Zwischen Gelassenheit und Sorge

Hohenlohe - Im politischen Berlin ist die Aufregung groß: Wie soll man dem Internetgiganten Google begegnen, der sein Straßenpanorama-Programm Street View im Herbst in 20 deutschen Städten starten will?

Von Carsten Friese und Constanze Koppenhöfer

Zwischen Gelassenheit und Sorge
Der Öhringer Walter Küstner lehnt eine Veröffentlichung seines Hauses bei Google Street View ab. Er will die Privatsphäre schützen.

Hohenlohe - Im politischen Berlin ist die Aufregung groß: Wie soll man dem Internetgiganten Google begegnen, der sein Straßenpanorama-Programm Street View im Herbst in 20 deutschen Städten starten will? Was soll, was muss aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes klar geregelt oder eingeschränkt werden?

Nicht böse
 
Wer bei Hausbesitzern und Mietern in der Region nachfragt, erlebt die volle Bandbreite der Meinungen. Ein Stimmungsbild zwischen Gelassenheit und großer Sorge. Noch gibt es keine Pläne, wann in Öhringen, Künzelsau und Heilbronn die Straßenzüge in 360-Grad-Ansicht virtuell zu durchwandern sind. Doch die Pfedelbacherin Ariane Gaust hat sich schon ihre Gedanken gemacht. "Das Internet an sich ist nicht böse", sagt sie. Sie stuft es als harmlos ein, dass früher oder später ganze Städte im Internet fotografisch erfasst werden. Die Pfedelbacherin glaubt: "Wenn man bewusst jemanden sucht, dann findet man den auch." Es gebe Schlimmeres im Internet, beispielsweise das Einstellen privater Bilder.

Ganz anders sieht das Irmgard Uhlmann, wie sie der HZ in der Öhringer Fußgängerzone erklärt: "Alles wird noch transparenter, als es ohnehin schon ist." Sie kann sich vorstellen, Widerspruch gegen die Google-Aufnahmen einzulegen. Ihr Mann Viktor ist derselben Meinung. Andere Serviceleistungen von Google nutzt er jedoch. "Street View stellt mir das Privatleben aber zu detailliert dar", sagt er.

Heinrich Brehm aus Pfedelbach hingegen hat nichts einzuwenden. "Man kann davon auch profitieren", meint er, "und vermutlich kann man es sowieso nicht aufhalten." Widerspruch würde er nicht einlegen. Auch Steffen Fuchs nimmt das Vorhaben gelassen. Ein Vorteil sei, Sehenswürdigkeiten aus nächster Nähe zu betrachten. Peter Guske hält die Ängste für "absolut übertrieben" und "durch die Medien geschürt". Er schiebt den Medientrubel um Google Street View auf das Sommerloch. Begeistert von der Idee ist er aber nicht: "Ich bin kein Freund davon."

Im Stadt- und Landkreis Heilbronn gehen die Meinungen ebenfalls auseinander. Der Leingartener Ralf Kleber hat beim Gedanken daran ein schlechtes Gefühl: "Weil die Privatsphäre gestört wird, weil jeder Einsicht hat in meine Umgebung und Dinge ausspähen kann." Widerspruch einlegen? Er tendiert dazu. "Man muss nicht immer gläserner werden."

Einbrecher

Im Heilbronner Osten, einer Wohngegend der Mittel- und Oberschicht, ist eine 62-jährige Hausbewohnerin "eindeutig dagegen". Ihren Namen will sie nicht nennen. Doch mit Blick auf Einbrüche in der Nachbarschaft und Diebstähle aus Handwerkerautos findet sie die Street-View-Pläne "nicht in Ordnung". Man müsse doch nicht zeigen, "wo man einbrechen kann oder wie viel Geld die Leute vielleicht haben".

Zwischen Gelassenheit und Sorge
Irene Eckert aus Öhringen hat nichts dagegen, dass ihr Haus im Internet gezeigt wird. Sie nutzt auch selbst Serviceleistungen von Google.Fotos: Hagen Stegmüller