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Mut zu neuer Art der Medizin gemacht
Von Barbara Griesinger
"Sie sind auf dem richtigen Weg", ermutigte Gutachter Dr. Dr. Peter Lohfert gestern die Kreisräte aus Hohenlohe und Schwäbisch Hall wie auch die Haller Diakonie-Mitglieder. Die Machbarkeitsstudie hat ergeben, dass das Konzept für eine kreisübergreifende Zentralklinik goldrichtig ist.
Ein neues Ganzes aus drei Krankenhauskomplexen - Landkreise und Diak könnten beim Klinikstrukturwandel Zeichen setzen. (Fotomontage: M. Lee)
Die Quintessenz der Machbarkeitsstudie lässt sich knapp zusammenfassen: Das Konzept, das die beiden Krankenhausleitungen in Hall und Hohenlohe mit dem Haller Diak ausgearbeitet haben, ist machbar und finanzierbar - und für Peter Lohfert ist es sogar viel mehr:
Es ist "die Chance, eine neue Art der Medizin zu machen." Besonders angetan ist der Mediziner und Architekt in Personalunion vom angedachten Zusammenwirken von Zentralklinik und Klinikportalen. Letztere gewähren mit minimaler Bettenzahl an den Standorten der bisherigen Krankenhäuser (rund 15 Betten pro Standort, im Crailsheimer Portal-Plus 144 Betten) eine wohnortnahe medizinische Versorgung, die kleinere Unfällen, leichtere Erkrankungen behandelt, ambulante Operationen durchgeführt und eine Art Tagesklinikbetrieb einrichtet.
Sie haben aber durch ihre enge Anbindung an die Zentralklinik direkt teil an moderner Medizintechnik, die nur noch in großen Kliniken vorgehalten werden kann. In dieser Zentralklinik (700 Betten) werden Hohenloher Patienten mit schwereren gesundheitlichen Problemen behandelt. So sei individuelle Betreuung auch vor Ort gewährleistet und zugleich an hohe medizinische Kompetenz angeschlossen.
"Sie gehören zu den Vorreitern mit dem Konstrukt der Portale als flächendeckende medizinische Versorgungsstruktur", lobte Lohfert. Er machte aber auch eines klar: Wenn sich die beiden Kreise nicht einigen und zusammenarbeiten, "dann haben sie ein Problem." Denn jeder Patient habe das Recht auf eine optimale Behandlung, doch die sei beim herkömmlichen Krankenhausbetrieb nicht mehr zu halten, weil sie unbezahlbar werde. Krankenhäuser in einer unwirtschaftlichen Situation zu belassen, werde langfristig nicht funktionieren.
"Solche Kliniken werden einmal geschlossen werden", warnte er vor allem die Schwäbisch Haller Kreisräte, von denen sich manche noch nicht so ganz mit der geplanten neuen Krankenhauslandschaft angefreundet haben. Im größeren Rahmen dagegen seien effizientere Strukturen und zugleich Einsparungseffekte möglich. Letztere berechneten die Gutachter auf rund acht Millionen Euro pro Jahr.
Damit ließen sich die Kapitalkosten für den Zentralklinikbau wie auch die Anpassung der Portale finanzieren. Die Kosten für die Zentralklinik gab Lohfert mit rund 166 Millionen Euro an. Dass sich die Zentralklinik verbunden mit einer neuen Medizinorganisation rechne, davon ist der Experte überzeugt. Er rechnet auch mit einer Sogwirkung des Klinikums über die Kreisgrenzen hinweg: Eine Zentralklinik würde neue Patienten anziehen.
Eine wesentliche Frage beantwortete die Machbarkeitsstudie indes nicht eindeutig: die Frage nach dem Standort. Die höchste Punktzahl unter den Varianten erhielt Untermünkheim (710 Punkte), vor Schwäbisch Hall (650 Punkte) und Waldenburg (630 Punkte). Die Unterschiede blieben gering, als der Gutachter die Kriterien Bevölkerungsschwerpunkt, Verkehrsinfrastruktur, Topographie, Flächenschwerpunkt und Urbanität abwog. "Das bleibt letztlich eine politische Entscheidung", so Lohfert.
Noch eins schrieb der Gutachter den Hohenlohern ins Stammbuch: "Verlieren Sie keine Zeit. Jetzt ist Eile geboten." Der Strukturwandel im Gesundheitswesen gehe rasant voran. Und mit den neuen Fallpauschalen ließen sich Unwirtschaftlichkeit noch weniger als bisher finanzieren. Das ist den Spitzen von Landkreisen wie Diakonie wohl bewusst. "Wer auf der Stelle tritt, der verpasst den Anschluss an eine erfolgreiche Zukunft", betonte Prälat Paul Dieterich bereits eingangs der außergewöhnlichen Sitzung im Schwäbisch Haller Neubausaal.
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