Firma Arnold sieht Wandel in der Autobranche als Chance

Forchtenberg/Dörzbach  Der Schraubenlieferant für die Autobranche liefert auch an Tesla und vermehrt an Kunden in Asien. Das Werk Dörzbach wird erweitert.

Von Manfred Stockburger

Firma Arnold sieht Wandel in der Autobranche als Chance

Bald werden bei Arnold in Dörzbach wieder die Bagger rollen: Der Schraubenhersteller baut seinen Standort im Jagsttal weiter aus. Als nächstes entsteht dort eine Härterei, in der die dort gefertigten Schrauben wärmebehandelt werden sollen. Das Investitionsvolumen beträgt etwa 10,5 Millionen Euro. Bereits nächstes Jahr soll dann eine weitere Produktionshalle gebaut werden − an die 50 Millionen Euro stehen für 2018 in der Investitionsplanung.

Auch am Traditionsstandort in Forchtenberg-Ernsbach wird gebaut − dort produziert die Würth-Tochterfirma komplexere Umformteile. "Wir brauchen nicht mehr vom Gleichen", erklärt Geschäftsführer Gert-Thomas Höhn, "wir müssen uns vom Markt differenzieren." Der Blick in die Kundenliste zeigt nämlich: Unverändert liefert das Unternehmen vor allem in die Automobilbranche − und dort mangelt es bekanntlich nicht an Herausforderungen. "Da verändert sich unheimlich viel", sagt sein Geschäftsführerkollege Dirk Döllner − etwa durch den abnehmenden Anteil an Verbrennungsmotoren.

Wichtige Neukunden

Höhn und Döllner arbeiten daran, das Hohenloher Traditionsunternehmen auf diesen Wandel vorzubereiten. Schon vor zehn Jahren haben sie ein Werk in China gegründet, das mittlerweile 275 Mitarbeiter beschäftigt und im vergangenen Jahr einen Umsatz von 20 Millionen Euro erwirtschaftet hat. Mit Hyundai und Toyota hat Arnold in Südkorea und Japan vergangenes zwei wichtige Neukunden gewonnen. Aus Shenyang beliefern die Hohenloher auch FAW, den chinesischen Jointventurepartner von Audi. In den USA ist die Produktion im vergangenen Jahr ebenfalls angelaufen. Zuvor war der dortige Standort eine Vertriebsniederlassung.

Aber nicht nur geografisch ist das Unternehmen auf dem Weg zu neuen Ufern: Arnold bietet spezielle Produkte für den Leichtbau an. Wenn verschiedene Materialien vom hochfesten Stahl über Aluminium bis hin zu faserverstärkten Kunststoffen zusammenhalten sollen, braucht es neuartige Verbindungstechniken.

Mehrere Systeme haben die Hohenloher hier entwickelt, unter anderem Flex-Weld: Dabei werden Stahlnieten in ein Aluminium Teil eingestanzt, die dann mit Stahlteilen verschweißt werden. Beim aktuellen VW Passat kommt diese Technik zum Einsatz − laut Arnold spart das alleine bei der Hutablage ein Kilogramm Gewicht. Auch bei Audi in Neckarsulm kommt Arnold-Systemtechnik zum Einsatz.

Ideen für die Zukunft

Firma Arnold sieht Wandel in der Autobranche als Chance

Nicht nur bei der Karosserie ist der Leichtbau für neue Anbieter wie Tesla oder Faraday Future interessant, sondern auch bei der Batteriefertigung. "Da gibt es schon konkrete Projekte", sagt Höhn. Bei Tesla sind Arnold-Schrauben seit 2014 im Serieneinsatz, an Entwicklungen für Daimler und VW sind sie ebenfalls beteiligt. "Unser Knowhow wird gerne angenommen", freut sich Gert-Thomas Höhn über die Resonanz. Ideen für die Zukunft hat das Unternehmen natürlich auch: Wie etwa wäre es, wenn eine Schraube zugleich zur Stromleitung verwendet würde? "Wir sehen die Elektrifizierung überwiegend als Chance", sagt Höhn. Die Vorgabe ist klar: "Wir wollen schneller wachsen als der Markt."

Bis 2020 soll der Umsatz schließlich 300 Millionen Euro betragen, fürs laufende Jahr stehen 221 Millionen Euro im Plan, im ersten Halbjahr war das Wachstum bei fast zehn Prozent. Auch die Mitarbeiterzahl wächst weiter − auch in Hohenlohe. In der Gruppe waren es zuletzt 1175 Beschäftigte, davon 464 im Stammwerk in Ernsbach und 347 in Dörzbach. Mit den zusätzlichen Hallen entstehen an den heimischen Standorten in Hohenlohe neue Stellen.