Solarstrom speichern? Hochschule forscht

Künzelsau - Alle Welt diskutiert, wie Energie gespart und umweltschonend produziert werden kann. In Künzelsau wird über diese Frage geforscht. Und gelehrt. Im Studiengang "Energiemanagement". Kaum ein Hochschulfach in dieser Region ist so aktuell wie dieses. Und kaum ein anderes hat eine so glänzende Zukunft vor sich.

Von Ralf Reichert

Künzelsau - Alle Welt diskutiert, wie Energie gespart und umweltschonend produziert werden kann. In Künzelsau wird über diese Frage geforscht. Und gelehrt. Im Studiengang "Energiemanagement". Kaum ein Hochschulfach in dieser Region ist so aktuell wie dieses. Und kaum ein anderes hat eine so glänzende Zukunft vor sich.

Doch alles soll Schritt für Schritt gehen. Ja nichts überstürzen − und die hohe Qualität weiter ausbauen: So lautet die Devise. 120 Studenten büffeln gerade für ihren Abschluss, die ersten zehn haben ihn bereits in der Tasche und nehmen ihr Zeugnis an diesem Freitag in Empfang.

Abenteuer

Florian Megerle, der in Weißbach aufwuchs und seit Februar in Niedernhall wohnt, ist einer von ihnen. Der 23-Jährige zählte zu den ersten, die im Wintersemester 2007/2008 das Abenteuer wagten. Und gewannen. "100 Prozent der Absolventen haben einen Job", sagt Professor Mohamed Ibrahim (43). An dieser Quote dürfte sich für lange Zeit nichts ändern. Denn schon beim Start des Studiengangs vor fast vier Jahren waren Energiemanager stark gefragt. Nach der Atom-Katastrophe in Fukushima und der allseits beschworenen Energiewende sind sie es erst recht. Die jungen Fachleute kennen sich aus: Mit erneuerbaren Energien, aber auch mit klassischen. Mit der Planung von Versorgungssystemen und mit deren Bau. Mit der Produktion von Energie und mit deren Einsparung. Und sie operieren an der Schnittstelle von Wirtschaft und Technik. Kein anderer Studiengang in Deutschland vereint diese beiden Wissensbereiche so wie in Künzelsau.

Diese spannende Mischung hat auch Florian Megerles Interesse geweckt. Sein Studium schaffte er mit der Gesamtnote "gut", seit Mitte März 2011 arbeitet der frisch gebackene Energiemanager bei Würth Solar in Schwäbisch Hall. Dort machte er sein Praxissemester, danach stand fest: "Da will ich hin." Jetzt verfeinert er ein Programm, mit der Handwerker Photovoltaik-anlagen komplett am Computer planen können. "Ich habe hier einen super Einstieg geschafft", sagt Megerle, der bei Würth Solar noch einiges bewegen will.

Ein Studiengang, der in die Zeit passt
Florian Megerle bekam gleich nach dem Studium einen Job. Seit März tüftelt er bei Würth Solar an einer Software zur Planung von Photovoltaikanlagen.Fotos: Reichert

Eine Frage umtreibt nicht nur ihn, sondern auch seinen Prüfer, Professor Mohamed Ibrahim: Wie kann man Solarstrom so speichern, dass er jederzeit abrufbar ist? Die Solartechnik ist noch kein Massenprodukt, weil es genau daran hakt. Doch Experten erwarten in den nächsten Jahren den Durchbruch. Überall wird gesucht: bei Würth Solar genauso wie an der Hochschule Künzelsau, im Fach "Energiemanagement".

Professor Ibrahim ist eine Koryphäe auf dem Gebiet. Sein Credo: Die Zukunft der Energieversorgung ist dezentral. Und regenerativ. Nur: Ohne eine effektive Speichertechnik ist alle Mühe umsonst. Ebenso wichtig sind serienreife Systeme, die Energie intelligent steuern. Erst vor kurzem hat der Stiftungsrat der Hochschule neue Mittel locker gemacht, um daran weiter zu forschen. Alle wissen: Energiemanagement kann der neue Leuchtturm in Künzelsau werden. Mit der so vielfach gewünschten internationalen Ausrichtung und Beachtung.

Klein, aber fein Bisher werden nur im Wintersemester neue Studenten aufgenommen. 35, nicht mehr. Die Hochschule will ihr Image wahren: klein, aber fein. Zuletzt gab es 170 Bewerber. Tendenz steigend. Florian Megerle wurde genommen. Und steht jetzt am Anfang einer verheißungsvollen Karriere.

Ein Studiengang, der in die Zeit passt
Professor Mohamed Ibrahim im Labor der Hochschule. Solarstrom ist sein Steckenpferd, darüber forscht und lehrt er im Studiengang "Energiemanagement".

Neu: Energieökologie

Kaum ist der Studiengang „Energiemanagement“ voll eingeschlagen, startet in Künzelsau schon das nächste neue, ambitionierte Fach: „Energieökologie“. Der Unterschied: Hier geht es nur um Technik. Schwerpunkte sind Systeme, die Energie so effizient wie möglich liefern – bis hin zu völlig autarken Lösungen. Ein gigantischer Zukunftsmarkt, der schon ein bisschen nach Science-Fiction klingt. In New York gibt es bereits einen Bürgersteig, der die Energie der Passanten aufnimmt. Doch auch der mechanische Heimtrainer kann ganz prima Energie liefern. Das ist aber Zukunftsmusik – und fällt in das Gebiet Grundlagenforschung. Für mögliche Anwendungen wären dann eines Tages wiederum die Energiemanager zuständig.