Familienfest statt schwarzer Messe

Mulfingen - Mit ihren roten und blauen Hemden stechen Charlie Huber und Rolf Hub richtig aus der schwarz gekleideten Menge heraus. Auf dem Boarstream Open-Air in Eberbach treffen sich etwa 350 Metal-Fans

Von Daniel Stahl

Gute Güte, was sind wir Heavy Metal Fans doch böse – wer sagt denn, das es nur auf der Bühne Platz für wilde Pos(s)en gibt?Fotos: Daniel Stahl

Mulfingen - Mit ihren roten und blauen Hemden stechen Charlie Huber und Rolf Hub richtig aus der schwarz gekleideten Menge heraus. Auf dem Boarstream Open-Air in Eberbach treffen sich etwa 350 Metal-Fans. Charlie Huber hat die Neugier auf die Inselwiese gelockt. Und was er hört, gefällt ihm ganz gut: „Die Musik kann man sich ja anhören, aber das mit dem Kopfschütteln versteh’ ich nicht.“

Dabei ist es so einfach, erläutern Becca, Marie und Ina: „Einfach den Kopf schütteln. Wer als erster Nackenschmerzen hat, hat gewonnen.“ Tatsächlich stehen vor der Bühne einige Besucher und schütteln ihre Köpfe zur Musik. Ihre langen Haare fliegen wild hin und her.

Regeln

„Bei anderer Musik tanzen und pogen die Leute, Metaler Bangen eben“, sagt Marie (23). Das gehöre zur Metal-Musik dazu, die wie jede Musikrichtung ihre eigenen Regeln habe. „Metal ist ein Lebensstil“, sagt Nils Hofacker. „Wir sehen vielleicht anders aus“, sagt Andreas Bauer, „aber es steckt mehr dahinter“. Gemeinsam mit einigen Freunden sitzt der 17-Jährige gemütlich am Rand des Festival-Geländes. Alle tragen schwarze T-Shirts mit Band-Logos. Manche haben schwarze Jeans und Stiefel an, einige haben Nietenbänder um die Handgelenke. Alle lachen und feiern.

Gemeinschaft

Mit der schwarzen Kleidung drücke man aus, dass man Metal-Musik höre, erklären sie. Und man grenze sich von anderen ab. „Aber wir sind nicht gegen andere“, fügt Sebastian Uhl (19) gleich hinzu. Das ist ihm wichtig. „Es ist höchstens eine Ausgrenzung vom System.“ Metaler seien eben gerne unter sich, sagt ein anderer Festival-Besucher mit schwarzem Mantel und Nietenschmuck. Denn die Gemeinschaft untereinander sei sehr gut. „Bei uns sind die Leute nicht auf Stress aus.“

Schüttel dein Haar für mich – Metal-Freaks lassen sich nicht lange bitten.

Und wirklich herrscht überall auf der Eberbacher Inselwiese eine fast familiäre herzliche Stimmung. „Wir feiern sicher keine schwarzen Messen und sind auch sonst nicht böse“, sagt jemand. „Wir wollen Blödsinn labern auf Festivals und zusammen Spaß haben“, sagt Benny Rupp.

Die Gemeinschaft ist wichtig, findet Michael Rapp. Der 24-Jährige ist Metal-Fan und einer der Festival-Organisatoren. „Hier in der Gegend gibt es kaum ein Festival in der Richtung.“ Also habe man selbst etwas organisiert – von Metal-Fans für Metal-Fans.

Weil in diesem Jahr Gassenfest-Pause ist, haben einige junge Eberbacher Hüttenfreunde um Michael Rapp und Marcel Opitz das Boarstream auf die Beine gestellt. Bands wie „Fäff in Fire“, „Legio Mortis“ oder „Black Messiah“ treten von 13 Uhr bis spät in die Nacht auf der Inselwiese auf. Die Besucher sind zufrieden. „Hoffentlich gibt es so was in den nächsten Jahren wieder“, sagen Metal-Fans aus Rothenburg.