Thiede hinterlässt Schuldenberg in Millionenhöhe (05.02.2010)

Von Hagen Stegmüller


Öhringen - Die Abfallberge in Neu-Kupfer ragen noch immer gen Himmel, in Öhringen stapelt sich sogar Sondermüll. Doch das Chaos, das die insolvente Recycling-Firma Thiede in Öhringen und Kupferzell hinterlassen hat, lichtet sich allmählich. Der Heilbronner Insolvenzverwalter Jochen Horch hat Zahlen vorgelegt. Zugleich gibt der Entsorger Kurz aus Ludwigsburg bekannt, dass er einen Teil des Firmengeländes in Öhringen übernehmen wird.

Fahrzeuge verkauft

„Die Gläubiger der Thiede Recycling GmbH haben insgesamt Forderungen in Höhe von 8,5 Millionen Euro angemeldet“, sagte Insolvenzverwalter Jochen Horch am Freitag auf HZ-Anfrage. Die größten Gläubiger seien die Banken. Auf Geld warten aber auch das Finanzamt Öhringen, Kranken- und Rentenkassen sowie 50 ehemalige Angestellte, die monatelang keinen Lohn mehr bekamen.

Weiter geht es mit Gewerbebetrieben, denen Thiede Wertstoffe wie Metall und Kartonagen vom Hof geholt, aber nicht mehr bezahlt hat. Auch andere Entsorger, deren Dienste die Firma Thiede in Anspruch genommen hat, werden weitgehend leer ausgehen. Den 8,5 Millionen Euro an Verbindlichkeiten stehen bislang 400.000 Euro gegenüber, die der Insolvenzverwalter aus der Veräußerung von Thiede-Altfahrzeugen und Containern erzielt hat.

In die Abwicklung des Schuldendesasters mischt sich nun eine neue Nachricht. Der Entsorger Kurz hat von der ehemaligen Geschäftsführerin Astrid Thiede das Firmengelände am Öhringer Zeilbaumweg gekauft. Die Heilbronner Recycling-Firma RUZ muss weichen, sie hatte den Platz seit mehr als einem Jahr gemietet. Spätester Übergabetermin ist der 31. März.

Kurz wird den Standort Öhringen als Sprungbrett nutzen, um den Markt in Hohenlohe und Schwäbisch Hall zu beackern. „Wir sehen uns auch als Dienstleister für Landkreis und Gemeinden“, sagt Kurz-Prokurist Martin Breitenberger. Wenn in einigen Jahren die Verträge für Hausmüll- und Wertstoffabfuhr neu ausgeschrieben werden, will Kurz mitbieten. Zunächst geht es für den Entsorger aber darum, möglichst viele Kunden aus Industrie, Gewerbe und Handel zu gewinnen.

Schutz der Anwohner

Den verlotterten Standort im Öhringer Zeilbaumweg will Kurz für einen sechsstelligen Betrag sanieren. Für das Thiede-Gelände in Kupferzell hatte sich der Entsorger auch interessiert, allerdings stellte sich die Gemeinde quer. Sie hat über dem Gebiet eine Veränderungssperre erlassen mit dem Ziel, Recycling-Betriebe von einer Ansiedlung abzuhalten. So sollen die Anwohner vor Lärm und Staub geschützt werden.

Thiede in Öhringen

Das Thiede-Gelände in Öhringen umfasst zwei benachbarte Adressen im Zeilbaumweg und in der Gleiwitzer Straße. In den Zeilbaumweg zieht Kurz ein, die Zukunft der Gleiwitzer Straße ist ungewiss. Im Zug der Thiede-Pleite blieben hier tonnenweise Folien und Sondermüll liegen.

Thiede in Kupferzell

Das zugemüllte Gelände in Neu-Kupfer soll bald geräumt werden. Der Insolvenzverwalter wird sich nach eigenen Angaben an der Entsorgung mit maximal 100.000 Euro beteiligen. Wird es teurer, muss wohl das Land einspringen. Eine erste Kostenschätzung lag bei 200.000 Euro.




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