Blechteile aus Bretzfeld zieren den Burj Chalifa

Von Daniel Völpel

 Bildergalerie: Burj Chalifa Dubai
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Bretzfeld - Auch was ganz hoch hinauf strebt, stammt bisweilen aus kleinen Ursprüngen ­ wie die Fassade des höchsten Gebäudes der Welt: 20.000 Bleche für die Verkleidung der Geschoss-Stirnseiten des Burj Chalifa in Dubai lieferte die Firma Strukturmetall aus Bretzfeld. In rund zweijähriger Arbeit prägten die Mitarbeiter die Edelstahlteile auf einer einzigen Maschine.

Größter Auftrag

Wenn Helmut Baumgartl von seinem Anteil am Burj Chalifa“ erzählen soll, muss er nachdenken. Bereits seit einem Jahr ist für den Geschäftsführer des 30-Mitarbeiter-Betriebes der bislang größte Auftrag in der 20-jährigen Firmengeschichte abgehakt. So etwa vor vier Jahren sei es gewesen, dass ein Handelspartner aus dem Nahen Osten die Anfrage für eine Lieferung von mehr als 300 Tonnen Edelstahlblechen an den 48-Jährigen richtete. „Wir wussten nur: Es geht um eine Fassade“, erinnert sich Baumgartl. Zwar besteht die Hülle des 828 Meter hohen Wolkenkratzers größtenteils aus Glas. Aber ein Fünftel der Außenhaut sollte mit Blechen verziert werden. Baumgartl unterbreitete ein Angebot mit hochwertigem Edelstahl 1.4404, der Wüstenbedingungen standhält.


Die Auftraggeber aus dem Golfemirat zeigten Interesse. Verantwortliche der Baustelle und des Fassadenbauers reisten nach Deutschland. Für sie ließ der Firmenchef ein Muster produzieren: Ein 1,5 Millimeter dünnes Blech erhielt die Prägung „5WL“, die an langgezogene Tropfen erinnert. Die etwa 2,5 mal 1,5 Meter großen Stücke werden dadurch geringfügig dicker, vor allem aber deutlich steifer. Mit dem Anschauungsstück im Gepäck flogen die Unterhändler des Scheichs zurück.

Geheimhaltung

An die Oberfläche stellten die Bauherren besondere Anforderungen: „Der Turm soll scheinen, aber nicht spiegeln. Sonst werden Flugzeuge geblendet“, erklärt Baumgartl. Sein Muster überzeugte und Strukturmetall erhielt den Auftrag mit einem Volumen von etwa zwei Millionen Euro. Ganze 100 Seiten umfasste der englischsprachige Vertrag. Er verpflichtete das kleine Unternehmen nicht nur zu Konventionalstrafen von 10.000 Euro Euro wöchentlich bei Lieferschwierigkeiten, sondern auch zur Geheimhaltung bis zur Eröffnung des „Burj Chalifa“.

„Wenn unsere Maschine ausgefallen wäre, hätten wir Stress bekommen“, sagt Baumgartl. Manche Ersatzteile für die Walzstraße hätten Lieferzeiten von mehr als einem Jahr. Eine Firma in den USA wäre in diesem Fall eingesprungen, der Auftrag für die Hohenloher aber flöten gewesen. Da Strukturmetall pünktlich zum Baufortschritt liefern musste, aber nicht klar war, wie rasch der Turm in die Höhe wächst, musste Baumgartl den gesamten Rohstahl auf einmal einkaufen. Noch heute flößt ihm das Projekt Respekt ein: „Das ist für einen Geschäftsführer eine ganz andere Dimension. Mit einem solchen Auftrag kann man eine Firma auch an die Wand fahren.“

Sein Lob gilt der Belegschaft, die sich anfangs auch samstags an die 20 Meter lange Prägemaschine stellte. „Man ist schon ein bisschen stolz, was man geleistet hat“, bestätigt Maschinenführer Franc Sonnenburg. „Das war ja ein Riesenauftrag.“ Pro Jahr macht die eigenständige Tochter der niederländischen MCB-Gruppe nach Baumgartls Angaben rund 20 Millionen Euro Umsatz.

Maschine modifiziert

Ende 2006 begann für Baumgartl und seine Leute die heiße Phase der Produktion der 20.000 Bleche. „Eines muss aussehen wie das andere, sonst entsteht eine Art Schachbrettmuster“, sagt Baumgartl. Deshalb durfte sich die Prägung der Teile nicht im geringsten unterscheiden. „Wir haben unsere Maschine modifiziert“, berichtet Baumgartl. Die Walzstraße wurde so verbessert, dass sie bis auf einen hundertstel Millimeter genau prägt. Damit nicht genug der Präzision: „Wir haben jedes Blech mit einem teuren Messgerät auf Reflexion und Streuverlust geprüft.“

Anfang 2006 flog Baumgartl selbst nach Dubai. Ein Flugzeugmotor, Wasser und Sand simulierten einen Wüsten-Orkan auf ein 20 mal 30 Meter großes Fassadenstück. Das Blech trotzte dem Sturm. Noch mehrmals war Baumgartl auf der Baustelle des Wolkenkratzers. „Für mich ist das unglaublich zu sehen, was Menschenhand ermöglichen kann.“

Das Geschäft der Strukturmetall GmbH wird sich durch den Auftrag aus dem Emirat nachhaltig verändern. Bislang prägte sie vor allem Bleche für Aufzugverkleidungen, Bäckerei- und Metzgereieinrichtungen oder Teile von Druckerpressen. Nun lässt Baumgartl Fassadenelemente entwickeln, denn: „Wir sind im Gespräch auch mit anderen Architekten.“ Schon bald könnten die glänzenden Bleche aus dem Hohenlohischen also auch mit anderen Prestigebauten in die Höhe wachsen. dpa


Hintergrund: Burj Chalifa

Das mit mehr als 800 Metern höchste Haus der Welt hat mehr als 160 Stockwerke. Das Gebäude verfügt über 57 Aufzüge, die unterschiedliche Bereiche ansteuern. Das Gebäude beherbergt 1044 Appartements, 160 Zimmer und Suiten des Armani-Hotels und 3000 unterirdische Garagenplätze. Nach einer Bauzeit von fünf Jahren, drei Monaten und 15 Tagen waren 31.400 metrische Tonnen Stahl verbaut. Die Fassade zieren 28.261 Glasplatten. Zu Spitzenzeiten waren auf der Baustelle 12.000 Arbeiter beschäftigt, die meisten kamen aus Indien und Pakistan. Ihr Lohn: 2,80 bis 5,60 Euro pro Tag. dpa




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