Zwist erlaubt seltene Einblicke in den R. Stahl-Clan

Kampfabstimmung zwischen Familienmitgliedern bei der Aufsichtsratswahl des Hohenloher Technologieunternehmens

Von Manfred Stockburger

Viel Lob für die Mitarbeiter: Umsatz und Gewinn sind stark gestiegen.Foto: R. Stahl
Neuenstein - Kein Wunder waren Heike Dannenbauer und Peter Leischner bei der Hauptversammlung der Waldenburger R. Stahl AG nervös: Schließlich ist es selten genug, dass bei der Wahl zum Aufsichtsrat Gegenkandidaten aufgestellt werden. Da ist ein Zittern in der Stimme nicht weiter verwunderlich.

Dass diese wie am Freitag in der Neuensteiner Stadthalle auch noch aus demselben Kreis der Familienaktionäre kommen, hat höchsten Seltenheitswert. Am Ende haben sich die 38-jährige Stage-Managerin und der 43-jährige Unternehmensberater – sie sind übrigens Ur-Ur- respektive Ur-Ur-Urenkel des Firmengründers Raphael Stahl – mit großen Mehrheiten durchgesetzt: Die Vertreter der nächsten Generation der Familien-Aufseher erhielten 87 Prozent der Stimmen. Gegenkandidat Gerold Schmidt, der dem Aufsichtsrat bislang angehörte, brachte 18 Prozent der Aktionäre auf seine Seite. Hans-Volker-Stahl, als Aufsichtsratsvorsitzender quasi das Familienoberhaupt, wurde mit 99,8 Prozent bestätigt. Die durch ein Pooling-Abkommen gebundenen Familienaktionäre halten 54 Prozent der Anteile.

Der Familienzwist erlaubte den Teilnehmern der Hauptversammlung einen seltenen Einblick in die tatsächliche Führungsstruktur des Technologie-Unternehmens: „Ich habe viel im Konsortium mitgearbeitet“, warb Dannenbauer um die Stimmen der Aktionäre. In dem inoffiziellen Familienaufsichtsrat habe sie „viel bewegt und viel erreicht“. Sie sprach sich für ein „stabiles Konsortium“ aus – und für Wachstum „nicht um jeden Preis“. Die Konsorten hätte ihre Kandidatur – wie auch die Leischners – mit großer Mehrheit unterstützt.

Dagegen gehalten hat eine von Axel Zaiser angeführte Gruppe, die sich „freie Familienaktionäre“ nennt – zu Wort meldeten sich die Vertreter dieser Gruppe aber nicht. In ihrem Gegenantrag hatten sie auch die Wiederwahl eines zweiten, altgedienten Aufsichtsrats gefordert. Der machte während der Versammlung allerdings deutlich dass er nicht als Kandidat zur Verfügung stehe – merkte aber an, dass er den großen Makel habe, kein Ur-Ur-Enkel des Firmengründers zu sein.

Abseits des Familienzwists, den auch die Aktionärsvertreter Herbert Wild (SdK) und Ulrich Gass (DSW) mit Interesse verfolgten, sonnten sich die Vorstände Martin Schomaker und Peter Völker in ihren Erfolgen. Mit viel Lob für den Geschäftsverlauf gingen sie nach Hause. Lediglich die kritischen Fragen des Aktionärs Peter Keller holte sie zurück auf den Boden.

Die Aktie steht übrigens bei 35 Euro und damit auf dem Niveau des vergangenen Herbstes. Auch das ist in diesen Tagen eine Seltenheit.