Direkt an der Autobahn: Würth investiert in die Logistik

Künzelsau  Ein geplanter 60-Millionen-Euro-Neubau im Gewerbepark Hohenlohe soll bis Ende 2019 mehrere Außenläger ersetzen.

Von Manfred Stockburger

Direkt an der Autobahn: Würth investiert in die Logistik
Baustellenlogistik wird immer wichtiger für Würth. Deswegen plant der Handelskonzern für nächstes Jahr eine eigene Baustelle − im Gewerbepark Hohenlohe.. Foto: Würth

Das Carmen-Würth-Forum neben der Würth-Zentrale in Künzelsau-Gaisbach ist kurz vor der Vollendung, das nächste Großprojekt des Hohenloher Handelskonzerns steht aber schon kurz bevor: Direkt an der Autobahnausfahrt Kupferzell an der A6 soll bis Herbst 2019 für mehr als 60 Millionen Euro einschließlich Grundstückskosten auf einem knapp zwölf Hektar großen Grundstück ein weiteres Logistikzentrum entstehen.

Anders als beim letzten Logistikprojekt in Gaisbach, dem sogenannten Vertriebszentrum West, das vor ziemlich genau vier Jahren eingeweiht wurde und die Kapazität in etwa verdoppeln sollte, geht es dieses Mal vor allem um die Verbesserung der Servicequalität. Neben Produktqualität und Preis wird dieser Faktor für die Branche immer wichtiger.

Erster Abschnitt, weitere sollen folgen

Um Verbesserungen zu erreichen, sollen mehrere Außenläger, die aktuell im Umkreis von etwa 80 Kilometern um Künzelsau stehen, auf 46 300 Quadratmetern unter einem Dach in einem zentralen Außenlager zusammengefasst werden. Dort werden Produkte umgeschlagen, die nicht in die hoch automatisierten Abläufe des Vertriebszentrums West passen - etwa weil sie zu groß und sperrig sind oder auch Gefahrgüter. In einem zweiten Bauabschnitt könnte an der Autobahn auch ein Hochregallager dazukommen.

Mit dem neuen Lager möchten Norbert Heckmann, der Chef der Gaisbacher Adolf Würth GmbH & Co KG, und sein Logistik-Geschäftsführer Thomas Wahl dem Unternehmen neuen Vorsprung in Sachen Kundennähe verschaffen. "Würth hat in der Logistik immer wieder neue Standards gesetzt", sagt Heckmann. "Das werden wir wieder tun."

Kundenerwartungen sollen übertroffen werden 

In erster Linie sparen die Hohenloher mit dem Neubau Zeit - damit können Pakete schneller zu Kunden geschickt werden. Vor allem bei größeren Kunden sei es wichtig, dass die Bestellungen möglichst kompakt angeliefert werden. Müssen einzelne Teile dafür aus weit entfernten Außenlägern erst nach Gaisbach gebracht werden, verzögert sich der Versand insgesamt. "Es geht also nicht darum, die Kosten zu optimieren, sondern Kundenerwartungen zu übertreffen."

Für Thomas Wahl, der vor einigen Jahren von Kaufland zu Würth wechselte, ist nämlich klar: "Neben Vertrieb ist auch die Logistik eine Kernkompetenz von Würth." Jetzt soll der sogenannte Liefersplit massiv reduziert werden. Teilweise werden die Pakete schon jetzt von Würth-eigenen Fahrzeugen zu den regionalen Verteilzentren der Paketdienste DPD und GLS gefahren, mit denen die Hohenloher in erster Linie zusammenarbeiten, um Zeit zu sparen.

Vereinfacht soll durch den Lagerneubau auch die Baustellenlogistik werden, die für Würth eine immer wichtigere Rolle spielt: Auf Großbaustellen liefern akkreditierte Würth-Mitarbeiter die Sendungen an die Handwerker aus - dort wo die Ware gebraucht wird. Für normale Paketdienstfahrer seien solche Sonderaufgaben nur schwer erfüllbar. Um einen solchen Service wirtschaftlich anbieten zu können, muss die Ware so verfügbar sein, dass die Würth-Fahrer keine unnötigen fahrten machen müssen, erklärt Heckmann. Das Umsatzvolumen der AWKG mit Baustellenware beziffert er auf etwa 250 Millionen Euro.

Punktgenaue Belieferung als Ziel

Eine möglichst punktgenaue Belieferung wird auch dadurch wichtig, dass ein zunehmender Anteil der Würth-Kunden gar kein eigenes Lager und keine Werkstatt mehr unterhält. "Da ist der weiße Sprinter die Firmenadresse", erklärt Norbert Heckmann - keineswegs seien das nur kleine Ein-Mann-Betriebe. "Unsere Kundenlandschaft wird heterogener."