Gemeinden fürchten Kosten

Hohenlohe - Der Künzelsauer Bürgermeister Volker Lenz würde nur allzu gern nachweisen, dass der Kreisstadt ein Stadtbahn-Anschluss zusteht. Mit einer Machbarkeitsstudie lässt Lenz prüfen, ob eine Bahnlinie ins Kochertal wirtschaftlich wäre. Auf dem gewünschten Schienenweg nach Künzelsau liegen aber noch andere Gemeinden - und die äußern sich genauso wie die Bahn skeptisch.

Von Hagen Stegmüller

Gemeinden fürchten Kosten
Weihnachtliche Stadtbahnfreude bei Künzelsaus Bürgermeister Volker Lenz: „Den Öhringer Hauptbahnhof lassen Sie besser mal im Vorzimmer, Frau Gaisbacher. Solange das wichtige Weichenstück für die Verbindung dorthin nicht geliefert werden kann, fahren wir lieber nur im Kreis herum.“Karikatur: Heinz Knaus

Hohenlohe - Volker Lenz lässt nicht locker. Der Künzelsauer Bürgermeister würde nur allzu gern nachweisen, dass der Kreisstadt ein Stadtbahn-Anschluss zusteht. Mit einer Machbarkeitsstudie lässt Lenz prüfen, ob eine Bahnlinie ins Kochertal wirtschaftlich wäre. Auf dem gewünschten Schienenweg nach Künzelsau liegen aber noch andere Gemeinden - und die äußern sich genauso wie die Bahn skeptisch.

Kaum Geld

„Für unsere Stadt wäre das eine riesige finanzielle Belastung“, sagt Waldenburgs Bürgermeister Markus Knobel. Sicherlich sei die Verlängerung der Stadtbahn von Cappel bis Waldenburg wünschenswert und für die Beschäftigten des Gewerbeparks Hohenlohe ein großer Vorteil. Doch das Budget der Stadt sehe nicht gerade rosig aus. Ähnlich sieht es Sabine Eckert-Viereckel. „Finanziell wird es eng“, meint die Neuensteiner Rathaus-Chefin. Schon vor Jahren seien der Stadt im Fall einer Stadtbahn-Erweiterung Kosten von zwei Millionen Euro vorausgesagt worden. Eckert-Viereckel geht davon aus, dass sich dieser Betrag erhöhen würde.

„Man muss die Kosten und den Nutzen der Stadtbahn ins Verhältnis setzen“, sagt Eckert-Viereckel, zudem müsse man die Kosten sehen, die der Nahverkehr insgesamt verursache. Kein Geheimnis ist, dass Neuenstein das Thema Stadtbahn-Verlängerung ohnehin gelassener als Künzelsau angehen kann. Schon jetzt fahren Züge täglich im Stundentakt nach Heilbronn oder Schwäbisch Hall.

Umland ist dünn besiedelt

„Einer Stadtbahn-Verlängerung bis nach Künzelsau würden wir uns grundsätzlich nicht verschließen“, sagt Martin Schmolke, Sprecher der Deutschen Bahn in Stuttgart. Zugleich schränkt Schmolke aber ein, dass die Wirtschaftlichkeit erwiesen sein müsse.

In diesem Punkt hat der Bahn-Sprecher erhebliche Zweifel: „Künzelsau hat nicht das Riesen-Potenzial an Fahrgästen. Das ganze Umland ist dünn besiedelt.“ Sollte es sich um ein reines Prestige-Objekt handeln, müsse man sich schon fragen, „ob man so etwas braucht“. Letztlich werde übers Geld geredet. „Wer zahlt?“ sei am Ende immer noch die Frage, die über die Verwirklichung eines Projekts entscheide.

Derweil bekommt Künzelsau aus Kupferzell Unterstützung. Daran ändert auch nichts, dass die Gemeinde auf der ehemaligen Bahntrasse für etliche hunderttausend Euro Radwege angelegt hat. „Die Trasse ist immer noch frei. Wir sind dabei, wenn die Stadtbahn-Verlängerung Sinn hat“, sagt der Kupferzeller Vize-Bürgermeister und Kreisrat Peter Lemke. Die B 19 stehe im Berufsverkehr „kurz vor dem Kollaps“. Denkbar sei auch eine neue Bahntrasse entlang der Bundesstraße. „Künzelsau hat Geld und ist die einzige Kreisstadt im Land ohne Bahnanschluss“, nennt Lemke zwei weitere Gründe, warum die Stadtbahn-Verlängerung doch Chancen habe. Kommentar „Ehrlich rechnen“