Zug ist noch nicht abgefahren

Künzelsau - Öhringen schaut voll Freude auf die anstehende Umbenennung seines Bahnhofs in Hauptbahnhof, der Landkreis sieht die Stadtbahn als Erfolgsgeschichte, und Künzelsau schaut weiter in die Röhre. Die Stadtverwaltung will sich damit nicht zufrieden geben und hofft immer noch auf eine Verlängerung bis ins Kochertal.

Von Matthias Stolla

Zug ist noch nicht abgefahren
Stadtbahn bis Künzelsau? Bislang nur ein Traum.Foto: Archiv/Boxheimer, Montage/Uwe Becker

Künzelsau - Öhringen schaut voll Freude auf die anstehende Umbenennung seines Bahnhofs in Hauptbahnhof, der Landkreis sieht die Stadtbahn als Erfolgsgeschichte, und Künzelsau schaut weiter in die Röhre. Die Stadtverwaltung will sich damit nicht zufrieden geben und hofft immer noch auf eine Verlängerung bis ins Kochertal.

Die Ebene hat die Stadtbahn und die Autobahn, das Kochertal hat Arbeitsplätze, und das Jagsttal hat sich selbst - so mancher Bewohner erlebt den Hohenlohekreis dreigeteilt, so mancher Kommunalpolitiker sieht seinen Teilkreis dabei im Nachteil. Der finanziell gut ausgestattete Hohenlohekreis könne doch die Stadtbahn bis an die Jagst verlängern, schlug der Krautheimer Bürgermeister Andreas Köhler unlängst in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses vor. Das war eher scherzhaft gemeint, und der Erste Landesbeamte Hans-Günter Lang antwortete: „Wir wären schon froh, wenn sie bis Künzelsau ginge.“

Beschränkt

Darüber wäre auch der Künzelsauer Bürgermeister Volker Lenz froh - ganz im Ernst. Dass die Stadtbahn seit Dezember 2005 zwar bis in den Hohenlohekreis fährt, aber im Öhringer Stadtteil Cappel endet, hat Lenz nie ganz verwunden. Dass die Kostenanalyse Jahre zuvor nicht so über die Bühne ging, wie er es sich gewünscht hätte, auch nicht. Die Mehrheit im Kreistag hatte damals die Untersuchung auf den Bereich bis Öhringen beschränkt.

Jetzt, sechs Jahre danach, will es der Bürgermeister wieder wissen: „Vielleicht hat sich seither etwas geändert.“ Die Spritpreise zum Beispiel. Die könnten heute mehr Menschen zum Umsteigen auf die Bahn bewegen als früher, hofft Lenz. Um das herauszubekommen, investiert Künzelsau 10 000 Euro und lässt die Fakten erneut von einer Beratungsfirma prüfen. Die Ergebnisse sollen zeigen, ob eine umfangreiche Machbarkeitsstudie jetzt Aussicht auf Erfolg hat. Lenz: „Wir sind sehr gespannt, was da auf uns zukommt.“

Finanzen

Ein Leserbrief am 16. August in der HZ hat die Sache wieder ins Rollen gebracht. Der Autor hatte den positiven Haushaltszwischenbericht der Stadt zum Anlass genommen und angeregt: Wenn Künzelsau schon über 80 Millionen Euro Gewerbesteuer bekommt, müsste auch Geld für eine Stichstrecke Waldenburg-Künzelsau drin sein.

Jetzt wird erst einmal geprüft, ob sich die Rahmenbedingungen zugunsten des Traums vom Stadtbahn-Anschluss verändert haben. Die Ergebnisse werden dann dem Gemeinderat präsentiert. Klar ist für den Bürgermeister aber auch: Selbst wenn der Daumen diesmal hoch ginge, „es wird verdammt schwierig werden.“ Künzelsau will für alle Fälle gerüstet sein. Lenz: „Wir haben unsere Bahntrasse im Gegensatz zu anderen Kommunen nicht zugebaut.“ Dass Landrat Helmut M. Jahn in seiner Haushaltsrede von einer Verlängerung der Stadtbahn sprach, allerdings in Richtung Schwäbisch Hall, beunruhige ihn nicht, erklärt Volker Lenz: „Ich sehe das nicht nachteilig.“