Die Firma zum Wohlfühlen

Hohenlohe  Der Bekleidungshersteller Hakro aus Schrozberg im Landkreis Schwäbisch Hall ist trotz seines besonderen Engagements für seine Mitarbeiter erfolgreich. Oder vielleicht gerade deshalb?

Von Heiko Fritze

Die Firma zum Wohlfühlen

Im Versandlager von Hakro ist der Raum schon wieder zu eng geworden. Gerade wird eine Erweiterung beim Hersteller von Firmen-Oberbekleidung hochgezogen.

Hakro

Was das wohl alles gekostet haben mag? Die Kantine im Logistikzentrum erinnert mit ihren Riesen-Couchgarnituren fast schon an ein Wohnzimmer, in der Verwaltung gibt es mehrere Bars, original mit Dämmerlicht, Barhockern und Tresen, die Möbel selbst an den Azubi-Plätzen sind hochwertig, die Wände überall geschmackvoll dekoriert, man geht auf feinem Teppich oder gleich auf Parkett und die Toiletten selbst im Hochregallager haben ein Niveau, das sonst nur auf den Vorstandsetagen von Dax-Konzernen oder Landesbanken anzutreffen ist.

Und doch steht Hakro gesund da: Das Unternehmen ist auf steilem Wachstumskurs, Umsatz und Ertrag stimmen, es wird erweitert und eingestellt.

Diejenige, die das zu verantworten hat, ist für die meisten Mitarbeiter schlicht "die Carmen": Carmen Kroll ist 1999 in die Unternehmensleitung eingestiegen und hat sie 2003 von ihren Eltern ganz übernommen. Harry Kroll hatte sich vor exakt 50 Jahren mit einem Bekleidungsgeschäft in Schrozberg selbstständig gemacht und die Firma 1969 ins Handelsregister eintragen lassen. Bald hatte er mehrere Filialen in der Umgebung − doch als sich abzeichnete, dass sich der Einzelhandel auf dem flachen Land auf die zentralen Orte konzentriert, sattelte er um: 1987 machte er aus der kleinen Abteilung für T-Shirt-Bedruckung sein Hauptstandbein und nahm Textilherstellung und -großhandel hinzu.

Die Firma zum Wohlfühlen

Mit dem Einstieg seiner Tochter wurde die Konzentration auf Herstellung und Vertrieb hochwertiger Firmenoberbekleidung fortgesetzt. Heute finden sich Shirts, Pullover und Jacken von Hakro in vielen Branchen − bei Rettungsdiensten, in Bäckereien, Autofabriken oder Apotheken. Zu erkennen sind sie nur am Etikett an der Seite − Aufdruck oder Stickerei liefern die Hakro-Kunden, von denen die Rohware verkauft wird.

Ware in einem Outlet erhältlich, nicht im Einzelhandel

"Unsere Artikel gibt es nicht im Einzelhandel", macht Prokurist Danny Jüngling klar. Nur in einem Outlet in Schrozberg sind sie auch im Laden erhältlich. Aber in einschlägigen Onlineshops würden Suchende fündig − dort stammt die Ware ebenfalls von den angestammten Großhändlern, nicht aus Schrozberg selbst.

Ehrlichkeit, Vertrauen, Aufrichtigkeit und Nachhaltigkeit − wer mit Carmen Kroll redet, bekommt rasch ein Gespür für das, was die Firma besonders macht. Und wer einfach nur zuschaut, noch mehr. Für die Geschäftsführerin ist ihr Betrieb nicht bloß ein Familienunternehmen, sie betrachtet ihre Mitarbeiter quasi als Familie. Da werden Angestellte schon mal umarmt, fast alle duzen sich, und wenn der Prokurist auf einen langjährigen Kollegen trifft, ähneln die Begrüßungsrituale jenen in einer Jugendclique.

Man kennt sich, man schätzt sich, man vertraut einander. "Im Prinzip sind es ja die guten alten Kaufmannstugenden", sagt Carmen Kroll. "Wir leben sie einfach." Daher werde den drei Stamm-Produzenten in der Türkei, in Bangladesch und in Laos ein wenig mehr gezahlt, als es Massenhersteller sonst tun. Zwar gehen die bestellten Stückzahlen auch bei Hakro in den sechs- bis siebenstelligen Bereich, aber Carmen Kroll hat festgestellt, dass sie dennoch konkurrenzfähig ist: "Wir erhalten dafür auch höherwertige Ware, die länger hält, gerade unter täglicher Beanspruchung am Arbeitsplatz."

Umsatzsteigerung im Vergleich zu den Vorjahren

Nach wie vor ist Deutschland Hauptmarkt des Unternehmens. Besonders stark wuchs zuletzt das Geschäft in der Schweiz, auch in Österreich und den Niederlanden ist das Unternehmen aktiv und streckt gerade die Fühler nach Dänemark aus. Der Umsatz hat jedenfalls deutlich zugelegt: Für 2015 wurden noch 62 Millionen Euro gemeldet, 2016 waren es schon 73 − und dieses Jahr werden die 80 Millionen geknackt, ist sich Carmen Kroll schon sicher.

Diese Entwicklung lässt sich auch vor Ort erkennen: Die Belegschaft ist in diesen zwei Jahren von 125 auf 155 gestiegen. Und während das Verwaltungsgebäude gerade energetisch saniert wurde, steht der dritte Bauabschnitt des Logistikzentrums am Ortsrand vor der Vollendung. Im April soll er fertig sein, sagt die Geschäftsführerin. Denn die bestehenden Hochregallager platzen schon wieder aus allen Nähten. Und trotzdem nimmt sich die Chefin Zeit für Details und berücksichtigt den Umweltgedanken: Als Ausgleich für die Logistik-Erweiterung ließ sie 4200 Bäume pflanzen.

Ziel: Nachhaltigkeit

Das große Ziel von Hakro drückt sich übrigens nicht in Umsatz, Stückzahlen oder Marktanteilen aus. Im Jahr 2020, sagt Carmen Kroll, will sie vor allem eines der nachhaltigsten Textilunternehmen Deutschlands sein. Denn dass auch Bio-Baumwolle von den Kunden angenommen wird, beweise ja die erst vor wenigen Monaten eingeführte Bio-Linie. Bei Hakro soll es aber noch weiter reichen: "Bis hin zum Materialverbrauch und dem Fuhrpark", sagt die Geschäftsführerin. "Wir wollen ein gesundes, faires Wachstum. Und wir machen's einfach. Das läuft nicht so nebenher."

Aber es ist nicht nur das Umwelt-Engagement. Gerade das Rundum-Programm für die Mitarbeiter, von der Einrichtung bis zu Schulungen und Anreizsystemen, hebt das Unternehmen offenbar hervor, trotz der Lage mitten im hohenlohischen Agrarland. Und das wird auch so bleiben. "Nach Schrozberg kommt eigentlich keiner", sagt Carmen Kroll. "Wenn schon jemand hierher soll, dann muss man es ihm auch ein bisschen schön machen."