Beim Gipfeltreffen gibt es Erfolgsrezepte gegen das Weltmarktführersyndrom

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger

Innovation nicht nur auf der Visitenkarte
Gestern Schwäbisch Hall, heute Davos: Bosch-Chef Franz Fehrenbach reiste nach der Auftaktrede beim Weltmarktführer-Gipfel in die Schweiz weiter.Foto: Stockburger 
Schwäbisch Hall - Selbstüberschätzung? Reinhold Würth spricht beim Eröffnungsabend des Kongresses in Schwäbisch Hall sogar von einem "Weltmarktführersyndrom". Auch Professor Bernd Venohr, der geistige Vater des Weltmarktführerhypes und Mitveranstalter des Kongresses, bremst die Euphorie: "Langfristiger Erfolg ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme." Auch in der Insolvenzstatistik schneiden seine Weltmarktführer kaum besser ab als der Rest der deutschen Wirtschaft, hat er herausgefunden.

Geschwindigkeit

Venohr hat auch einen Grund dafür ausgemacht: Weil die zunehmende Größe häufig dazu führe, dass sich die Unternehmen vom Markt entfernen. Zugleich unterschätzen sie das Tempo, mit dem sich Märkte ändern − Kodak, Blackberry und Nokia dienen als Stichwortgeber. "Wir wollen die Firmen etwas alarmieren. Und neue Ideen mitgeben." Durch das große Interesse an der Tagung, die mit 300 Teilnehmern ausgebucht ist, sieht sich auch Mitveranstalter Walter Döring in dieser Absicht bestätigt.

Nicht nur auf dem Podium sind Hochkaräter, auch im Publikum. Aus der Region etwa Albert Berner, Gerhard Sturm (EBM-Papst) und Karl Schäuble (Illig), angekündigt haben sich auch Hartmut Jenner von Kärcher und Rainer Opferkuch von Huber in Öhringen: Schwäbisch bleibt die meistgesprochene Sprache bei den Weltmarktführern.

Recycling

Nicht Selbstbeweihräucherung und die leichten Themen dominieren das Programm − im Gegenteil. Ines Kolmsee, die Vorstandschefin des S-Dax-Konzerns SKW Metallurgie, fordert etwa, dass sich der Staat auf die Schaffung von Rahmenbedingungen begrenzt, wenn es um die Rohstoffversorgung geht. "Wird er unternehmerisch tätig, geht das meistens schief." Kolmsee favorisiert das Recycling etwa der seltenen Erden: "Je mehr ich davon recyceln kann, umso geringer ist die Abhängigkeit von politischen Bedingungen im Ausland." Am Ende zählt aber der Preis: Recycling-Magnesium, erzählt die Fachfrau, sei immer noch teurer als neues Material, obwohl auch bei diesem Metall 95 Prozent der Quellen in China liegen. Deutschland könne beim Recycling noch einen Schritt weitergehen.

Für Festo-Chef Eberhard Veit ist Innovation der Schlüssel zum Erfolg. "Aber nicht nur bei denen, die das Wort Innovation auf der Visitenkarte haben", betont er. Der Begriff müsse neu definiert werden. Nicht nur die Technik, auch die Software muss stimmen, also die Schnittstelle zum Benutzer. Stichwort Apple.

Ausbildung

Was aber bleibt für den Standort Deutschland, wenn die Globalisierung immer weiter voranschreitet? "Die Messlatte ist hoch", sagt Venohr. Veit macht aber klar, dass Festo ohne Deutschland letztes Jahr den Umsatzsprung um 20 Prozent nicht geschafft hätte. "Je mehr man im Ausland unterwegs ist, umso mehr schätzt man das Ausbildungsniveau der Arbeiter in Deutschland", ergänzt Kolmsee. Der Kongress geht heute zu Ende.




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