Dicke Luft bei Bürger-Info

Künzelsau  Wie geht es weiter mit der Gesundheitsversorgung in Künzelsau? Wie könnte das Medizinzentrum ausgestaltet sein? Diese Fragen will das Landratsamt im Dialog mit den Bürgern klären. Dazu gab es am Montagabend den ersten Info-Abend.

Von Ralf Reichert

Von Dialog kann noch keine Rede sein

50 Demonstranten versammelten sich am Montagabend vor der Stadthalle. Sie riefen zum Boykott des Dialogs auf, den der Kreis mit dem Bürgerabend starten will.

Die 50 Demonstranten vor der Stadthalle haben keine Lust auf diesen Dialog. Dafür sei es viel zu spät. Ein medizinisches Versorgungszentrum für Künzels-au? Das ist für sie keine Alternative. Stattdessen fordern sie: Das Krankenhaus muss bleiben. Ohne Wenn und Aber.

Und rufen deshalb zum Boykott jenes Dialogs auf, den das Landratsamt mit der Bürgerveranstaltung am Montagabend in Gang bringen will. Die Stimmung ist aufgeheizt, draußen genauso wie drinnen in der Stadthalle, wo sich 350 Interessierte versammelt haben.

Um 19 Uhr geht es los

Die nächsten 45 Minuten sind ein Spiegelbild des Konflikts, der völlig außer Kontrolle geraten ist. Und Moderator Helmut Bauer aus Tübingen hat alle Mühe, den Abend in geordnete Bahnen zu lenken. Bauer hat viel Erfahrung in solchen Dingen, aber er weiß: Das wird eine Herkulesaufgabe. Den Streit zwischen verärgerten Anwohnern und dem Landratsamt um die Vergangenheit und Zukunft der Mülldeponie in Beltersrot hat er zuletzt entschärfen können. Und diesmal? "Mann kann es nicht sagen", erklärt er der HZ. Bauer ahnt, was da auf ihn zukommt. Dann betritt er die Bühne.

Von Dialog kann noch keine Rede sein

Wie geht es weiter mit der Gesundheitsversorgung in Künzelsau? Wie könnte das Medizinzentrum aussehen? Diese Fragen will das Landratsamts im Dialog mit den Bürgern klären. 350 Interessierte waren gestern da.

Eine Dreiviertelstunde später hat er einen ersten Vorgeschmack bekommen, wie extrem verhärtet die Fronten sind. Als Landrat Dr. Matthias Neth die Lage aus Sicht des Kreises darstellt, gibt es immer wieder laute Zwischenrufe. "Ich verstehe Ihre Emotionen, aber ich frage mich, ob wir uns nicht besser zuhören sollten", sagt er. Doch damit dringt er kaum durch.

Neth will klarmachen, warum es aus seiner Sicht zu der Entscheidung des Kreistags keine Alternative gibt, in Öhringen eine neue Klinik zu bauen und im Gegenzug das Krankenhaus in Künzelsau zu schließen. Doch die harten Kritiker schalten auf Durchzug. Sie wollen es nicht wahrhaben, sie zweifeln Neths Worte an, sie haben das Vertrauen in ihn verloren.

"Ich werde Ihnen heute keine Versprechungen machen, was wir in Künzelsau letztendlich entwickeln werden", sagt Neth. "Das wäre unredlich, denn dies hängt von vielen externen Faktoren ab."

Von Dialog kann noch keine Rede sein

Landrat Matthias Neth hatte einen schweren Stand.

Fotos: Ralf Reichert

Aber: Gerade weil die konkrete Ausgestaltung des Medizinzentrums noch offen sei, könnten sich die Bürger nun einbringen. "Wir werden Ihre Anregungen für die weitere Planung aufnehmen" - genauso wie jene Punkte, die jüngst von Seiten der Stadt Künzelsau an den Landkreis herangetragen worden seien. "Um diesen Standort mit Leben zu füllen, wünsche ich mir Ihre aktive Mitwirkung", erklärt der Landrat.

Fragerunde

Dann ist wieder Helmut Bauer dran. Was hat Neths Gegner während dessen Rede am meisten auf die Palme gebracht? Der Moderator hat es notiert. Jetzt wird es in einer ersten Fragerunde abgearbeitet. Und dabei bleibt es: unruhig und laut. Bauer erkennt: Diese harte Nuss ist sehr schwer zu knacken.