Tourismus im Hohenlohekreis: Bei Vermarktung weiter viel Luft nach oben

Hohenlohe  Die Touristikgemeinschaft Hohenlohe bemüht sich seit Jahren, um die Urlaubsregion bekannt zu machen. Für große Würfe fehlen ihr aber schlichtweg Geld und Personal.

Von Ralf Reichert

Tourismus im Hohenlohekreis: Bei Vermarktung weiter viel Luft nach oben

So wirbt Hohenlohe für sich als Weinparadies und Gartenparadies: Die eine Broschüre ist druckfrisch, die andere gibt es schon einige Zeit.

Fotos: Reichert/privat

 

Im Jahr der Landesgartenschau blühte nicht nur der Limes in Öhringen auf, sondern auch der Tourismus im Hohenlohekreis. 6,8 Prozent mehr Ankünfte und 5,0 Prozent mehr Übernachtungen: Das bedeutete, gemessen an den Zuwächsen, Platz vier und fünf im landesweiten Ranking aller 44 Land- und Stadtkreise. Noch nie lagen die touristischen Kennzahlen so hoch wie 2016.

Wie ist die Lage in 2017 - dem Jahr eins nach der Laga? Das ist die spannende Frage zwei Tage vor dem Start der Urlaubsmesse CMT, auf der Hohenlohe wieder vertreten ist.

Bekanntheitsgrad gestiegen

Bis September - aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor - ging es bei den Ankünften um 2,7 Prozent und bei den Übernachtungen um 1,5 Prozent nach oben. "Und der Oktober ist bei uns immer ein ganz starker Monat", sagt Andreas Dürr, Geschäftsführer der Touristikgemeinschaft (TG) Hohenlohe. "Ich gehe davon aus, dass wir 2017 mit einem Plus abschließen. Ob es dann bei 1,5 oder 3,2 Prozent liegt, spielt keine Rolle. Am wichtigsten ist, dass wir das hohe Level von 2016 bestätigt haben."

Die bis Herbst ermittelten Werte seien "gut in einem Nach-Laga-Jahr". Der Bekanntheitsgrad Öhringens und Hohenlohes sei gestiegen und deshalb eine nachhaltige Wirkung zu erwarten - ohne dass die Bäume gleich in den Himmel wachsen. Aber das war ja noch nie die Strategie der Tourismusvermarkter im Kreis, verweist Dürr auf die von Ex-Landrat Franz Susset geprägte "Politik der kleinen Schritte", die weiterhin Bestand habe.

Keine großen Sprünge drin

Übrigens auch, weil die TG Hohenlohe zu keiner Zeit über genügend Geld und Personal verfügte, um große Würfe zu landen. Und weil Nordwürttemberg als potenzielle Tourismusregion ebenfalls keine großen Sprünge machen kann, weil sie organisatorisch so zersplittert ist und die sieben Touristikgemeinschaften allenfalls themenbezogen zusammenarbeiten. Die Tourismuskooperation hielt nur vier Jahre, Anfang 2017 brach sie auseinander. Erneut war der größte Stolperstein ein einheitlicher Name, diesmal: "Fränkisches Baden-Württemberg."

Keine klassische Urlaubsregion

Tourismus im Hohenlohekreis: Bei Vermarktung weiter viel Luft nach oben

Und so ist und bleibt der Hohenlohekreis trotz des spürbaren Aufwinds durch die Landesgartenschau keine klassische Urlaubsregion, in der man eine oder zwei Wochen verweilt, sondern im Schnitt nur zwei Tage - und in der viele Geschäftsreisende die Bilanzen bei den Ankünften und Übernachtungen positiv beeinflussen.

Dazu steht TG-Chef Dürr: wohl schätzend, wie stark die florierende Wirtschaft den Tourismus belebt, und wohl wissend, dass er mit seinem Team nicht mehr leisten kann, als aus den begrenzten Ressourcen das Optimale herauszuholen - und manchmal noch ein bisschen mehr, als eigentlich Aufgabe der TG ist.

Als Veranstalter überfordert

In einem Fall führte dies jetzt zu einer Überforderung: "Wir können als TG nicht länger als Veranstalter auftreten, wie wir dies zur Laga begonnen haben. Der Aufwand ist einfach zu hoch", erklärt Dürr.

Bis Jahresende hat er Zeit, dieses Projekt abzuwickeln, und dafür zu sorgen, dass die Marke "Hohenlohe" bei den großen Buchungsportalen an Bedeutung gewinnt. In einem anderen Fall bleibt die TG zwar am Ball, muss aber gleichfalls viel Kraft aufbringen für einen Bereich, der an sich gar nicht in ihrer Zuständigkeit liegt: die Kontrolle und Prüfung der touristischen Infrastruktur - etwa Schilder und Wegweiser. Dürr: "Ich kann nur den Kopf schütteln, was da mitunter für ein Wildwuchs herrscht."

Infrastruktur hinkt hinterher

Sein Fazit: In den Köpfen und Herzen der Leute ist Hohenlohe angekommen, nur die Infrastruktur hinkt hinterher. "Unsere Broschüren können noch so gut sein: Wenn das nicht stimmt, wird es schwer." Schwer fällt auch, innerhalb der TG all das bestmöglich umzusetzen, was im modernen Tourismusmarketing gefragt ist - etwa im Online-Bereich. "Unsere Personalausstattung hat damit nicht Schritt gehalten."

Zur Laga gab es eine Stelle mehr, jetzt sind es 4,5. Mehr ist nicht drin. Bei der touristischen Vermarktung Hohenlohes gilt deshalb weiter: "Es gibt noch ganz viel Luft nach oben".