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Und die Region bewegt sich manchmal doch
Von Uwe Ralf Heer
Populistisch kann man leicht sagen: Die neue Holding der acht Kliniken in der Region bringt langfristig gesehen eine Verschlechterung der Versorgung. Vor allem, was die räumliche Nähe der medizinischen Angebote anbelangt. Dies betrifft alle Beteiligten - von Gaildorf über Öhringen bis Brackenheim. Auch wenn das der eine oder andere aus politischen Gründen (noch) nicht zugeben will. Hinter den Kulissen liegen die Fakten aber auf dem Tisch. Denn selbst wer heute noch schwarze Zahlen - wie die Hohenloher und die SLK-Kliniken - schreibt, wird dies nach der Gesundheitsreform bald nicht mehr tun können.
Mit einem einfachen Ja oder Nein lässt sich die komplizierte Materie auf dem Gesundheitssektor nicht beurteilen. Ein Festhalten an den Strukturen der Gegenwart beschert eine ungewisse Zukunft. Kostendeckelung, Fallpauschalen, kürzere Verweildauer in den Kliniken und Budgetkürzungen: Nicht mehr jede Klinik wird in der Zukunft alles anbieten können.
Daher steht heute schon fest: Die Zahl der Krankenhaus-Betten im Land wird um 14 Prozent reduziert - bis 2010 fallen mindestens 8000 Betten weg. Von den 270 Krankenhäusern in Baden-Württemberg droht einigen das Aus - Experten rechnen bundesweit sogar mit der Schließung von 20 bis 40 Prozent der Häuser. Wer sich jetzt nicht bewegt, dessen Bevölkerung wird bald mit den daraus resultierenden Blessuren leben müssen.
Niemand ist daher kalt und herzlos, nur weil er den Zusammenschluss der Kliniken in der Region für eine überfällige und richtungsweisende Entscheidung hält. Sicher ist es bedauerlich, wenn sich die Anfahrtswege für Besucher hier und da verlängern werden. Aber ist es nicht beruhigend zu wissen, dass Spitzenmedizin in einer überschaubaren Region erhalten, ja gar ausgebaut wird? Wem hilft es, wenn komplizierte Eingriffe von Ärzten nur noch ab und an gemacht werden? Ist es nicht sinnvoller, man fährt dafür ein paar Kilometer weiter und hat es mit Profis zu tun, für die solche Operationen Routine sind? Dieser Thematik müssen sich Entscheidungsträger stellen - zumal die Patienten schon heute ihre Abstimmung mit den Füßen vollziehen und entsprechende Kliniken einzig nach der Qualifikation und nicht der räumlichen Nähe auswählen.
Jetzt dem Volk nach dem Mund zu reden, wäre fatal gewesen. Die Nachbarn aus Schwäbisch Hall haben das lange genug getan. Nur der Haller Landrat Gerhard Bauer hatte stets erkannt, wie wichtig gemeinsames Handeln ist. Fast schon hatte ihn der Mut verlassen, weil er bei der unsicheren Gemütslage seines Gremiums erneut eine Vertagung der Entscheidung ins Auge fasste. Doch die knappe Mehrheit macht den Weg frei - falls der Hohenlohekreis und die Partner aus Heilbronn die ausgestreckte Hand des Nachbarn auch wirklich ergreifen. Zum Start der Holding wird es zeitlich sicher nicht klappen, zudem fehlt das eingeforderte klare Signal. Dennoch: Das wäre ein fast schon historischer regionaler Schulterschluss. Früher oder später wird er kommen.
Deshalb: Respekt vor der mutigen Entscheidung der Räte in der gesamten Raumschaft. Endlich wird der Regionsgedanke nicht künstlich beschworen, sondern zum Wohle der Bürger umgesetzt. Langfristig wird das Gebiet zwischen Eppingen und Crailsheim von der Holding profitieren. Mut zu nicht immer populären Entscheidungen sollte ruhig häufiger demonstriert werden. Es wird sich sich lohnen.
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