vorbereitet, es gibt warme Getränke, ein Feuerkorb ist vorbereitet, an dem sich die Nachtwache vor dem Fabriktor wärmen kann. Kurz vor dem Beginn des Streiks bespricht sich Uwe Bauer nochmals mit der Geschäftsführung von Huber Packaging, und auch mit dem regionalen Südwestmetall-Geschäftsführer Rolf Blaettner sucht er den Dialog.

Dass der eigentlich für Mittwoch angekündigte Streik bereits mit der Nachtschicht am Dienstag begann, „hat mich etwas überrascht“, sagt Blaettner. „Aber 24 Stunden sind 24 Stunden.“ Zusammen mit einem Mitarbeiter ist Blaettner vor Ort, „um nach dem Rechten zu schauen“, wie er es formuliert.

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Abends bleibt es ruhig, am Morgen wird es zeitweise laut: Etwa 20 Mitarbeiter, laut Bauer vor allem Angestellte und der eine der andere Leitende, versuchen an den Streikposten vorbeizukommen. „Gegen 250 hatten die keine Chance“, sagt Bauer. Gemeinsam mit dem Management habe man die Situation wieder deeskaliert bekommen. „Da muss man dem Arbeitgeber ein Kompliment machen.“ Einschließlich der vereinbarten Notbesetzung seien nur rund 25 Beschäftigte an ihren Arbeitsplätzen, sagt der Gewerkschafter

Die Maschinen stehen also weiter still, Strohballen versperren den Weg zum Eingang. Das Wetter fühlt sich mittags nochmals frühlingshaft an, die Meteorologen sagen für die kommenden Tage aber kältere Temperaturen voraus. Ob das dazu führt, dass die Tarifparteien am Verhandlungstisch zusammenrücken? Öffentlich wollen sich Bauer und Blaettner zu diesem Thema nicht äußern. Bis dahin stehen den Metallern auf alle Fälle einige kalte Tage ins Haus.

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