Polizei geht verschärft gegen Handy-Sünder vor

Hohenlohe - Immer mehr Autofahrer im Landkreis ignorieren Verbot. Auch Politessen dürfen Verstöße melden. Seit April 2004 wird die Ordnungswidrigkeit mit 40 Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet

Von Hagen Stegmüller

Polizei geht verschärft gegen Handy-Sünder vor
Telefonate sind nur bei abgeschaltetem Motor erlaubt.Foto: Hagen Stegmüller

Hohenlohe - Rudi Schmidt hat den Eindruck, als habe die Polizei „in ein Wespennest“ gestochen. Mit Sorge betrachtet der Leiter des Hohenloher Straßenverkehrsamts, dass viele Autofahrer das Handy-Verbot am Steuer wohl nicht ernstnehmen. Weil die Polizei ihre Kontrollen ausgeweitet hat, sind die Bußgeld-Verfahren im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen. Die Beamten wollen ihren Überwachungsdruck verschärfen.

„Wir kontrollieren mehr, weil die Moral gesunken ist“, sagt Uwe Trumpp, Chef der Hohenloher Verkehrspolizei. Er beobachtet beim Handy-Telefonieren während der Fahrt eine wachsende Sorglosigkeit. Telefonate ohne Freisprech-Einrichtung sind schon seit 2001 verboten, zunächst war ein Verwarngeld von 30 Euro fällig. Seit April 2004 wird die Ordnungswidrigkeit mit 40 Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet. Aus dem Verwarn- ist somit ein Bußgeld geworden, das automatisch eine zusätzliche Verwaltungsgebühr von 25 Euro nach sich zieht.

Wenig abschreckend

Der Auto Club Europa (ACE) glaubt, dass die Bußgeld-Höhe noch nicht abschreckend genug ist. „Aus unserer Sicht stellt die Missachtung des Handy-Verbots ein gravierendes Problem dar“, sagt ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Zudem wirke nicht die Höhe des Strafzettels disziplinierend, sondern ein „erhöhtes Entdeckungsrisiko“. Momentan hätten die Autofahrer aber wenig zu befürchten. Hillgärtner fragt sich, ob es der Polizei zu aufwendig ist, Handysünder zu stellen.

Uwe Trumpp arbeitet daran, diesen Vorwurf zu widerlegen. Der Leiter der Hohenloher Verkehrspolizei kündigt Schwerpunktwochen und verschärfte Überwachung während der normalen Dienstzeit an. Um den telefonierenden Autofahrern auf die Schliche zu kommen, werden auch Beamte in Zivil eingesetzt. Sie postieren sich verdeckt an einer Straße und geben Handysünder an ihre uniformierten Kollegen weiter. Hundert Meter weiter winkt dann die Polizeikelle.

Laut dem Chef des Öhringer Ordnungsamts Axel Schramm ist es grundsätzlich möglich, dass auch Gemeinde-Vollzugsbeamten die Handysünder melden. Weil die Politessen aber kein Anhalterecht hätten, gebe es ein Problem mit der Beweislage. Keine Schwierigkeiten haben die Ordnungsämter mit Autofahrern, die wegen Tempoüberschreitung in eine Radarfalle tappen und dabei das Handy am Ohr haben. Das Foto ist der beste Beweis, also kommen nochmal 40 Euro, die Verwaltungsgebühr und ein Punkt in Flensburg obendrauf.

Unfälle mit Handy

Das Hohenloher Straßenverkehrsamt zitiert eine Studie aus dem Jahr 1996, wonach bundesweit 20 Verkehrsteilnehmer wegen Telefonierens am Steuer tödlich verunglückten. Mehrere hundert wurden verletzt. Im Dezember 2005 starb zwischen Künzelsau und Gaisbach ein neunjähriges Mädchen im Fond eines Autos. Die Fahrerin (31) eines entgegenkommenden Wagens telefonierte und verursachte dabei den folgenschweren Unfall.

Besserung bei Gurtpflicht?

Die Hohenloher Verkehrspolizei hat den Eindruck, als werde die Gurtpflicht wieder häufiger beachtet. Die Ausweitung der Kontrollen im Hohenlohekreis hat die Zahl der registrierten Verstöße aber auch in diesem Bereich ansteigen lassen. Die Polizeidirektion will nach eigenem Bekunden dranbleiben und weiter verstärkt nach Gurtmuffeln Ausschau halten. Gurtsünder zahlen ein Verwarngeld von 30 Euro.