Amerikaner kaufen Stahl Cranesystems

Künzelsau  Die Columbus McKinnon Corporation wird den Künzelsauer Kranhersteller Stahl übernehmen. Das ist heute Vormittag bekannt geworden.

Von Manfred Stockburger

Das an der Nasdaq börsennotierte Unternehmen mit Hauptsitz in Getzville im US-Bundesstaat New York bezahlt zwischen 224 und 230 Millionen Euro für die Künzelsauer Firma mit rund 600 Beschäftigten. Außerdem übernimmt der neue Eigentümer Pensionsverpflichtungen in Höhe von rund 74 Millionen Euro.

Bei einer Betriebsversammlung werden die Mitarbeiter am Nachmittag über die Details der Transaktion in Kenntnis gesetzt.

Columbus McKinnon – das Unternehmen arbeitet mit der Marke CM – zählt schon bisher zu den weltweit größten Entwicklern, Herstellern und Vertreibern von Kransystemen.

Der neue Eigentümer des Hohenloher Unternehmens blickt auf eine 140-jährige Geschichte zurück. Der Umsatz von Stahl im laufenden Jahr soll den Angaben zufolge rund 135 Millionen Euro betragen. 

Grund für den Verkauf durch den finnischen Konecranes-Konzern war eine Kartellauflage der Europäischen Kommission. Die Finnen wollen vom Wettbewerber Terex die Hafenkransparte übernehmen. Die EU-Kommission muss dem Verkauf noch zustimmen, sie war allerdings in das Bieterverfahren involviert gewesen.

Neben den Amerikanern waren auch der japanische Kito-Konzern und ein französisches Unternehmen im Rennen.

Europazentrale 

Die Europazentrale des künftigen Eigentümers steht in Wuppertal, sie wurde 2013 für rund 13 Millionen Euro gebaut. Die Columbus McKinnon Industrial Products GmbH beschäftigt rund 370 Mitarbeiter, weltweit zählt der Konzern über 2.500 Mitarbeiter an 43 Standorten und Niederlassungen in 17 Ländern.

In Deutschland bietet Columbus McKinnon unter den  Marken Yale und Pfaff-silberblau standardisierte Hebezeuge und Fördertechnikprodukte an.

Geschichte: Vom Komplettanbieter zum hoch profitablen Komponentenhersteller

Bis 2005 war die Künzelsauer Stahl Crane Systems GmbH die Fördertechnik-Sparte der Waldenburger R. Stahl AG. Vor der Übernahme durch den finnischen Konecranes-Konzern waren die Künzelsauer Komplettanbieter von Industriekränen, wie sie in Fertigungshallen zum Einsatz kommen. Ein Schwerpunkt ist wie bei der R. Stahl AG die Produktion von Komponenten, die auch in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden können.

Die Finnen haben das Hohenloher Unternehmen umgebaut vom Komplettanbieter in einem hoch profitablen Komponentenhersteller, der in erster Linie Seil- und Kettenzüge produziert. In der Fabrik bei der Künzelsauer Hofratsmühle sind aktuell etwa 550 Mitarbeiter beschäftigt, in neun Vertriebsgesellschaften gibt es weitere 150 Angestellte.

Zusammengerechnet erwirtschafteten sie im vergangenen Jahr einen Umsatz von 145 Millionen Euro, das Künzelsauer Mutterhaus steuerte dazu rund 126 Millionen Euro bei.

Trotz eines Umsatzrückgangs um elf Prozent im vergangenen Geschäftsjahr - explosionsgeschützte Komponenten werden häufig an die Ölindustrie verkauft, die unter dem niedrigen Preis leidet - lag die operative Gewinnmarge bei stolzen 9,7 Prozent, einschließlich eines Beteiligungsgewinns sogar bei 13 Prozent. Mehr als 16 Millionen Euro haben die Hohenloher für das vergangene Geschäftsjahr an den Mutterkonzern überwiesen.

Auf dieses einträgliche Geschäft müssen die Finnen künftig verzichten - auf diese Weise möchte die EU-Kommission erreichen, dass der Wettbewerb auf den Märkten für elektrische Ketten- und Seilzüge auf europäischer und nationaler Ebene intensiv bleibt. Verbraucher in Deutschland und Frankreich hätten Bedenken gehabt, dass es bei elektrischen Ketten- und Seilzüge Preiserhöhungen gegeben hätte. mfd