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Bürokratie raubt dem Krankenhaus eine Arztstelle
Von Barbara Griesinger
„Der Kugelschreiber“, sagt Dr. Johann Mautner, „war schon immer ein wichtiges Arbeitsgerät für den Arzt.“ Aber der Dokumentationsaufwand an den Krankenhäusern sei gewachsen. Auf dieser Neuerung basiert auch der Arbeitsplatz des Internisten im Bereich Medizincontrolling und EDV am Hohenloher Krankenhaus.
Johannes Mautner ist dafür zuständig, dass diese Daten fließen. Er sorgt aber auch dafür, dass diese Datenerhebung möglichst wenig Arbeitszeit seiner Kollegen frisst, die auf den Stationen für die Patienten da sein wollen und auch sollen.
Das wichtigste Arbeitsgerät des Internisten, der vorher als Kardiologe an der Inneren Abteilung des Hohenloher Krankenhauses in Öhringen Dienst tat, sind der Computer und ein ganzer Stapel Handbücher, die Tausende von bundesweit geltenden Codes auflisten. Verschlüsselt werden dabei nicht nur die unterschiedlichsten Diagnosen in Zahlenkombinationen - derzeit 145 380 an der Zahl. Hinter weiteren zurzeit 25 716 Codes verbergen sich Therapien und Operationen.
Aus Diagnose- und Therapiecode errechnet der Computer die DRG, die ausschlaggebend dafür ist, was die Krankenkasse der Klinik für diesen speziellen Patienten bezahlt. „Das heißt ,die Codierung muss sehr sorgfältig gemacht werden, weil danach Geld fließt,“ erklärt Mautner
In Deutschland wurde als erstes Land die DRG flächendeckend eingeführt, und zwar in der Rekordzeit von zwei Jahren. Die Folge: Noch ist vieles im Fluss und nicht endgültig geregelt. Das macht die Prozedur nicht einfacher, auch wenn man „einige Codes mit der Zeit auswendig“ weiß, so Mautner. Bei anderen hilft die Suchmaschine des krankenhauseigenen Sytems. Denn die gesamte Dokumentation findet am Computer statt. „Man könnte das auch alles von Hand machen,“ weiß Mautner, „doch dann säße man an einem einzigen Fall Stunden dran.“
Trotz aller Vereinfachungen kostet diese Form der Dokumentation Zeit. Zwischen fünf bis zehn Minuten, so Johann Mautner, müsse ein Kollege laut veröffentlichten Zahlen pro Fall investieren. Bei rund 13 000 Patienten, die pro Jahr in Öhringen und Künzelsau am Hohenloher Krankenhaus stationär behandelt werden, macht das bis zu 130 000 Minuten aus. Eine 40-Stunden-Woche vorausgesetzt, ergibt dies einen Zeitaufwand von satten 27 bis 54 Arbeitswochen. „Das ist an beiden Häusern zusammen auf jeden Fall mehr als eine halbe Arztstelle, wenn nicht sogar mehr als eine ganze Stelle,“ errechnet Mautner. Mit steigenden Patientenzahlen steigt damit auch die Schreibtischarbeit für die Mediziner. Und mit der Kodierung ist sie längst noch nicht zu Ende. „Die übliche Dokumentation, etwa die Arztbriefe, kommt weiterhin dazu.“
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